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Für die Autozulieferer wird es nicht leichter © ZF
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Redaktion 06.09.2019

Für die Autozulieferer wird es nicht leichter

Roland Berger-Analyse: Die global rückläufige Pkw-Produktion bringt die Kfz-Industrie in Schwierigkeiten.

••• Von Jürgen Zacharias

Die Automobilindustrie ist im Wandel. Neue Formen der Mobilität, Autonomes Fahren, Digitalisierung und Elektrifizierung sorgen für einen immer rasanteren Umbruch, dessen Auswirkungen nun zunehmend auch in schwächelnden Verkaufszahlen und rückläufigen Renditen spürbar werden. So ist im ersten Halbjahr 2019 die Pkw-Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent zurückgegangen. Außerdem wird für das laufende Jahr laut der „Global Automotive Supplier Study 2019” von Roland Berger und Lazard, für die Kennzahlen von 600 Zulieferern ausgewertet wurden, eine durchschnittliche EBIT-Marge von nur mehr sechs Prozent erwartet – der niedrigste Wert seit 2012.

China steht im Mittelpunkt

„Grund für diese negative Entwicklung sind vor allem der schwache Pkw-Absatz in China und die allgemeine konjunkturelle Abkühlung. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen im Rahmen des Wandels hin zur Elektromobilität”, erklärt ­Felix Mogge, Partner bei Roland Berger. „Internationale Handelskonflikte und die laufenden Sparprogramme der Hersteller verstärken diesen Trend.”

China war in den vergangenen Jahren der Wachstumsmotor der globalen Automobilindustrie, entwickelt sich nun aber zu einem ihrer größten Probleme. Der Handelskonflikt mit den USA hat die Rahmenbedingungen deutlich verändert. Folgedessen sanken die Automobilverkäufe in China im ersten Halbjahr 2019 zweistellig gegenüber der Vorjahresperiode. „Die Wachstumsprognosen waren gut, und viele Zulieferer haben Kapazitäten aufgebaut”, sagt ­Mogge. „Jetzt bleiben bei manchen Zulieferern 60 bis 70 Prozent der neuen Kapazitäten ungenutzt.”

Finanzieller Spielraum wichtig

Um sich auf die Auswirkungen dieser Überkapazitäten vorzubereiten, sollten sich die Zulieferer laut Mogge „einen ausreichenden finanziellen Spielraum sichern, der auf lange Sicht trägt”. Denn auch der Zugang zu Kapital könnte durch die negative Marktlage schwieriger werden.

„Viele Equity-Investoren bevorzugen andere Sektoren als die zyklische Automobilindustrie. Gleichzeitig werden Banken restriktiver mit der Vergabe von Kreditfinanzierung – dies trifft insbesondere kleinere Zulieferer in Produktbereichen, die künftig strukturell unter Druck kommen werden”, sagt Christof Söndermann, Managing Director bei Lazard.
Daneben ist die Zahl der M&A-Transaktionen im Zuliefersektor im laufenden Jahr rückläufig. Gerade chinesische Unternehmen, die in den vergangenen Jahren eine wichtige Käufergruppe darstellten, seien mittlerweile deutlich weniger aktiv.

Sparprogramme ausgerufen

Einerseits ist also weniger Geld da, andererseits soll mehr Geld investiert werden, um es in Digitalisierung und moderne Mobilitätsangebote investieren zu können. Als Folge davon versuchen viele Autohersteller nun, ihre Kosten zu senken, unter anderem mit Sparprogrammen im Einkauf, die neben den Herstellern auch die Zulieferer unter Druck setzen.

Kein Patentrezept

Das sorge bei Letzteren für einen schwierigen Spagat: Sie müssen das angestammte Geschäft weiter profitabel führen und dürfen gleichzeitig keine Wachstumstrends verpassen. „In diesem Kontext haben große und finanziell solide aufgestellte Unternehmen eine tendenziell bessere Ausgangsposition. Für viele kleinere Unternehmen wird der Wandel hingegen sehr anspruchsvoll”, so Felix Mogge.

Der Studie zufolge gibt es jedoch kein allgemeingültiges Patentrezept für die Zulieferer. Jedes Unternehmen muss auf Basis der eigenen Situation und Marktposition die passende strategische Herangehensweise finden. Generell müssen viele Zulieferer flexibler werden, um mit den schnellen technologischen Entwicklungen Schritt zu halten. „Sie brauchen vor allem agile Strukturen und Vorgehensweisen in ihrer Organisation – und sollten auch verstärkt Kooperationen prüfen”, rät Roland Berger-Partner Mogge.

Profitables Wachstum als Ziel

Ebenso wichtig ist ein konsequentes und aktives Portfoliomanagement. „Zulieferer müssen entscheiden, ob sie in langfristig stagnierenden Bereichen die Marktführerschaft erlangen bzw. verteidigen können. Wenn dem so ist, sollte das Geschäft ausgebaut sowie konsequent auf Ertragssteigerung und Cash-Flow-Maximierung ausgerichtet werden; andernfalls sollte der Exit in Betracht gezogen werden”, meint Chris­tof Söndermann von Lazard. „Das freigesetze Kapital sollte in Bereiche investiert werden, in denen ein profitables Wachstum realistisch ist.”

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