HEALTH ECONOMY
Corona und die Folgen: Kein Sparen im System © APA/AFP/Piero Cruciatti
© APA/AFP/Piero Cruciatti

Redaktion 30.04.2020

Corona und die Folgen: Kein Sparen im System

Gesundheitsbranche zieht positive Bilanz: Das System habe standgehalten. Jetzt dürfe man nicht sparen.

••• Von Martin Rümmele

Das heimische Gesundheitswesen hat die Coronakrise nach Ansicht der heimischen Branchenvertreter überraschend gut gemeistert. Das zeigt ein erster medianet-Rundruf bei Ärzten, Apothekern, der Pharmabranche sowie den Sozialversicherungen und der Politik. Die von der Bundesregierung gesetzten Corona-Maßnahmen hatten ja das Ziel, das Gesundheitswesen nicht zu überlasten und damit die Versorgung der zusätzlichen Patienten, die an Covid-19 erkrankt waren, sicherstellen zu können.

Pharmabranche optimistisch

„Seit Ausbruch der Coronakrise hat sich das Krisenmanagement als sehr gut erwiesen. Die Bilanz fällt überaus positiv aus”, sagt Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr und lobt auch die heimischen Pharmazeuten, die trotz Krise weiterhin geöffnet und die Versorgung mit Medikamenten sichergestellt haben: „Die Apotheker waren und sind sich ihrer Rolle als zentrale Säule des Gesundheitssystems bewusst und agieren dementsprechend: Unmittelbar nach Ausrufung der staatlichen Verordnungen wurden Sicherheitsmaßnahmen für Patienten sowie für die Beschäftigten gesetzt.” Dazu gehörten: Aufteilung in zwei sich abwechselnde Mitarbeitergruppen ohne Kontakt zueinander, Spuckschutz bei den Beratungsplätzen, Vorschriften zum Abstandhalten zu anderen Personen, kontrollierter Zutritt, Überprüfung der Lieferketten, Hochfahren der Lager.

Auch der Großhandel zeigt sich mit dem Krisenmanagement zufrieden: „Alle Betriebe haben einen Sicherheitsvorrat an versorgungskritischen Arzneimitteln eingerichtet”, sagt der Präsident des Großhandelsberbandes Phago, Andreas Windischbauer. Die ersten Tage mit Hamsterkäufen in Apotheken seien aber eine Herausforderung gewesen, berichten Handel und auch Industrie. Der Zugriff und die regionale Verteilung an jede Apotheke in Österreich sei dank des Sicherheitsvorrats binnen weniger Stunden gewährleistet, betonen die Arzneimittel-Vollgroßhändler. Die beim Großhandel zur Verteilung stehende Menge an benötigten Medikamenten könne jederzeit erhoben werden.
Pharmig-Präsident Philipp von Lattorff blickt auch gleich in die Zukunft: „Die pharmazeutische Industrie hat wesentlichen Anteil an der Bekämpfung des Coronavirus und damit an der Bewältigung der Krise – durch intensive Forschung, durch Erhöhung der Produktionskapazitäten, durch intensive Zusammenarbeit mit Behörden und Partnern der Vertriebskette, um die Versorgung Patienten aufrechtzuerhalten.”

Debatte bei Ärzten und ÖGK

Nicht ganz so zufrieden ist die Ärztekammer, die vor allem die Unterstützung der Politik und der Kassen im Hinblick auf Schutzausrüstung und Entschädigungen kritisiert. „Über 90 Prozent der Kassenärzte hatten geöffnet und mit hohem persönlichen Einsatz die niedergelassene Gesundheitsversorgung aufrechterhalten”, sagt Johannes Steinhart, Vizepräsident der ÖÄK und Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte, und fordert Entschädigungen, weil das Patientenaufkommen aufgrund der Maßnahmen zurückgegangen sei.

Der Generaldirektor der Österreichischen Gesundheitskasse, Bernhard Wurzer, sieht das anders: Man habe rasch reagiert, alles, was möglich war, getan, um Schutz­ausrüstung zu organisieren, und sei Ärzten und Apotheken auch mit telemedizinischen Lösungen entgegengekommen. „Die Abstimmung zwischen Vertragspartnern und der ÖGK hat gut funktioniert. Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen und Forderungen – vieles hat aber gut geklappt.”
Im Hinblick auf die Zukunft wünschen sich alle Stakeholder vor allem ein Abrücken von den früheren Sparforderungen an das System. Lattorff: „Das wichtigste Gut ist unsere Gesundheit, daher sollten wir nicht am falschen Platz sparen.” Man müsse aber sehr wohl über die Strukturen nachdenken und diese vereinfachen.

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