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Mehr Agilität, bitte © Mike Schaefer

Lena Wittneben ist Systemischer Coach & Edutainerin, Gedächtnistrainerin, Autorin, Marketing-Beraterin und Medienfachwirtin aus Hamburg.Ihr Credo: „Arbeitszeit ist Lebenszeit”

© Mike Schaefer

Lena Wittneben ist Systemischer Coach & Edutainerin, Gedächtnistrainerin, Autorin, Marketing-Beraterin und Medienfachwirtin aus Hamburg.Ihr Credo: „Arbeitszeit ist Lebenszeit”

Redaktion 17.09.2021

Mehr Agilität, bitte

Edutainerin Lena Wittneben gibt einen ersten Einblick in ihre Keynote beim diesjährigen HR Inside Summit.

••• Von Britta Biron

WIEN. So vielfältig die Themen auch sind, denen sich die Speaker beim HR Inside Summit am 13. und 14. Oktober in der Hofburg Vienna widmen, kreisen sie im Grunde doch alle um die Frage: Wie wird man mit dem Wandel, der sich durch Corona noch verstärkt hat, fertig? Mit Agilität, sagt Lena Wittneben und erklärt im Gespräch mit medianet, wie man die erreichen kann.

medianet:
Warum ist Agilität heute in der Arbeitswelt so wichtig?
Lena Wittneben: Um – überspitzt gesprochen – zu überleben, sind wir gezwungen, uns dem Wandel anzupassen und das geht nur, wenn wir flexibel, agil und mit einer ganzheitlich offenen Haltung allen Veränderungen begegnen.

medianet:
Besteht die Gefahr, dass Agilität falsch verstanden wird, also im Sinne von noch schneller, noch flexibler, noch effizienter?
Wittneben: Sicherlich kann der Begriff auch verwendet werden, um dahinter nur den Willen nach noch mehr Effizienz zu ‚verstecken', doch so was fliegt meist schnell auf. In der ursprünglichen Bedeutung ist Agilität die Fähigkeit, reaktiv und flexibel und dabei gleichzeitig proaktiv und initiativ zu handeln.

medianet:
Was haben Mut, Commitment, Respekt, Offenheit und Fokus – also Werte, die ohnehin selbstverständlich sein sollten – mit Agilität zu tun?
Wittneben: Eigentlich selbstverständlich … Doch sind wir wirklich commited, wenn wir uns alle Türen offenhalten? Sind wir offen, wenn wir fortlaufend unsere vermeintlichen Schwachstellen mit Filtern übertünchen? Sind wir mutig, wenn wir mitbekommen, dass jemand diskriminiert wird? Bitte nicht missverstehen: Ich bin kein Moralapostel und maße mir nicht an, über andere zu urteilen. Ich knöpfe mir selbst immer wieder selbstkritisch derlei Werte im Alltagscheck vor. Mir ist es in meinem Vortrag ein Anliegen, ein wenig augenzwinkernd diese Werte mal wieder aufs Tableau zu holen. Und vor allem mit einem kleinen Tipp bestenfalls zu inspirieren, wie wir diese Werte ganz einfach im (Arbeits)Alltag leben können.

medianet:
Was wäre ein solch konkreter Tipp?
Wittneben: Respekt besteht für mich auch darin, sich für vermeintlich selbstverständliche Dinge zu bedanken. Wie sähen unsere Wohnungen und Häuser aus, wenn wir nicht die Müllabfuhr hätten? Warum bei der nächsten Begegnung beim Leeren der Tonne nicht ein ‚Danke!' an das ‚Guten Morgen!' hängen?

medianet:
Wie hat sich Ihr persönlicher Arbeitsalltag durch Corona geändert?
Wittneben: Letztlich gar nicht so stark, wie ich zu Beginn der Pandemie vermutet hatte. Früher bin ich hier in Hamburg morgens mit dem Rad ins Fitnessstudio gefahren, während Corona hieß es dann zu Hause die Sportmatte auszurollen. Selbstverständlich haben sich ad hoc Workshops, Vorträge und Coachings in die Online-Welt verlagert. Als Selbstständige war es auch schon vor Corona für mich normal, zu Hause allein am Schreibtisch zu sitzen und Konzepte oder Texte zu verfassen.

medianet:
Mit welchen Wünschen werden Sie als Coach am häufigsten konfrontiert und hat sich das durch geändert?
Wittneben: Die Themen und Wünsche meiner Coachees sind sehr vielfältig und haben sich nicht wirklich verändert. Häufig kreisen die Themen um Veränderungswünsche im Job. Allerdings gab es einen deutlichen Anstieg an neuen Anfragen. Menschen, die zuvor vielleicht noch nicht mit dem Gedanken gespielt hatten, sich Begleitung durch Coaching zu holen, haben in den Monaten der Pandemie gespürt, dass Corona sie mit ganz eigenen Themen, Wünschen, Veränderungen in Kontakt gebracht hat, die sie nun gern gemeinsam betrachten wollen.

medianet:
Sie bezeichnen sich als Edutainerin, setzen also auf unterhaltsame Wissenvermittlung. Ein Statement gegen zu viel – falsch verstandenen – Ernst?
Wittneben: Mein Lebenscredo lautet ‚Arbeitszeit ist Lebenszeit' – ich glaube, dass wir, unabhängig, ob Lernen oder Arbeiten, erfolgreicher sind, wenn Freude, bestenfalls auch Spaß und Unterhaltung, mitschwingen darf. Zudem nehmen Spaß und Freude Inhalten und Tätigkeiten ja keineswegs ihre Relevanz. Auch sollten wir alle uns selbst nicht fortlaufend so ernst nehmen im Sinne von ‚keine Fehler machen' oder Weltuntergangsdramen im Kopf zu skizzieren, wenn wir – überspitzt formuliert – mal nicht sofort auf eine Mail antworten. Es geht in der Regel selten irgendwo ums nackte Überleben.

medianet:
Was bereitet Ihnen persönlich im Hinblick auf den HR Summit Spaß und Freude?
Wittneben: Neue Menschen im unmittelbaren persönlichen Kontakt begegnen und kennenzulernen zu dürfen – nicht immer über Zoom am Computerbildschirm. Und vor allem: selbst viel neues lernen zu dürfen, Inspiration zu tanken und nicht zuletzt auch als Hamburger Nordlicht endlich einmal mal wieder ins so wunderschöne Wien kommen zu dürfen!

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