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FÖFF fordert kulturpolitische Strategie statt Stagnation © FÖFF
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Redaktion 23.01.2019

FÖFF fordert kulturpolitische Strategie statt Stagnation

Bekannte Filmevents wie "Kino unter Sternen" oder junge Festivals wie die "Poolinale" geben auf, viele andere Festivals sind bedroht – “die Situation in Wien ist dramatisch”.

WIEN. Bekannte Filmevents wie "Kino unter Sternen" oder junge Festivals wie die "Poolinale" geben auf, viele andere Festivals sind bedroht – “Die Situation in Wien ist dramatisch” – ein Update für den österreichischen Filmfestivalreport. Drei Jahre sind seit dem „Filmfestivalreport Österreich“ vergangen, der die heimische Festivallandschaft als eine Erfolgsstory mit hoher Armutsgefährdung skizzierte. Und auch wenn sich seither auf formaler Ebene einiges getan hat, so haben die zentralen Probleme weiterhin Bestand: Keine Planungssicherheit, zu geringe Förderungen und höchst prekäre Arbeitsverhältnisse kennzeichnen weite Teile der Szene in ganz Österreich. “Vor allem in Wien ist die Situation inzwischen dramatisch”, schildert Marie-Christine Hartig, seit 2018 Sprecherin des FÖFF (Forum österreichischer Filmfestivals).

„Erfolgreiche Festivals wie das Kino unter Sternen oder junge und beliebte Events wie das Musikfilmfestival Poolinale haben inzwischen aufgegeben“, so Hartig. „Viele weitere Festivals stehen auf der Kippe und überlegen jährlich, ob und wie es weitergehen kann.“ Neue Initiativen wiederum erhalten zwar anfangs kleine Startförderungen, haben dann aber keine Entwicklungsperspektiven. Paradoxerweise ist der Festivalkalender dadurch so dicht gedrängt wie nie: “Alle versuchen trotz der unangemessenen Fördersummen und unter völliger Selbstausbeutung etwas Gutes auf die Beine zu stellen”, so Hartig. “Das Prekariat steigt sich also quasi gegenseitig auf die Zehen – bis alles irgendwann auseinander fällt.“

Umverteilung auf niedrigem Niveau – politische Einflussnahme in Wiener Neustadt
Das Fehlen einer kulturpolitischen Strategie in Bezug auf die Filmfestivallandschaft und damit einhergehend eine realistischere Bewertung von Förderhöhen wird vom FÖFF seit Jahren bemängelt. Geschehen ist allerdings nur wenig. Die Stadt Wien und der Bund haben zwar im Zuge der Erkenntnisse des Filmfestivalreports eigene Festivalbeiräte als neue Entscheidungsgremien eingerichtet, die Fördersummen aber kaum erhöht – wodurch es im Wesentlichen zu einer Umverteilung auf ohnehin schon niedrigem Niveau kam.

Die Stadt Wien setzt aktuell unter der neuen Kulturstadträtin zwar wichtige Schritte hinsichtlich der Filmproduktion und der Programmkinos – einzig die Filmfestivals, ohne die ein Großteil der jährlich in Wien und Österreich produzierten und gezeigten Filme hierzulande nie oder kaum im Kino zu sehen wäre, bleiben (bis auf die Viennale) vorerst hoffnungslos unterdotiert. “Das Prekariat grassiert vielfach auf einem Niveau, dass selbst der Pflegebereich im Vergleich luxuriös ausgestattet scheint”, so Hartig. Hoffnung macht jedoch, dass die neue Kulturstadträtin bereits Tatendrang bewiesen hat (und zumindest für das beliebte Kino unter Sternen soll es demnächst ein Nachfolgeprojekt geben).
In den Bundesländern sieht die Situation unterdessen auch alles andere als rosig aus. In Wiener Neustadt hat sich jüngst ein großer Teil des Organisationsteams der noch jungen Frontale aus Protest gegen politische Einfluss-und Übernahme zurückgezogen. Das bis dahin engagiert auftretende Festival wurde nun wegen fehlender Unabhängigkeit von politischen Körperschaften aus dem Verband ausgeschlossen. Auch in Oberösterreich geraten einige der Festivals vermehrt unter Druck, und in Kärnten, Vorarlberg und Tirol ist der Erhalt der lokalen Filmfestivals oft ohnehin nur dem hohen Engagement einzelner Cinephiler zu verdanken.

Festivals für Filmverwertung unverzichtbar
Das FÖFF fordert daher die neuen handelnden Personen auf kulturpolitischer Ebene in Stadt, Bund und Ländern dazu auf, gemeinsam mit dem Forum eine Strategie zu entwickeln, um den drohenden Kollaps in der Festivallandschaft zu verhindern. Filmfestivals sind angesichts der hohen Zahl an neuen Produktionen, die gar nicht alle einen regulären Kinostart haben könnten, zu einem wesentlichen Bestandteil der Filmverwertung geworden.  Die reale Bedeutung der österreichischen Filmfestivals und Programmkinos als Standortfaktoren und im Verwertungskreislauf innerhalb der Filmwirtschaft muss sich entsprechend auch in den Förderhöhen sowie in der Förderstrategie von Stadt und Bund spiegeln. Allein für die 17 teilnehmenden Festivals eruierte der Filmfestivalreport bereits vor drei Jahren einen zusätzlichen Budgetbedarf von insgesamt mindestens 1,5 Mio Euro.

Das Forum österreichischer Filmfestivals (FÖFF) ist seit 2012 als Interessensvertretung der Festivallandschaft in Österreich tätig und umfasst 21 Mitglieder, die Mitgliedschaft des Let’s CEE Film Festivals wurde ruhend gestellt. So unterschiedlich diese hinsichtlich ihrer Größe, Ausrichtung und Möglichkeiten sind, so sehr eint sie das gemeinsame Ziel: Filmen in Österreich eine Plattform und Öffentlichkeit zu geben, die sie anderweitig vielfach nicht (mehr) haben. Die FÖFF-Festivals präsentieren jährlich mehr als 2.000 vorwiegend europäische Filme für mehrere 100.000 Besucher. (red)

www.film-festivals.at
Rückfragen bitte an: Marie-Christine Hartig
info@film-festivals.at
+43-676-5484034

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