IGÖV warnt vor Folgen des „Kultureuros“
© zVg
Matthias Rotermund
MARKETING & MEDIA Redaktion 16.09.2026

IGÖV warnt vor Folgen des „Kultureuros“

Die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft kritisiert die geplante Wiener Veranstaltungsabgabe. Sie befürchtet höhere Ticketpreise, Wettbewerbsnachteile und den Verlust internationaler Großveranstaltungen.

WIEN. Die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV) übt scharfe Kritik an der geplanten Wiener Veranstaltungsabgabe. Die vorgesehene Abgabe von 12,5 Prozent könnte nach Berechnungen der Interessenvertretung bis zu 120 Mio. Euro einbringen, zugleich aber erhebliche Auswirkungen auf die Kultur- und Veranstaltungsbranche haben. Die IGÖV rechnet unter anderem mit höheren Ticketpreisen, weniger internationalen Großveranstaltungen und einem Rückgang der Wertschöpfung.

Nach Angaben der IGÖV würden von den errechneten 120 Mio. Euro rund 67 Mio. auf private Veranstalter und die freie Szene entfallen, weitere 40 Mio. auf Bundesmuseen und -spielstätten sowie 13 Mio. auf Einrichtungen der Stadt Wien.

Wettbewerbsnachteil für Wien
Besonders kritisch sieht die Interessenvertretung die Auswirkungen auf internationale Tourneen. Österreich habe aufgrund der höheren Umsatzsteuer auf Tickets bereits einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Deutschland. Eine zusätzliche Abgabe von 12,5 Prozent könne Wien gegenüber Städten wie München, Prag oder Bratislava weiter schwächen.

„Internationale Tourneen machen nicht an Landesgrenzen halt – Städte und Märkte stehen in einem direkten Wettbewerb“, erklärt Matthias Rotermund von Live Nation. Als Beispiel nennt er die vier ausverkauften Coldplay-Konzerte 2024 im Ernst-Happel-Stadion. Bei rund fünf Mio. Euro Ticketumsatz pro Show hätte die Abgabe laut Rotermund zusätzliche Kosten von insgesamt rund 2,5 Mio. Euro verursacht.

Auch Ewald Tatar von Barracuda Music warnt vor Konsequenzen für das Veranstaltungsangebot: „Veranstaltungen werden nicht nur in die Bundesländer abwandern, sondern gar nicht erst hierzulande stattfinden.“ Dadurch könne auch der Facettenreichtum der Wiener Kulturlandschaft abnehmen.

Wertschöpfung und Arbeitsplätze
Die Kultur- und Veranstaltungsbranche schafft laut IGÖV in Wien jährlich rund vier Mrd. Euro Wertschöpfung. Bis zu 60.000 Arbeitsplätze seien direkt oder indirekt von der Branche abhängig. Allein der Wegfall von Stadionkonzerten könnte laut Aussendung rund 200.000 Nächtigungen kosten.

Insgesamt rechnet die Interessenvertretung bei Einführung der Abgabe mit einem möglichen Verlust von rund 500 Mio. Euro an Wiener Wertschöpfung. Eine Serie großer Stadionkonzerte könne für die Stadt jeweils rund 100 Mio. Euro Wertschöpfung generieren.

Die IGÖV befürchtet zudem Auswirkungen auf die Leistbarkeit von Kulturangeboten. Betroffen wären nach ihrer Darstellung sämtliche Bereiche – von Konzerten, Musicals und Theater über Kabarett und Kinos bis zu Museen, Clubs und Bällen.

„Mit dem harmlos klingenden ‚Kultureuro‘ schafft Wien nicht nur Kultur ab. Wien schafft ab, wofür es international bekannt und beliebt ist“, heißt es abschließend seitens der IGÖV. (red)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL