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Journalistischen Anteil erhöhen und Publikum mehr einbinden © ORF
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Redaktion 13.09.2021

Journalistischen Anteil erhöhen und Publikum mehr einbinden

Marion Flatz-Mäser, Landesdirektoren-Kandidatin für Vorarlberg, im Interview.

WIEN / BREGENZ. Der Aufruf des neuen ORF Generaldirektors Roland Weißmann, es mögen sich bitte möglichst viele fähige Kolleginnen für ORF-Führungsposten bewerben, blieb nicht ungehört. Unter anderem hat sich die ehemalige ORF Vorarlberg-Chefredakteurin und neue ORF-Korrespondentin für die Schweiz und Lichtenstein, Marion Flatz-Mäser, für den Landesdirektorinnen-Posten in Vorarlberg beworben. medianet bat Marion Flatz-Mäser zum Interview.

medianet: Frau Flatz-Mäser, die Devise des neuen ORF-Generaldirektors, 'Frauen nach vorne', scheint Wirkung zu zeigen. Neben Dodo Gradistanac, Kathrin Zechner und anderen Kolleginnen für Wien haben Sie jetzt für den ORF Vorarlberg Ihr Handtuch in den Ring geworfen. Wie sehr war der Aufruf vom neuen Generaldirektor Roland Weißmann, dass sich mehr Frauen bewerben sollen und er auch auf jeden Fall mehr Frauen im Führungsteam haben will, ausschlaggebend, und welche anderen Beweggründe hatten Sie ganz persönlich?

Marion Flatz-Mäser: Der Aufruf von Roland Weissmann hat mich definitiv motiviert. Außerdem setze ich mich für Gleichstellung im ORF ein und bin Mentorin. Wir motivieren Frauen immer wieder, sich für Stellen/Führungspositionen zu bewerben, also war es klar, dass ich mich für die Landesdirektion Vorarlberg bewerben musste, zumal ich die Qualifikationen mitbringe: Führungserfahrung, langjährige journalistische Erfahrung, soziale Kompetenz.

medianet: Sie waren im Laufe ihrer Kariere unter anderem über sechs Jahre Chefredakteurin des Landesstudios Vorarlbergs, sind aktuell für die Dokumentationen und die Radio-Wissenschaftsendung Focus zuständig und nach derzeitigem Stand ab Oktober bestellte Korrespondentin für die Schweiz und Lichtenstein. Als ausgezeichnete Kennerin des Hauses wissen sie sicherlich, dass vor allem Radio Vorarlberg über die Jahre die Hälfte seiner Hörerinnen und Hörer an die Privaten verloren hat. Wie stoppt man so einen Aderlass aus Ihrer Sicht?

Flatz-Mäser: Die Zahlen zeigen, dass sich Radio Vorarlberg gut schlägt. Generell glaube ich, dass wir uns von den privaten Radiosendern durch professionell gemachte, umfassend recherchierte Informationen abheben müssen. Eingängige Musik findet unser Publikum überall. Wir als ORF, als öffentlich-rechtlicher Sender, müssen uns über die Information, die Serviceleistungen, die vielfältigen Diskussionen definieren – Radio machen, das für das Publikum eine mediale Heimat bietet und nützlich ist, also brennende Fragen beantwortet, im Leben begleitet. Für die Zeit der Lockdowns hätte das geheißen, Menschen zu Wort kommen zu lassen, die Mut machen.

medianet: Für jene, die Ihre Bewerbung nicht kennen, Was sind generell die Eckpunkte ihres Konzepts?

Flatz-Mäser: Meine Bewerbung ist vertraulich und nur für Roland Weissmann gedacht. Nur so viel: Als ehemalige Chefredakteurin geht es mir darum, die journalistischen Anteile bei Radio Vorarlberg, Vorarlberg heute, vorarlberg.orf.at und unseren Social Media-Seiten zu erhöhen, das Publikum stärker einzubinden und medial zu bedienen. Wir müssen uns fragen: 'Was will unsere Kundschaft, was braucht sie?‘ Gute Produkte entstehen nur durch gute Mitarbeitende, also sollte viel Hirnschmalz und Energie in diesen Bereich fließen. Gleichstellung im Team und im Programm ist wichtig. Also mehr Frauen hören, sehen und über sie lesen, weil Frauen nicht ihrem Anteil in der Bevölkerung entsprechend medial vorkommen.

medianet: Vorarlberg zeichnet sich, wenn man sich die Medienlandschaft ansieht, neben dem Angebot des ORF vor allem durch einen weiteren, privaten Mitbewerber aus, der einen recht dominante Rolle im Ländle spielt. Hier kommt zum Teil nicht mal die in Österreich sonst sehr mächtige 'Kronen Zeitung' durch. Was bedeutet das für den ORF Vorarlberg, hier seine Stellung zu behaupten?

Flatz-Mäser: Der 'dominante Mitbewerber', wie Sie ihn nennen, belebt das Geschäft. Darum kämpfen, wer für sein Publikum die beste Geschichte hat, ist durchaus sinnvoll. Die Menschen in Vorarlberg sind ein treues Publikum, das mag den Platzhirschen im Land helfen. Dadurch, dass wir im Vierländereck – also Deutschland, Schweiz, Liechtenstein, Österreich – leben, gab es hier schon immer mediale Konkurrenz. Das ist nichts Neues. Wesentlicher ist, dass sich die Menschen zunehmend über das Internet, die Sozialen Medien informieren. Hier zu bestehen, ist die große Herausforderung.

medianet: Ronald Weißmann will den ORF nicht nur digitaler und jünger, sondern auch diverser machen. Wie könnte dies in Vorarlberg aussehen?

Flatz-Mäser: Die Sozialen Medien stärker und professionell bedienen. Die jungen Erwachsenen wollen bei einem öffentlich-rechtlichen Medium seriöse Informationen, knapp und verständlich aufbereitet. Die ‚ZIB' macht das hervorragend. Wir sollten mit den Userinnen und Usern häufig kommunzieren, sie ins Programm einbinden, den Kontakt pflegen. Ein Beispiel: Wir planen eine Geschichte über innovative Köpfe – wer kennt jemanden? Postings zusammenfassen und darüber in Radio Vorarlberg berichten.

medianet: Eine Frage, die ich auch Ihrer Kollegin Dodo Gradistanac gestellt habe: Warum müssen wir aus Ihrer Sicht im Jahr 2021 noch immer darüber diskutieren, warum es nicht mehr Frauen in Führungspositionen gibt?

Flatz-Mäser:Der ORF führt seit Jahren ein Frauencurriculum und ein Frauenmentoringprogramm durch. Gute Ansätze sind da. Bei der Postenvergabe zeigt sich aber immer wieder, dass sich Frauen eine Funktion weniger zutrauen, zögerlicher bewerben, zu spät aufzeigen. Außerdem gibt es Führungspositionen nicht wie Sand am Meer. Wenn eine Chefetage kompetente Frauen fördern möchte, müsste sie das meiner Meinung nach aktiv angehen.

medianet: Frage zum Schluss: Nach Ihrer Bestellung zur Schweiz-Korrespondentin haben sie gesagt: „Die Schweiz hat mehr als Banken, Schokolade, Käse und Uhren. Die Geschichten über die unbekannten und spannenden Seiten für die ORF-Konsumentinnen und -Konsumenten zu erzählen, das reizt mich“. Welche Geschichten würde denn ORF Vorarlberg unter einer Landesdirektorin Marion Flatz-Mäser erzählen?

Flatz-Mäser: Von mir werden die Zuschauerinnen und Zuschauer, egal wie die Bestellung ausgeht, spannende Geschichten sehen und hören, selbst erzählt oder von mir angeregt. Ich mag das Ungewöhnliche und Skurrile, ich liebe interessante Lebensgeschichten. Zu Ostern 2022 werde ich auf jeden Fall die Lebensgeschichte von Fürst Hans-Adam II von und zu Liechtenstein erzählen, der das Familienvermögen erfolgreich wieder aufgebaut hat, über die wertvollste Sammlung alter Meister verfügt, als reichster Monarch Europas gilt und dennoch sehr sympathisch-bodenständig geblieben ist. Zu sehen auf ORF2. (fej)

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