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Die große Ö3-Umfrage zum Leben der 16- bis 25-Jährigen nach Jahren der Dauerkrise © panthermedia.net / Anatoliy Samara
© panthermedia.net / Anatoliy Samara

Redaktion 06.04.2022

Die große Ö3-Umfrage zum Leben der 16- bis 25-Jährigen nach Jahren der Dauerkrise

Was machen die Krisen der vergangenen Jahre mit der jungen Generation? Und was macht sie draus? Ist die Generation Z in den Jahren ihres Erwachsenwerdens tatsächlich zur „Generation Krise“ geworden?

WIEN. Coronakrise, Wirtschaftskrise, Regierungskrise, Flüchtlingskrise, Klimakrise – und plötzlich rückt auch noch der Krieg ganz nah.  Ein Angstthema aus der Vergangenheit schockt in der Gegenwart: Krieg bereitet acht von zehn jungen Erwachsenen Sorgen – gefolgt von Klimawandel, sozialer Ungleichheit und Pandemien. Der Blick in die Zukunft ist geteilt: Als „Generation Dauerkrise“ sehen sich fünf von zehn, die anderen fünf als „Generation Aufbruch“. Also: Ein Leben wie vor der Pandemie – und alles ist gut? „Nein“, sagt die klare Mehrheit – und mehr als die Hälfte: „Alt und Jung müssen gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten!“ Und was beschäftigt im Alltag abseits der Krisen: Das Smartphone ist Dreh- und Angelpunkt für das gesamte Alltagsleben – nur zwei von zehn könnten auch ohne auskommen. Im Dialekt zu reden ist für sechs von zehn unverzichtbar, genauso wie Sport machen – aber nur zwei von zehn sehen ihren Körper als Visitenkarte und optimieren ihn so gut wie möglich. Sex Toys sind mittlerweile im Sexleben so richtig angekommen: Sieben von zehn finden sie interessant, aber noch wichtiger ist Treue in der Beziehung: Unverzichtbar für neun von zehn. Ebenso neun von zehn könnten auch nicht ohne Freundinnen und Freunde – und auch nicht ohne Musik.

Hitradio Ö3 hat zur Lebenswelt der 16- bis 25-Jährigen am
10. März 2022 eine Umfrage gestartet. Herausgekommen ist das emotionale „Selfie“ der Generation Z. Im Rahmen eines ORF-Pressegesprächs wurden am Dienstag, 5. April, die Erkenntnisse präsentiert: 44 Fragen in einem interaktiven Erhebungstool auf der Ö3-Homepage waren die Grundlage für einen mehrwöchigen Programmschwerpunkt und ermöglichen nun Einblicke in das Innenleben einer geforderten Generation. Zwischen dem 10. März und dem
3. April haben insgesamt rund 24.000 junge Menschen an der Befragung teilgenommen. Unterstützt wird das Projekt von ORF Public Value, wissenschaftlich begleitet vom Sozialforschungsinstitut SORA.

ORF-Generaldirektor Roland Weißmann: „Nach der ‚Generation … Corona“ vergangenes Jahr wollten wir erneut die Jugend ins Zentrum stellen – und haben nun mit der neuen Ö3-Umfrage mehr als 24.000 junge Menschen erreicht und ihnen zugehört. Wir als ORF sind für alle Österreicherinnen und Österreicher da und wollen im Sinne unserer Young-Audience-Strategie auch ein Sprachrohr für die Jungen sein und die Meinungsvielfalt abbilden. Das ist Ö3 hier wieder eindrucksvoll gelungen. Ich bedanke mich bei allen Beteiligten.“

Ö3-Senderchef Georg Spatt:„ Ich bin beeindruckt von diesem deutlichen und lauten Feedback unserer Hörer. Und dieses Feedback ist natürlich jetzt auch ein Auftrag für Ö3. Wir werden diese Forderungen, die Meinungen und die Kritik nicht nur weitergeben, sondern wir wollen auch zur Diskussion und zu möglichen Lösungen beitragen. Als meistgehörter Radiosender Österreichs, der gleichzeitig Marktführer speziell in diesen jungen Zielgruppen ist, ist es für Ö3 eine ganz besonders spannende Aufgabe, nicht ‚Special Interest Bubble‘ für Jugendliche zu sein, sondern als Plattform für Junge und als Kanal zum Austausch und zur Diskussion zu fungieren.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Ö3-Umfrage „Generation … Krise!?“:

Der Krieg – ein Schock aus der Vergangenheit
Die derzeit mit deutlichem Abstand größte Sorge der jungen Menschen ist der Krieg (84%) – ein Thema, das wir in Europa eigentlich abgehakt hatten, ist zurück auf der Agenda. Der Krieg geht den jungen Menschen nahe, weil sie aus einer transnationalen und empathischen Perspektive darauf blicken: Drei Viertel sind davon überzeugt, dass dieser Krieg auch unser Problem ist und dass wir verpflichtet sind, zu helfen. Für die jungen Menschen ist außerdem klar, dass derartige Krisen nur gemeinsam – in Europa bzw. weltweit – gelöst werden können (81%). Österreich sehen sie dabei stärker in einer Vermittlungsrolle und weniger als Teil einer militärischen Organisation: 20% sprechen sich für eine EU-Armee mit österreichischer Beteiligung aus, für doppelt so viele junge Menschen (43%) steht die Neutralität im Vordergrund, die einer solchen Beteiligung entgegensteht. Für den hypothetischen Fall eines Krieges in Österreich wären 44% der jungen Menschen bereit, zu kämpfen – etwas mehr als die Hälfte der jungen Männer und ein Drittel der jungen Frauen.

Die Pandemie erschüttert das Vertrauen in die Zukunft
Zwei Jahre und kein Ende absehbar – die Pandemie bereitet den jungen Menschen nach wir vor Sorgen (56%) und hat das Vertrauen in die Zukunft untergraben. Machten den jungen Menschen letztes Jahr aber vor allem die fehlenden sozialen Kontakte zu schaffen, stehen inzwischen die mittel- und langfristigen Folgen im Vordergrund: Die überwiegende Mehrzahl geht davon aus, dass die Qualität ihrer Ausbildung während der Pandemie gelitten hat und dass ihnen dies nachhaltig schaden wird (69%). Der Blick in die Zukunft ist außerdem getrübt durch die weit verbreitete Befürchtung, vom Rest der Gesellschaft mit den Folgen der Pandemie allein gelassen zu werden (72%). Im Jahresvergleich vertieft hat sich wiederum der Eindruck, während der Pandemie von der Politik nicht gehört worden zu sein (2021: 74%, 2022: 80%).

Die großen Zukunftsthemen
Ob Klimawandel, zunehmende ökonomische Ungleichheit oder Pflege – die jungen Menschen stellen Politik und Gesellschaft kein gutes Zeugnis aus: Zwischen drei Viertel und vier Fünftel von ihnen prangern große Versäumnisse bei diesen Zukunftsthemen an. Der Politik werfen die jungen Menschen vor, schon viel zu lange den Kopf in den Sand zu stecken und wenn, kurzsichtig oder populistisch zu handeln (88%). Jedoch ist nicht nur die Politik am Zug: Bei der Bekämpfung der Ursachen und Folgen des Klimawandels sehen die jungen Menschen beispielsweise die Politik (69%), die Wirtschaft (71%) und die Gesellschaft mit ihrem Lebensstil (71%) gleichermaßen gefordert. Die Botschaft ist klar: Die großen Zukunftsthemen müssen dringend zurück auf die Tagesordnung.

Ewiges Thema Geschlechterklischees
Ebenfalls Nachholbedarf sehen die jungen Menschen bei der Gleichberechtigung von Frauen und Männern – für insgesamt 59% (und für 75% der jungen Frauen) sind wir von einer solchen in Österreich noch weit entfernt. Geschlecht bzw. Gender denken die jungen Menschen außerdem vielfältiger: Für nahezu neun von zehn (88%) ist die Zeit von Rollenklischees vorbei und es geht vielmehr darum, selbst und frei zu definieren, was für einen passt. Diese Vorstellung von Vielfalt ist für die jungen Menschen kein Lippenbekenntnis – drei Viertel von ihnen stehen z.B. hinter den ausgeweiteten Optionen beim Geschlechtseintrag. Im Gegensatz dazu hinkt der Gesetzgeber bei einer weiteren politischen Forderung der jungen Menschen hinterher. Für rund drei Viertel – 79% der jungen Frauen und 67% der jungen Männer – ist die Sache mit den ungefragten Dickpicks nämlich klar: Das ist sexuelle Belästigung und sollte – wie in Deutschland – strafbar sein.

Junge Menschen und Politik
Das Nicht-gehört-Werden während der Pandemie oder das beständige Aufschieben wichtiger Zukunftsthemen: Das Verhältnis der jungen Menschen zur Politik ist offensichtlich angespannt. Tatsächlich fühlen sich derzeit nur sechs Prozent von der Politik gut vertreten. Im Gegensatz dazu ist mehr als ein Drittel davon überzeugt, dass die Politik sich überhaupt nicht für sie interessiert – in dieser Gruppe finden sich besonders viele Lehrlinge und junge Menschen mit geringen finanziellen Ressourcen. Noch ist die Tür jedoch nicht ganz zugefallen: Die Mehrzahl der jungen Menschen (knapp 60%) bescheinigt ihrem Verhältnis zur Politik den Status kompliziert, mit Luft nach oben. Es gibt also einiges aufzuholen.

Generation Dauerkrise oder Generation Aufbruch?
Die krisenhaften Entwicklungen der letzten Jahre haben bei vielen jungen Menschen Spuren hinterlassen. Auch in der vorliegenden Ö3-Studie berichtet fast die Hälfte, dass es ihr psychisch (eher) schlecht geht. Dementsprechend geteilt ist ihr Blick auf die eigene Generation: 53% sehen sich als Generation Dauerkrise – taumelnd von einem Ausnahmezustand zum nächsten; 46% sehen sich als Generation Aufbruch – eine Generation, die die Welt neu denkt. Diese zweite, gestalterische Perspektive ist eng mit verfügbaren Ressourcen verbunden: Junge Menschen ohne finanzielle Sorgen, mit universitären Ausbildungen, bei guter psychischer Gesundheit und mit für sie wahrnehmbarer gesellschaftlicher Unterstützung vertreten sie besonders häufig.

Finanzielle Sicherheit, gute Ausbildungen, psychische Gesundheit, gemeinsames Handeln in Bezug auf die großen Zukunftsthemen und gesellschaftlicher Rückhalt – das sind einige jener Rahmenbedingungen, die den jungen Menschen einen selbstwirksamen Blick auf ihre Generation bzw. die eigene Zukunft ermöglichen. Diese Rahmenbedingungen zu schaffen, ist Aufgabe von Gesellschaft und Politik. Für die jungen Menschen ist sowieso klar: Trotz manch unterschiedlicher Interessen geht es nur zusammen (90%) – und von der deutlichen Mehrheit klar ausgesprochen wird:
Es soll nicht einfach nur so wie vor der Pandemie weitergehen, Alt und Jung müssen gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten.

Die große Sehnsucht
Inmitten alter und neuer Krisen sowie der Notwendigkeit und Bereitschaft, diese gemeinsam zu lösen, spricht aus der Generation Z abschließend auch eine tiefe Sehnsucht: Sich wieder einmal weniger Sorgen machen zu müssen und das Leben etwas mehr genießen zu können. Einfach „jung sein“ zu können – mit allem, was dazugehört.

Was prägt den Alltag der Generation Z
Einen besonderen Stellenwert im Leben der jungen Menschen haben Freundinnen und Freunde: Neun von zehn können auf diese unmöglich verzichten. Dreh- und Angelpunkt für das Alltagsleben ist wiederum das Smartphone – nur zwei von zehn können sich ihren Alltag ohne dieses vorstellen. Durchaus bereit zu verzichten wären die jungen Menschen für das Klima: Acht von zehn auf Fast Fashion, sechs von zehn auf Flugreisen und fünf von zehn auf Fleisch. Zu ihrem Körper hat die Mehrzahl der jungen Menschen ein eher entspanntes Verhältnis – zwei von zehn sehen ihn jedoch vor allem als Visitenkarte und optimieren ihn so gut wie möglich. Sport zu machen gehört für mehr junge Menschen zum Alltag – für sechs von zehn ist das ein Fixpunkt. Im Sexleben angekommen sind wiederum Sex Toys – sieben von zehn finden diese interessant. Teil der Identität junger Menschen ist auch ihre Sprache: Sechs von zehn könnten nicht darauf verzichten, im Dialekt zu sprechen. Ebenfalls weit verbreitet ist Freiwilligenarbeit – für vier von zehn ist ehrenamtliches Engagement selbstverständlich und unverzichtbar.

„Generation … Corona!?“ als multimediales ORF-Projekt
Die Ergebnisse der Umfrage werden in den nächsten Tagen in allen ORF-Medien zur Diskussion gestellt. So wird aus „Generation … Krise!?“ ein multimediales ORF-Projekt für die Generation Z. (red)

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