MARKETING & MEDIA
Im Blindflug durch  das Social Web © Panthermedia.net/Luis Louro
© Panthermedia.net/Luis Louro

Redaktion 22.09.2015

Im Blindflug durch das Social Web

Auch 2015 fehlt vielen Unternehmen eine Social Media-Strategie. ­Dabei wären nur fünf kritische Schlüsselfaktoren zu berücksichtigen.

••• Von Björn Tantau

Haben Sie eine Social Media-Strategie? Ich muss das einfach fragen, denn auch im Jahr 2015 sehe ich immer noch Unternehmer im Blindflug durch das Social Web jagen. Es ist teilweise dramatisch, wie viel Potenzial und Energie verschwendet wird, nur weil sich diese Leute nicht einfach mal hinsetzen und ein paar Stunden ihrer Zeit investieren, um eine Social Media-Strategie zu entwickeln. Worauf es ankommt? Es gilt fünf kritische Schlüsselfaktoren für Ihre erfolgreiche Social Media-Strategie zu berücksichtigen.

Investieren Sie die Zeit in sinnvolle Kanäle

Seien Sie dort, wo Sie die meisten User erreichen. Problem: „User“ ist nicht gleich „User“. Welche die richtigen User sind, das ergibt sich aus Ihrer thematischen Ausrichtung. Wenn Sie also zum Beispiel ein digitales Infoprodukt verkaufen, das sich mit dem Aufbau von Systemen zur Lead-Generierung beschäftigt, kann der Ort für diese Zielgruppe Facebook sein – muss er aber nicht. Speziell bei diesem Thema lohnt sich der Blick auf andere, vor allem berufliche Netzwerke. Damit wären wir bei LinkedIn oder für den deutschen Sprachraum (noch immer bevorzugt) Xing. Hier dürften Ihre Chancen deutlich besser sein, Ihr Produkt zu verkaufen – vor allem dann, wenn es auf B2B ausgerichtet ist. Letztendlich ist das auch nur ein Beispiel von vielen. Das Prinzip ist aber deutlich geworden: Es gibt unterschiedliche Orte, an denen Ihre Verkaufschancen in Social Media variieren. Mehr noch, auch wenn Sie einfach nur Branding machen oder Ihr Publikum grundsätzlich unterhalten wollen, können die Ergebnisse sehr unterschiedlich sein.

Nur der konkrete Nutzen zählt

Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass Sie Ihre Zeit wirklich nur dort investieren, wo Sie auch einen konkreten Nutzen haben. Zeit ist Geld, und wenn Sie den ganzen Tag auf Facebook aktiv sind, dort aber nicht auf die richtigen User treffen, dann haben Sie nicht die korrekte Social Media-Strategie. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Folgendes berichten: Als Pinterest aufkam, hab ich mich damit intensiv beschäftigt; entsprechend habe ich dort ein Profil und eine gewisse Zeit habe ich dort auch investiert. Auf Dauer aber erkannte ich, dass sich Pinterest für meine Social Media-Strategie nicht lohnt, weil meine Inhalte nicht so bildlastig und visuell sind. Überlegen Sie sich also, in welche Netzwerke sie investieren wollen. Dafür müssen Sie ein paar Tests fahren und so erkennen, wo sich der Aufwand für Sie lohnt.

Lernen Sie Ihre Zielgruppe exakt kennen

Sie wissen jetzt, wo Sie aktiv sein müssen, um Ihre Zeit nicht zu vergeuden. Allerdings werden Sie auch nicht erfolgreich sein, wenn Sie nicht ganz genau wissen, was Ihre Zielgruppe will und wer in Ihrem Zielmarkt schon aktiv ist. Das heißt für Sie: Recherche! Besonders wichtig ist dabei: Welche Themen funktionieren gut und welche nicht? Selbst wenn Sie schon herausgefunden haben, in welchem Zielmarkt Sie aktiv sein wollen und genau wissen, wer sich in Ihrer Zielgruppe tummelt, bedeutet das nicht, dass Ihr Produkt, Ihre Fotos, Ihr Content entsprechend gut ankommt. Wenn Sie in Ihrer Zielgruppe niemanden finden, der sich für Sie oder Ihre Produkte interessiert, dann funktioniert ihre Social Media-Strategie nicht. Also zurück zur Recherche: Wenn Sie wissen, wie sie vorgehen müssen, werden sie sehr schnell erkennen, welche Themen im Detail funktionieren und welche Personen schon vorgelegt haben, bzw. „wichtig“ für Ihre Zielgruppe sind. Die Daten und Infos, die Sie brauchen, sind alle öffentlich, Sie finden sie über diverse Kanäle. Google ist einer davon. In wenigen Sekunden sehen Sie, wer in diesem Zielmarkt bereits aktiv ist, erkennen, was darüber geschrieben wurde, und merken, welche Themen besonders interessant sind. Sie sehen vor allem aber auch, welche Websites es zu dem Thema gibt. Diese Websites (oder auch Blogs) klappern Sie ab und schauen, welche Inhalte dort im Detail veröffentlicht werden – wie oft erscheinen neue Artikel, von wem werden Inhalte kommentiert, und in welcher Art und Weise passiert das? Um zu verifizieren, ob es sich lohnt, ihre Social Media-Strategie auf ein Thema auszurichten, können Sie den Google Keyword Planner einsetzen. Sagt Google Ihnen, dass niemand nach dem Thema sucht, mit dem Sie durchstarten wollen, lassen Sie die Finger davon! Daneben ist selbstverständlich auch Facebook eine extrem große Fundgrube. Sie können direkt nach Fanpages zu Ihrem Thema suchen und schauen, ob dieses Thema dort gut frequentiert wird. Oder Sie gehen in den Facebook AdManager, tun so, als würden Sie eine Anzeige schalten wollen, und schauen, wie viele aktive User Sie zu bestimmten Themen erreichen. Daneben gibt es noch diverse andere Möglichkeiten für eine genaue Recherche. Ein Beispiel wäre Udemy. Auf Udemy werden Kurse angeboten, das Angebot lässt sich durchsuchen. Und genau das sollten Sie tun, denn auf diese Weise erkennen Sie sehr schnell, ob es einen konkreten Bedarf für ein Thema gibt. Mehr noch: Wenn Sie die Ergebnisse filtern und gezielt nach Preis und Bewertungen clustern, wissen Sie sogar, wie beliebt einzelne Themen wirklich sind und wie viel Geld die Leute bereit sind, auszugeben. Wenn ein Kurs hochpreisig ist und viele positive Bewertungen hat, dann ist das ein exzellentes Zeichen dafür, dass das Thema an sich perfekt geeignet ist.

Erstellen Sie Inhalte, die geteilt werden

Taugt Ihr Content nichts, können Sie Technik, Sitespeed, Social Timing oder Posting Frequency vergessen. In erster Linie muss er nützlich sein (für andere, nicht für Sie) und haargenau auf Ihre Zielgruppe ausgerichtet – wie Sie diese Zielgruppen und vor allem die Themen, auf die sie stehen, punktgenau ermitteln, habe ich schon beschrieben. Wenn Sie immer und immer wieder durch nützlichen Content auffallen, dann werden Sie auch gehört. Genau das ist die Voraussetzung dafür, aus der Masse hervorzustechen und eine hochgradig treue Community aufbauen. Der Aufbau einer solchen Community muss einer der zentralen Aspekte Ihrer Social Media-Strategie sein. Sehen Sie sich Websiten wie Mashable oder Moz an – sie sind nicht einfach so über Nacht groß geworden, sondern weil sie über einen langen Zeitraum nützliche, interessante und hilfreiche Inhalte veröffentlicht haben. Und: Sie alle haben eine Social Media-Strategie, bei der das Teilen von Inhalten eine sehr große Rolle spielt. Auch heute noch setzen Website-Betreiber Sharing-Buttons von Facebook oder Twitter viel zu zaghaft ein. Genau das ist aber ein großer Fehler, zumal es Anbieter wie sumome.com gibt – die das Problem mit den Sharing-Buttons elegant lösen und dazu noch nützliche Statistiken liefern, die zeigen, welche Inhalte Ihre User bevorzugt teilen. Geben Sie Ihnen genau davon mehr, bekommen Sie mehr Shares, mehr Reichweite. Gestoppt wird dieser Prozess nur noch, wenn Sie selbst weniger Content produzieren. Übrigens: Lange, detaillierte und fachlich sehr fundierte Inhalte werden von den Usern überdurchschnittlich viel geteilt. Wenn Sie in der Lage sind, Content zu produzieren, der das Zeug zum Dauerbrenner hat („Evergreen Content“), dann stehen die Chancen sehr gut, dass Sie z.B. auch gute Rankings bei Google bekommen. Und auch die tragen dazu bei, dass Sie mehr Shares bekommen. Journalisten zum Beispiel informieren sich sehr viel via Google. Es sind aber nicht nur Journalisten, die Sie als Multiplikatoren nutzen können – jeder User, der Sie via Google findet, muss von Ihrem Content so begeistert sein, dass er ihn sofort teilt. Wenn Ihnen das gelingt, dann werden Sie einen dauerhaften Strom von Usern erzeugen können, die Ihre Inhalte immer wieder finden und konsumieren. Arbeiten Sie dann noch mit Incentivierungen und Lead-Magneten, mit denen Sie z.B. einen Newsletter aufbauen, dann binden Sie diese User dauerhaft. Genau das ist die treue Community, von der ich immer spreche.

Verschenken Sie Ihr Wissen und Ihre Zeit

Wenn Sie wirklich erfolgreich sein wollen, müssen Sie bereit sein, Ihr Wissen weiterzugeben. Verschenken Sie es, ebenso wie Ihre Zeit! Stellen User auf Ihrem Blog Ihnen z.B. erweiterte Fragen zu Ihrem Content, dürfen Sie diese User nicht ignorieren. Natürlich ist das Wissen, das Sie sich über Jahre hinweg angeeignet haben, Ihr Kapital. Doch Sie können sich sehr nützlich machen, wenn Sie immer mal wieder „Kostproben“ verteilen. Wenn es später darum geht, dieses Wissen in sinnvolle Strukturen und Prozesse zu bringen, wird Ihre Großzügigkeit Früchte tragen. Je mehr Sie Ihrer Community helfen, desto eher wird es Leute geben, die Sie bei anderen Problemen um Rat fragen. Spätestens dann wird es geschäftlich, und Sie können auf dieser Basis sogar ein komplettes Business aufbauen.
Mit diesen Maßnahmen arbeiten Sie an ­Ihrer Reputation und mit der Zeit werden Sie als Autorität wahrgenommen. Aus diesem Grund ist das „Verschenken“ von ­Wissen und Zeit wichtig für Ihre Social Media-
Strategie.

Lassen Sie kontinuierlich von sich hören

Es gibt so lustige Sprüche wie „Willst was gelten, mach dich selten!“ Bei Leuten wie Herbert Grönemeyer mag das stimmen; solche Menschen füllen auch nach fünf Jahren Pause immer noch riesige Konzerthallen. Aber macht BMW das, oder hören Sie zwei Jahre lang nichts von Nutella? Es ist wichtig, dass sie eine bestimmte Frequenz entwickeln. Die meisten Menschen schätzen es, wenn sie sich auf etwas (oder jemanden) verlassen können. Machen Sie sich nicht absichtlich ohne Grund rar. Wenn Sie etwas Nützliches zu berichten haben, wenn Sie eine Chance sehen, Ihrem Publikum etwas zu erklären und dafür zu sorgen, dass ein Problem gelöst werden kann, halten Sie sich nicht zurück. Auf der anderen Seite: Reden Sie nicht um des Redens Willen – dann wird man schnell von Ihnen gelangweilt sein.

Björn Tantau macht seit 15 Jahren digitales Marketing, ist Keynote-Speaker, Blogger, Buchautor, Podcaster, Referent und Coach. In Sozialen Netzwerken folgen ihm mehr als 45.000 User. www.bjoerntantau.com

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL