••• Von Jakob Klawatsch
In ihrer 30-jährigen Geschichte hat sich die Stargate Group stetig weiterentwickelt und immer wieder neu erfunden: Vom klassischen Clubbingveranstalter hin zu einer Agentur für Erlebniskommunikation, die heute internationale Konzerne mit kreativen Lösungen und Markenerlebnissen unterstützt. Im Interview mit medianet spricht CEO Florian Halder über die Bedeutung des Jubiläumsjahrs, die Herausforderungen durch Digitalisierung und KI und darüber, warum Marken heute vor allem eins wollen: echte Erlebnisse.
medianet: Die Stargate Group feiert heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Gleichzeitig setzen Sie organisatorische Neuerungen um. Herr Halder, warum ist es Ihnen wichtig, ein Jubiläumsjahr nicht nur als Rückblick zu verstehen, sondern auch als Signal für die Zukunft?
Florian Halder: Ich glaube, es ist ein bisschen wie im Leben: zehn Prozent Rückspiegel und 90 Prozent Blick durch die Frontscheibe. Dass die aktuellen Veränderungen mit unserem 30-jährigen Jubiläum zusammenfallen, ist eher Zufall. Gleichzeitig hat es einen schönen Symbolcharakter, weil es zeigt, dass man als Unternehmen permanent nach vorne schauen muss. Denn es geht darum, zukunftsfit zu bleiben. Die Eigenschaften, die uns in den vergangenen 30 Jahren ausgezeichnet haben, werden auch in Zukunft entscheidend sein: Resilienz, Innovation, langfristiges Denken und ein wertschätzender Umgang mit Kundinnen und Kunden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Partnerinnen und Partnern.
medianet: Welche Maßnahmen haben Sie gesetzt, um die Stargate Group zukunftsfit zu halten?
Halder: Organisatorisch tut sich bei uns einiges. Mit Claudia Auer haben wir seit einigen Monaten Verstärkung im Bereich Business Development. Sie bringt wertvolle Erfahrungen von Kundenseite mit und teilt unsere Leidenschaft für Storytelling. Gemeinsam mit Albin Lenzer und Philipp Jahoda leiten wir die Agentur nun zu dritt. Intern arbeiten wir zwar in den Divisions Creative und Live, nach außen bieten wir aber integrierte Lösungen an. Das ist immer eine Verheiratung von Creative und Live in den unterschiedlichsten Formaten, je nachdem, was es eben gerade braucht.
medianet: In den vergangenen Jahren haben sich technologische Möglichkeiten und auch die Kundenbedürfnisse massiv verändert. Welche Entwicklungen haben die Branche Ihrer Meinung nach besonders geprägt?
Halder: Der Markt befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden Umbruch. Angefangen hat das mit Social Media, dann kam Corona als massiver Beschleuniger hinzu, und mit Künstlicher Intelligenz hat sich die Dynamik noch einmal verstärkt. Wir leben in sehr volatilen Zeiten. Werbung und Marketing zählen nun einmal nicht zu den unmittelbar systemrelevanten Bereichen – wenn Unternehmen sparen müssen, wird oft zuerst beim Marketingbudget angesetzt. Damit müssen wir als Branche seit jeher umgehen. Gleichzeitig erleben wir heute eine Content-Flut, Inhalte zu produzieren ist durch digitale Tools einfacher denn je. Die Herausforderung besteht nun darin, relevante Inhalte zu schaffen, die aus der Masse herausstechen.
Genau hier gewinnen Erlebnisse an Bedeutung. Menschen investieren heute bewusster in Erfahrungen, die etwas auslösen, verbinden oder in Erinnerung bleiben – in Konzerte, Reisen, Festivals, besondere Markenmomente oder kulturelle Ereignisse. Dieses wachsende Bedürfnis nach echten, teilbaren Erlebnissen spielt unserer Kernkompetenz, der Erlebniskommunikation, natürlich stark in die Karten.
medianet: Sie haben vorhin Resilienz als zentralen Erfolgsfaktor genannt. Woher kommt diese Widerstandsfähigkeit bei Ihrem Unternehmen?
Halder: Ein Stück weit muss sie aus einem selbst kommen. Jeder unternehmerische Weg ist in gewisser Weise ein steiniger Weg. Gerade im Projektgeschäft gibt es viele Unsicherheiten und wenig langfristige Planbarkeit. Man braucht den Willen, Dinge durchzusetzen, einen klaren Plan und manchmal auch die Bereitschaft, durchzuhalten, auch wenn das Licht am Ende des Tunnels noch ganz weit weg ist. Entscheidend ist letztlich, Menschen zu finden, die diesen Weg gemeinsam gehen wollen.
medianet: Gab es Momente, in denen Resilienz und die Bereitschaft zur Neuerfindung besonders gefordert waren?
Halder: Definitiv, ein wesentlicher Wendepunkt war die Zeit zwischen 2006 und 2010. Damals haben wir uns bewusst vom klassischen Veranstaltergeschäft verabschiedet, das zuvor einen Großteil unseres Umsatzes ausgemacht hat. Wir haben stattdessen entschieden, uns auf Live-Marketing zu konzentrieren, also Events, Promotions, Roadshows und Messen. Das erforderte Mut, weil wir ein funktionierendes Geschäftsmodell hinter uns gelassen haben.
Ein weiterer großer Umbruch kam mit Social Media und der Digitalisierung. Wir haben erkannt, dass Events zunehmend Teil ganzheitlicher Kommunikationsstrategien werden. Ein exklusives Konzert ist dafür ein gutes Beispiel: Früher stand das Erlebnis vor Ort im Mittelpunkt; heute geht es auch noch darum, wie Menschen zu diesem Erlebnis kommen, wie sie darüber sprechen, welche Inhalte sie teilen und wie Marken davon profitieren können. Deshalb haben wir unsere Kompetenzen erweitert, von Kreation über Strategie bis hin zur ganzheitlichen Markenführung. Corona war schließlich ein weiterer Härtetest, wo Resilienz gefragt war.
medianet: Die Stargate Group wurde zuletzt mehrfach ausgezeichnet – auf nationaler Ebene beim Austrian Event Award und Vamp Award, international bei den Eventex Awards. Welchen Stellenwert haben Kreativpreise für Sie?
Halder: Preise sind eine schöne Bestätigung, aber man sollte ihnen nicht zu viel Bedeutung beimessen. Sie sind weder ein Allheilmittel für die Eigenvermarktung, noch sollte man sich entmutigen lassen, wenn man nicht gewinnt. Für uns als österreichische Agentur ist es dennoch besonders erfreulich, wenn wir uns auch international behaupten können. Das zeigt uns einfach, dass wir offensichtlich einiges richtig machen.
medianet: Was zeichnet aus Ihrer Sicht besonders erfolgreiche Arbeiten aus?
Halder: Gute Arbeiten vereinen mehrere Faktoren. Sie brauchen eine relevante und idealerweise überraschende Idee. Die Umsetzung muss konsequent über verschiedene Kanäle erfolgen. Und letztlich sollte die Wirkung messbar sein. Aufmerksamkeit allein kann man sich kaufen. Aber die wirklich herausragenden Projekte schaffen mehr als nur Aufmerksamkeit, das eingesetzte Budget ist eine Investition in langfristige Markenbeziehung, weil Idee und Umsetzung auch ins Herz gehen.
medianet: Im dritten Quartal starten Sie mit einer neuen Werbelinie. Welche Botschaften möchten Sie damit vermitteln?
Halder: Im Kern geht es darum, auf den Punkt zu bringen, wofür wir seit 30 Jahren stehen: Marken erlebbar zu machen. Wir sprechen dabei von ‚Narrative Spaces‘, also Erzählräumen. Grundsätzlich ist ein ‚Narrative Space‘ wie ein weißes Blatt Papier, dass wir dann gemeinsam mit dem Auftraggeber mit Leben füllen. Entscheidend ist, dass diese Räume Menschen berühren, multisensorisch erlebbar sind und nachhaltig in Erinnerung bleiben. Das kann über eine Kampagne sein, über ein Event, über einen PR-Stunt oder über kombinierte Kanäle. Ein gelungener ‚Narrative Space‘ entsteht dann, wenn er in Erinnerung bleibt und die Menschen ihre Erfahrungen teilen, sei es im persönlichen Gespräch oder über ihre eigenen Kanäle.
Unsere neue Werbelinie soll genau diesen Gedanken transportieren: Wir schaffen Erlebnisse, die Marken emotional aufladen und nachhaltig wirken.
medianet: Warum gewinnt dieser Ansatz – also Marken erlebbar zu machen – gerade jetzt an Bedeutung?
Halder: Je digitaler und schneller die Welt wird, desto stärker suchen Menschen nach dem Echten. Sie brauchen reale Erfahrungen, die sie verankern und emotional berühren. Ein Erlebnis ist multisensorisch: Man kann es sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken. Genau deshalb bleibt es stärker in Erinnerung. Für Marketer sollte das eine zentrale Erkenntnis sein: Wenn Menschen nach Authentizität suchen, müssen Marken entsprechende Erlebnisse schaffen. Deshalb sind reale Begegnungen mehr denn je ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Markenführung.
medianet: Markenführung ist durch die Vielzahl an Kanälen deutlich komplexer geworden. Wie gelingt es, heute noch ein glaubwürdiges Markenbild zu erzeugen?
Halder: Markenkommunikation muss relevant und authentisch sein, denn übertriebene Werbeversprechen werden heute sehr schnell entlarvt. Gleichzeitig muss Kommunikation auch deutlich zielgerechter erfolgen. Früher setzte man auf klassische Medienkanäle und erreichte damit breite Zielgruppen. Heute bewegen sich Menschen in sehr individuellen Medienwelten. Die Aufgabe besteht darin, relevante Berührungspunkte innerhalb dieser jeweiligen ‚Bubble‘ zu schaffen und dort Inhalte anzubieten, die tatsächlich interessieren. Dabei spielen Emotionen und Erlebnisse eine zentrale Rolle.
medianet: Und welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei?
Halder: KI ist ein zweischneidiges Schwert: Natürlich nutzen wir sie, KI kann Prozesse beschleunigen und bei vielen Aufgaben unterstützen. Gleichzeitig lebt unsere Branche von kreativen Schaffensprozessen. KI kann Impulse liefern, aber sie kann nicht beurteilen, welche Idee tatsächlich die richtige ist, welche zum Budget passt oder welche emotional die größte Wirkung entfaltet. Deshalb sehen wir KI eher als Werkzeug statt als Ersatz für kreative Arbeiten. Sie wird repetitive Tätigkeiten verändern, aber gute, integrierte Kommunikation bleibt eine menschliche Aufgabe.
medianet: Wir befinden uns noch Mitten im Jahr 2026. Wenn Sie einige Monate in die Zukunft blicken: Woran würden Sie am Jahresende festmachen, dass das Jubiläumsjahr ein erfolgreiches war?
Halder: Wirtschaftlicher Erfolg ist wichtig, denn Unternehmen müssen profitabel arbeiten, um langfristig bestehen zu können. Gleichzeitig sollte dieser Erfolg nicht um jeden Preis erreicht werden müssen. Für mich ist entscheidend, dass wirtschaftliche Ergebnisse mit einer starken Unternehmenskultur einhergehen. Dazu gehören Menschlichkeit, langfristige Beziehungen und ein respektvoller Umgang miteinander. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital. Wir verfügen über keine Patente oder Maschinen, unser Know-how steckt in den Menschen, die bei uns arbeiten. Wenn wir wirtschaftlich erfolgreich sind und gleichzeitig unsere Kultur bewahren, dann war es ein gutes Jahr.
medianet: Wenn wir dieses Gespräch in fünf Jahren wieder führen würden: Was möchten Sie dann über die Stargate Group sagen können?
Halder: Der Weg ist das Ziel. Wachstum soll dabei kein Selbstzweck sein, es ist in der Regel die Folge harter Arbeit, kreativer Exzellenz und steter Neugier. Entscheidend ist, dass wir unserem Anspruch treu bleiben: Für unsere Kundinnen und Kunden immer wieder Lösungen zu entwickeln, die Wirkung zeigen. Wenn uns das gelingt, entsteht Wachstum fast automatisch. Und ich glaube fest daran, dass für uns noch sehr viel möglich ist – in Österreich, aber auch international, gerade wenn es darum geht, österreichische Unternehmen noch stärker international zu begleiten.