AUTOMOTIVE BUSINESS
Zahl der Elektroautos hat sich mehr als verdoppelt
Moritz KOlar 03.04.2015

Zahl der Elektroautos hat sich mehr als verdoppelt

Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) Studie zeigt: Globaler E-Auto-Bestand wächst

Nirgendwo gibt es mehr Stromer als in den USA; der prozentuelle Anteil ist in Norwegen am höchsten.

Kein E-Auto wurde öfter verkauft: 150.000 Nissan Leaf sind weltweit auf den Straßen.

Stuttgart. Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) kann erneut enorme Zuwächse bei der Elektromobilität vermelden: Nach Berechnungen der Wissenschaftler waren Anfang 2015 mehr als 740.000 Elektroautos weltweit unterwegs. Voriges Jahr wurden etwa 320.000 Fahrzeuge neu zugelassen; damit hat der Zulieferermarkt für Fahrzeug-Akkus mit etwa 2 Mrd. Euro beachtliche Umsätze erzielt. Nissan Leaf, Tesla Model S und der Mitsubishi Outlander Plug-In führen demnach die Zulassungsstatistiken 2014 an.

USA mit höchstem Bestand

Zu den Staaten mit den höchsten absoluten Zuwächsen zählen vor allem die USA, deren Bestand an Strom betriebenen Pkw um rund 117.000 (bzw. 69 Prozent) auf insgesamt etwa 290.000 gewachsen ist. Damit sind die Vereinigten Staaten nach wie vor international führend, gemessen am Bestand. Auch in China ist ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen: um fast 54.000 auf knapp 100.000 E-Fahrzeuge, was einer Erhöhung von etwa 120 Prozent entspricht; China belegt somit laut ZSW im Vergleich der Bestandszahlen Rang 3 – knapp hinter Japan. Dort wurde die Marke von 100.000 E-Autos überschritten bei einer allerdings vergleichsweise niedrigen Zuwachsrate von 45 Prozent. Gemeinsam ist den führenden Ländern, dass im Wesentlichen Marktanreizprogramme für die erfolgreiche Entwicklung der Elektromobilität verantwortlich zeichnen. China geht inzwischen sogar dazu über, nur noch einheimische E-Fahrzeuge zu fördern und unterstreicht damit die industriepolitische Bedeutung der Elektromobilität. Fehlende Marktanreize führen hingegen dazu, dass Deutschland beim Bestand (ca. 29.600) auf Platz 7 und bei den Neuzulassungen (ca. 11.700) nur auf Platz 8 landet.

Norwegen vorbildlich

Wie in den vergangenen Jahren wird derweil Norwegen weiterhin seiner Vorreiterrolle gerecht: Um 113 Prozent auf insgesamt gut 43.400 steigt dort der E-Auto-Bestand. In dem skandinavischen Land sind insgesamt rund 2,64 Mio. Pkw registriert – somit wird dort die Elektromobilität mit einem Anteil von gut 1,6 Prozent schon im Alltag sichtbar. Daran gemessen ist Norwegen weltweiter Spitzenreiter. Zum Vergleich: In Deutschland macht dieser Anteil gerade einmal 0,07 Prozent aus.

Nissan vor GM und Toyota

Derzeit führend beim Bestand sind Modelle von Nissan, General Motors (GM), Toyota, Mitsubishi und Tesla. So wurden laut ZSW- Berechnungen seit 2010 insgesamt über 150.000 Nissan Leaf zum Verkehr zugelassen. Auf fast 75.000 ist die Bestandszahl des Chevrolet Volt von GM angewachsen, während der Toyota Prius Plug-In in den vergangenen fünf Jahren mehr als 60.000 Mal verkauft wurde. Tesla hat inzwischen etwa 50.000 Fahrzeuge des Models S verkauft. Mit insgesamt weltweit fast 15.000 verkauften BMW i3 kann unterdessen erstmals ein deutscher Autobauer attraktive Absatzzahlen auf dem E-Mobilitätsmarkt verbuchen. Bei den weltweiten Neuzulassungen 2014 sind Nissan Leaf (57.000), Tesla Model S (28.000) und der Mitsubishi Outlander Plug-In (26.000) die Spitzenreiter.

Millionengrenze im Visier

Die globale Wachstumsrate ist beim Ausbau der Elektromobilität mit 76 Prozent nach wie vor sehr hoch. Der ZSW-Untersuchung zufolge hatte sich die Zahl der angemeldeten Elektrofahrzeuge zwischen 2012 und 2014 jährlich jeweils mehr als verdoppelt. „Wenn sich die Dynamik der vergangenen Jahre fortsetzt, wird bereits in wenigen Monaten die Marke von weltweit einer Million E-Autos übertroffen sein”, sagt Werner Tillmetz, ZSW-Vorstandsmitglied und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologien. Mit 320.000 Neuzulassungen wurde inzwischen ein Produktions-niveau erreicht, das auch die Aufmerksamkeit der Zulieferindustrie weckt. Das aktuelle Marktvolumen für die 2014 hergestellten Lithium-Ionen-Zellen dürfte bei mehr als zwei Mrd. Euro liegen, erklärt der Experte. Bei den aktuellen Wachstumsraten werde sich dieser Markt bis 2020 auf etwa 15 Mrd. Euro steigern.

Auch Hybride mitgezählt

Erfasst in ihren Berechnungen, die auf Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts sowie internationaler Behörden und Verbände basieren, haben die ZSW-Forscher alle Fahrzeuge mit batterieelektrischem Antrieb, Range Extender sowie Plug-In-Hybride. Nicht mitgezählt wurden Krafträder, Lkw und Busse sowie Full- und Mild-Hybridfahrzeuge.

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