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Kleine Fortschritte bei Energiewende @ APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner
@ APA/dpa-Zentralbild/Jens Büttner

Redaktion 10.09.2015

Kleine Fortschritte bei Energiewende

Aktuelle Analyse von McKinsey zeigt, dass Deutschland von seinen ambitionierten 2020-Zielen zum Teil noch immer weit entfernt ist.

••• Von Britta Biron

DÜSSELDORF. Deutschland verfolgt seit 2012 eine besonders ambitionierte Klima- und Energiepolitik, und mit dem Energiewende-Index führt das Beratungsunternehmen McKinsey dazu ein detailliertes Protokoll; vor Kurzem ist der aktuelle Bericht erschienen.
Von den 15 Indikatoren, die halbjährlich analysiert werden, liegen aktuell nur noch sechs deutlich hinter dem Plan, denn die installierte Gesamtkapazität von Offshore-Windparks ist auf 2,8 GW angestiegen. Dadurch verbessert sich der Indikator im Vergleich zur vorigen Erhebung deutlich von 79% auf 170%.
Auch bei der Versorgungssicherheit (die Ausfallzeiten sind auf nur noch 15,3 Minuten gesunken), den Arbeitsplätzen in den Sektoren stromintensive Industrien und erneuerbare Energien, der Gesicherten Reservemarge und dem Stromverbrauch zeigen die Indizes einen positiven Trend. Realistisch ist die Zielerreichung weiterhin auch beim Ausbau der Photovoltaik, die trotz eines kontinuierlichen Rückgangs seit 2012 mit einer installierten Kapazität mit 38,8 GW sogar über Plan liegt.

Plus bei Windenergie
Im vergangenen Halbjahr sind weitere sechs Offshore-Windparks mit insgesamt 1,8 GW ans Netz gegangen (nur noch einer ist noch nicht angeschlossen). Damit hat sich die installierte Leistung innerhalb kürzester Zeit fast verdreifacht. Die Zielerreichung des Indikators verbesserte sich damit auf „leichter Anpassungsbedarf“.
Seit März entstanden 41 neue Leitungskilometer – nur rund halb so viele wie geplant. Da für die Zukunft von weiteren Verzögerungen bei den Bauvorhaben auszugehen ist, sei mittlerweile die Zielerreichung insgesamt infrage gestellt, so der Bericht. Auch sei mit einem erheblichen Kostenanstieg zu rechnen, wenn vermehrt Erdkabel verwendet werden.

Noch viel Aufholbedarf
Deutlich hinter den gesetzten Zielen liegt der Indikator CO2-Ausstoß. Zwar sind jüngsten Schätzungen zufolge die Emissionen um 3,3% auf 920 Mio. Tonnen (Mt) gesunken – vor allem wegen der milden Witterung Anfang 2014 und des Rückgangs bei der Stromerzeugung aus Kohle –, vom Zielwert für 2020 von 739 Mt CO2-Ausstoß jährlich ist Deutschland allerdings trotzdem noch weit entfernt.
„Um das Ziel für 2020 zu erreichen, müssten sich ab sofort die durchschnittlichen jährlichen CO2-Minderungsraten in etwa vervierfachen“, stellt McKinsey-Direktor Thomas Vahlenkamp fest, der den Index entwickelt hat.

Ferne Ziele
Auch für die EEG-Umlage ist der Ausblick negativ: Nach Prognosen der Initiative Agora Energiewende wird die Umlage vor allem wegen des Ausbaus von Offshore-Windkraftanlagen von heute 6,17 ct/kWh auf 7 bis 8 ct/kWh im Jahr 2023 ansteigen – weit entfernt vom Zielwert von 3,5 ct/kWh.
Weiterhin nicht im Plan liegen die Kosten für Netzeingriffe, die Energiekosten für Industrie und Haushalte – hier ist sogar mit einem Preisanstieg zu rechnen – sowie der Primärenergieverbrauch. Dieser sank zwar um rund 2,2% bzw. 300 Petajoule (PJ), und der Indi­kator verbesserte sich um 15 Prozentpunkte, liegt aber immer noch bei nur 59 % Zielerreichung.
Zudem verschlechterte sich der Indikator „Ausbau Transportnetze“; hier ergibt sich aktuell nach der Analyse ein „leichter Anpassungsbedarf“.

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