•• Von Dinko Fejzuli
Seit 30 Jahren verbindet der Ö1 Club Publikum, Kulturinstitutionen und den Radiosender Ö1. Im Gespräch mit medianet erklären Ö1-Marketingleiter Michael Ladstätter und die Leiterin der Ö1-Kooperationen und des Ö1 Clubs Geraldine Kontrus, warum der Club weit mehr als ein Rabattprogramm ist, wie man junge Zielgruppen erreichen will und weshalb sogar eine Ö1 Club-Partnerbörse interessant sein könnte.
Und betrachtet man nur die nackten Zahlen, so sind schon diese allein durchaus beeindruckend. Mit rund 50.000 Mitgliedern, mehr als 600 Kulturpartnern und Ermäßigungen bei mehr als 20.000 Kulturveranstaltungen pro Jahr zählt der Ö1 Club zu den größten Kultur-initiativen des Landes, die Publikum mit Kultureinrichtungen verbindet. Das 30-jährige Bestehen feiert man im und mit dem MuseumsQuartier, das selbst sein 25-jähriges Jubiläum begeht. Und so wird am 28. Juni das MQ zur Bühne für ein umfangreiches Live-Programm mit Konzerten, Kabarett, Diskussionen und Livesendungen.
„30 Jahre sind ein großer Anlass, und da haben wir uns gedacht, da könnte man schon etwas auf die Beine stellen“, so Geraldine Kontrus und herausgekommen sei ein Programm mit fast zehn Stunden Livebetrieb. „Wir bespielen dabei den gesamten MQ-Hof, die Libelle und sämtliche Häuser.“
Marketinginstrument Fanclub
Für Michael Ladstätter ist der Club weit mehr als ein klassisches Kundenbindungsprogramm. „Ich würde sagen, es ist der Kern unserer Kommunikation. Es ist unser bestes Tool, um Beziehungspflege auf hohem Niveau zu betreiben“, so der Marketingleiter von Ö1. Besonders bemerkenswert sei die Loyalität der Mitglieder: „Es gibt 50.000 Menschen aus Fleisch und Blut, die im Jahr 37 Euro dafür zahlen, dass sie bei uns Mitglied sein können.“
Der Club sei zugleich Rückkanal und Seismograf für den Sender. Über den direkten Austausch erfahre man sehr genau, welche Themen die Mitglieder bewegen und wo Erwartungen an Ö1 bestehen. „Der Club ist für uns nicht nur ein wichtiges Marketinginstrument, sondern wirklich ein Fanclub“, sagt Ladstätter. Und er meint scherzhaft: „Die Mitglieder sind sozusagen unsere Hardcore-Fans“.
Tatsächlich reicht die Bedeutung des Clubs tief in das Programm hinein. Mit der Sendung „Schon gehört?“ verfügt Ö1 über ein eigenes Format, das achtmal pro Woche Kulturveranstaltungen aus ganz Österreich vorstellt. Dazu kommt das monatliche Clubmagazin „gehört“, das für viele Mitglieder nach wie vor ein wichtiger Wegweiser durch das umfangreiche Programmangebot ist. Ladstätter nennt das gedruckte Magazin „eine Art Schatzkarte zur Schatzinsel Ö1“.
Kulturpartner als Türöffner
Die mittlerweile mehr als 600 Kulturpartner werden nach klaren Kriterien ausgewählt. „Wir haben einen Blick über die ganze Kulturszene“, erklärt Kontrus. Neue Ausstellungshäuser, Festivals oder innovative Kulturangebote würden gezielt beobachtet werden. Das Angebot, aus dem man schöpfen könne, sei groß und ein Großteil der Anfragen komme sogar direkt von den Institutionen selbst.
Dabei setzt der Club bewusst nicht nur auf große Namen. „Natürlich brauchen wir die Großen und sie sind wichtig. Aber wir schauen ganz besonders auch auf die Kleinen“, sagt Kontrus. Und gerade diese kleineren Veranstalter würden oft enorme Anstrengungen unternehmen, um relevant zu sein und auch für die Ö1 Community interessante Programme auf die Beine zu stellen. Diese wolle man sichtbar machen und unterstützen.
Der Nutzen für die Kulturpartner gehe dabei weit über eine reine Ermäßigung hinaus. Laut Kontrus betrachten viele Einrichtungen die Zusammenarbeit als Qualitätsmerkmal. „Ein Kulturpartner zu sein, ist schon auch ein Zeichen. Wir animieren die Menschen, Kultur zu erleben und geben ihnen die entsprechenden Tipps.“
Eine der größten Herausforderungen der vergangenen Jahre war und ist, so wie für viele Medien, die Verjüngung des Publikums. Dafür wurde bereits 2019 mit „Ö1 Intro“ ein eigenes Angebot für Menschen unter 30 Jahren ins Leben gerufen.
„Ö1 bietet viele Inhalte, die auch für jüngeres Publikum interessant sind. Aber diese Zielgruppe vermutet diese Inhalte oft nicht bei uns“, erklärt Ladstätter. Gemeinsam mit Kulturpartnern hebe man deshalb Angebote hervor, die stärker auf jüngere Interessen zugeschnitten sind. Mittlerweile nutze bereits eine vierstellige Zahl an Mitgliedern das Intro-Angebot. Besonders wichtig sei dabei die Rolle als Türöffner. So arbeite man etwa eng mit der Wiener Staatsoper zusammen. „Wir wollen Schwellenängste abbauen“, sagt Kontrus. Ziel sei es, Menschen den Zugang zu Kulturinstitutionen zu erleichtern, die diese bislang vielleicht nicht als Teil ihrer Lebenswelt wahrgenommen hätten.
Analoge Treue …
Trotz der starken Bindung an Printprodukte und klassische Kulturangebote spürt auch der Ö1 Club die Veränderungen im Medienverhalten. Viele jüngere Mitglieder informieren sich längst über Website, Newsletter oder digitale Kanäle.
Eine eigene Club-App wäre daher eine Hoffnung. „Das wäre ein Wunsch ans Christkind“, so Ladstätter.
… und digitale Wünsche
Nach derzeitiger Rechtslage seien solche Angebote allerdings nur eingeschränkt möglich. Gleichzeitig sieht er darin Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft: „Wenn Wachstumspotenzial da ist, und dann auf jeden Fall mit digitalen Angeboten. Das wäre auch wichtig für die gesamte Kulturbranche, die gerade in Zeiten von Budgetreduktionen ihr Publikum erreichen will.“ Die Ö1 Club Mitgliederzahl selbst sei seit Jahren bemerkenswert stabil. Aber, so Ladstätter ergänzend:„Wir müssen einiges investieren, damit das so bleibt“.
Besonders stolz sei man darauf, dass die Community trotz veränderter Mediennutzung und zahlreicher Alternativen konstant geblieben sei. Das Ziel sei dabei nicht unbedingt maximale Größe. „Natürlich hätte man lieber 100.000 Mitglieder. Aber wir sagen immer: lieber klein und fein und treu“, so der Marketingleiter.
Dass die Bindung vieler Mitglieder weit über den Kulturbesuch hinausgeht, zeigt eine Idee, die auf den ersten Blick vielleicht verwundert, aber auf den zweiten Blick durchaus Sinn machen könnte: Eine eigene Ö1-Partnerbörse, auch wenn sie derzeit gesetzlich für Ö1 gar nicht umsetzbar wäre. Die Idee dahinter: Wer Ö1 höre, teile oft ähnliche Interessen und Werte. Kontrus bestätigt lachend, erst vor wenigen Tagen wieder darauf angesprochen worden zu sein. Denn immerhin gelte die Club-Ermäßigung bei Veranstaltungen grundsätzlich ja auch immer für zwei Personen.