BLED. Das 33. Bledcom Public Relations Research Symposium versammelte Ende Juni in Bled (Slowenien) rund 120 Wissenschafter:innen und Kommunikator:innen aus 38 Ländern. Zum Thema „Disaster, Health, and Organizational Crisis Communication“ gab es zwei Tage lang aktuelle Forschungsergebnisse mit globaler Perspektive zu diskutieren. Die Künstliche Intelligenz mit ihren Anwendungen und (teils krisenhaften) Auswirkungen hatte in vielen Vorträgen als Elefant im Raum Platz genommen.
Eingangs machte Initiator Dejan Verčič (Universität Ljubljana) auf die besondere Rolle von Kommunikationsverantwortlichen aufmerksam – inklusive dem Eingeständnis, dass sie selbst die zentralen Beteiligten im Diskurs sind. In einer „neuen Aufklärung“ sollen sie entscheidend zum Verständnis der Situation beitragen. Denn „There will be a crisis, always and everywhere.”
In diesem Rahmen verschiedene Themen Platz – von der Beeinflussung durch Dritte bei Konflikten in kirchlichen Gemeinschaften über die Effektivität behördlicher Vorwarn-Kommunikation bei Naturkatstrophen bis hin zu einem Workshop zur Imagekrise, die eine fiktive britische Universität im Umgang mit ihrem kolonialen Erbe zu bewältigen hatte. Besonders bewegend war ein Erfahrungsbericht aus der Ukraine über den Kommunikationsalltag und die Arbeit der dortigen „PR Army“.
Als prominentes Highlight reflektierte W. Timothy Coombs vom Centre for Crisis and Risk Communications in Kanada über das Forschungsfeld: Von beschreibenden Theorien kam man im Lauf der Zeit zu Theorien, die Vorhersagen über Problemlösungen machten. Während früher die Bewältigung von Krisen im Vordergrund stand, wechselte der Fokus später auf Prävention. Aktuell geht es vermehrt darum, die Auswirkungen von Krisenkommunikation auf weitere Gruppen und Systeme zu erfassen.
Nun ist man verstärkt mit hybriden Situationen konfrontiert, in denen eine Krise auf weitere Krisen aufsetzt, diese ergänzt oder verstärkt, während vor allem unsere westliche Gesellschaft die Zeit allgemein als krisenhaft erlebt. Auf eines kann man sich jedenfalls einstellen: dass neue Krisen und Probleme auftauchen werden. Coombs rief die Gäste dazu auf, kreativ und interdisziplinär zu reagieren – „When there is no right tool, build one! “ Interdisziplinarität schadet hier nicht, im Gegenteil: sie ist ein Muss. Denn für die Poly-Permakrise braucht es Mut und Leadership, hier sind Kommunikationsverantwortliche gefordert – und auch die Forschung. Food for thought and reflection!
Thomas Goiser ist PR- und Unternehmensberater in NÖ und Wien, außerdem Wien-Repräsentant des ACIPSS und Podcaster www.sicherheitsbewusst.eu