Zukunftsthemen 2040 vs. konkrete Handlungen
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INDUSTRIAL TECHNOLOGY Redaktion 14.05.2021

Zukunftsthemen 2040 vs. konkrete Handlungen

Viel Nützliches, das es auch rasch umzusetzen gelte, stellte die Industriellenvereinigung in ihrer Standortstrategie vor.

••• Von Helga Krémer

WIEN. Für die Standortstrategie 2040 hat die Bundesregierung sieben Zukunftsthemen in den Bereichen Technologie und Digitalisierung, Nachhaltige Energien, Materialien und Wertschöpfungsketten, Gesundheit/Life Science und Lebensqualität als Schwerpunkte definiert.

„Entlang dieser Schwerpunkte zeichnen sich entscheidende Wachstumsfelder für unsere Betriebe und damit für den gesamten Standort ab. Die wichtigsten Hebel für mehr Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Beschäftigung sollen identifiziert werden”, sagt dazu WKÖ-Generalsekretär Karlheinz Kopf. Und WKÖ-Präsident Harald Mahrer ergänzt: „Österreich ist ein sehr innovativer und produktiver Standort mit vielen Stärken. Damit wir diese ebenso wie unsere Wettbewerbsfähigkeit und Resili­enz ausbauen können, braucht es jetzt die richtigen Wegweiser. Mit dem Startschuss für die Standortstrategie 2040 setzt die Bundesregierung jetzt ein notwendiges Zeichen.”
Soweit Definition, Zeichensetzung und deren Interpretation. Bei der Industriellenvereinigung wurde man da bei der Vorstellung der IV-Industriestrategie 2025+ schon sehr viel (an)griffiger.

Exzellenz anstreben

„Während die USA und China für die Hälfte des weltweiten Wertschöpfungszuwachses im Jahr 2021 stehen, trägt die EU lediglich 13 Prozent zum globalen BIP bei”, erörtert IV-Chefökonom Christian Helmenstein.

Daher müsse, laut IV-Präsident Georg Knill, das Wachstum in Europa und Österreich gestärkt sowie die Exzellenz in den entscheidenden Zukunftsfeldern Qualifizierung, Digitalisierung und Innovation angestrebt werden.
Bezüglich Qualifizierung zeige sich nämlich: Das leidige Thema des Fachkräftemangels ist schon wieder virulent. Trotz derzeit hoher Arbeitslosigkeit seien zahlreiche Betriebe vor allem in industriestarken Regionen mit einem Fachkräftemangel konfrontiert. Bei der IV bekrittelt man die derzeitige massive Zersplitterung der Informationen auf allen Ebenen (Bund, Länder, Wissenschaft, etc.) und empfiehlt, bestehende Analysen und Prognosen (IHS, Industrie 4.0 und Digitalisierung, AMS New Digital Skills, Wifo-Beschäftigungsprognose usw.) aufzugreifen, zu bündeln und zu ergänzen.
Als explizite Maßnahme regt die IV daher die Idee einer Fachkräfteagentur an, deren Aufgabe die Steuerung der mittel- und langfristigen Fachkräfteentwicklung sein soll – quasi als Kompetenzatlas. Diese Fachkräfteagentur sieht Knill in einer Schnittmenge aus Wirtschafts-, Arbeits- und Bildungsministerium angesiedelt, also nicht unbedingt bei der IV.
Zudem empfiehlt die Indus­trie die Aufwertung der dualen Lehrausbildung; ebenso brauche es u.a. attraktive Modelle für die Lehre nach der Matura. Helmenstein beziffert den Fachkräftemangel „mit derzeit einigen 1.000”. Aber: „Wenn es im Herbst richtig losgeht, dann fehlen uns 20.000 bis 30.000 Fachkräfte. Wenn wir nicht gegensteuern, kann sich das ins Sechsstellige auswachsen.”

Entlastungskurs fortsetzen

„Damit Österreich möglichst rasch wieder das Vor-Krisen-Niveau erreichen und überschreiten kann, ist ein investitionsfreundliches Klima notwendig”, so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Hier schlägt die Industrie konkret die Einführung eines Investitionsfreibetrags vor, der für ökologisch sinnvolle Investitionen weiter erhöht werden könnte.

Zudem müsse der bereits eingeschlagene Entlastungskurs der Bundesregierung fortgeführt werden, etwa durch eine Senkung der Körperschaftssteuer, wie im Regierungsprogramm angekündigt, auf 21%; ferner die dringend notwendige Stärkung des Eigenkapitals, um Unternehmen krisenfester zu machen, oder eine Senkung der Lohnnebenkosten in Richtung deutsches Niveau, das mehr als vier Prozentpunkte niedriger liegt als das österreichische. Auch sei der Beitrag zur Unfallversicherung (1,2%, Anm.) unverhältnismäßig, denn die Zahl der Arbeitsunfälle sei klar gesunken – genauer um 40% seit 1990, die Beiträge aber nicht dementsprechend reduziert.
Das könne auch ein Impuls sein, um die Arbeitslosigkeit zu senken – ebenso wie die zeitliche Förderung der Lohnnebenkosten bei von Arbeitslosigkeit besonders stark betroffenen Gruppen. Um den Kapitalmarkt zu stärken, empfiehlt die Industrie die Einführung der Behaltefrist bei der Kapitalertragssteuer.

Verwaltung zu l-a-n-g-s-a-m

Ferner fordert die IV Maßnahmen, um Genehmigungsverfahren insbesondere bei wichtigen Infrastruktur- und Energieprojekten zu beschleunigen.

„Wir brauchen eine starke Infrastruktur für eine leistungsfähige Wirtschaft”, betont Knill und stellt fest: „Wir bekommen Projekte nicht rasch genug genehmigt. Die strengen Vorgaben sind gut, keine Frage, aber es muss schneller gehen.” So werde nämlich auch das Erreichen der Klimaziele denkbar schwierig, weil schlicht die Zeit davonlaufe.

Die globale Sicht

Auch auf internationaler Ebene sieht die IV Handlungsbedarf für Europa: „Die Förderung von Exporten und der bestmögliche Zugang zu dynamischen Märkten sind zur Überwindung der Krise entscheidend”, so Neumayer, der auf den aktuellen Wettlauf um den Marktzugang verwies – vor allem vor dem Hintergrund der zuletzt entstandenen Freihandelszonen im asiatischen (RCEP) und transpazifischen (CPTPP) Raum. Außerdem sollte eine Art „Wirtschaftsdiplomatie” etabliert werden.

Konkret müsse das EU-Mercosur-Abkommen umgesetzt oder mit den USA Gespräche über ein transatlantisches Abkommen aufgenommen sowie auch der Anschluss an andere dynamische Wirtschaftsräume durch Abkommen gesichert werden. Zudem plädiert die IV für ein Moratorium auf Belastungen für Wirtschaft und Industrie in sämtlichen EU-Politikbereichen.
„Die Industrie bietet sichere Arbeitsplätze selbst in der schwersten Wirtschaftskrise, überdurchschnittliche Einkommen, umweltschonende Technologien und hochwertige Produkte. Nur wenn es gelingt, Österreich als Industrieland zu stärken, können wir alle von diesen Vorteilen profitieren”, so Knill und Neumayer abschließend.

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