west4.media  feiert 20-jähriges Jubiläum
© West4media
Alexander Strohmer
MARKETING & MEDIA Redaktion 10.07.2026

west4.media feiert 20-jähriges Jubiläum

Als Gründer und Geschäftsführer führt Alexander Strohmer bei der filmreifen ­Erfolgsgeschichte Regie.

Seit 2006 steht west4.media für hochwertige Bewegtbildproduktion – von TV-Dokumentationen, Corporate Content und Imagefilmen über Sport- und Live-Produktionen bis hin zu Social-Media-Formaten, Animationen und Projekt-Dokumentationen. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums hat medianet Gründer und Geschäftsführer Alexander Strohmer zum Interview gebeten.

medianet: Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum. Wie fühlen Sie sich?
Alexander Strohmer: Wow, diese Frage kenne ich normalerweise vom Ende einer Fußballübertragung. Ok, ein bisschen müde, aber zufrieden mit dem Ergebnis. 20 Jahre am Markt zu bestehen, ist in der österreichischen Film- und Medienbranche alles andere als selbstverständlich. Viele Filmproduktionen geben nach einigen Jahren wieder auf – nicht aus Mangel an Leidenschaft, sondern weil der Markt anspruchsvoll ist, Budgets eng kalkuliert sind und jedes Projekt aufs Neue beweisen muss, dass es sich durchsetzen kann.

medianet: Zurück zur Gründung der Firma – was waren damals Ihre Ziele, Erwartungen, Träume?
Strohmer: Wir hatten weder Ziele, Erwartungen, noch Träume. Wir hatten Kunden und Aufträge. Wir haben immer nur sechs bis zwölf Monate vorausgedacht, dafür aber intensiv. Ich denke, das kann ich jedem Gründer als Rat mitgeben. Das Einzige, was beeinflussbar ist, ist die Gegenwart. Die Zukunft ist eine Phantasie. Wir haben nie Fiction bei west4.media produziert.

medianet: Auf LinkedIn schrei-ben Sie, dass Ihnen die HTL keinen Spaß gemacht hat. Was hätten Sie lieber gemacht und warum haben Sie eine ‚freudlose‘ Ausbildung trotzdem beendet?
Strohmer: Ich hatte schlechte Lehrer, that’s it. Welche Schule stattdessen? Im Leben ist nicht so wichtig, was man macht, sondern mit wem man was macht. Das gilt für alle Bereiche des Lebens. Eine Schule mit inspirierenden Lehrern wäre schön gewesen. Ich habe die Schule fertig gemacht, weil ich nach dem Grundsatz lebe, gearbeitet wird, was auf den Tisch kommt und man macht Dinge fertig. Das sage ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übrigens auch immer.

medianet: Ab welchem Punkt in Ihrem beruflichen Werdegang haben Sie sich gedacht, ‚ich werde Filmproduzent‘?
Strohmer: Das habe ich nie. Kinder fragt man, was willst du werden, wenn du groß bist. Früher war meine Antwort ‚ich weiß es nicht‘, heute würde ich sagen ‚glücklich‘. Ich hatte nie einen bestimmten, klaren Berufswunsch. Es ist mir immer alles passiert und ich bin sehr zufrieden damit.

medianet: Sie haben die schwierigen Rahmenbedingungen in der österreichischen Filmbranche erwähnt. Förderungen spielen da oft eine wichtige Rolle. Nicht aber bei west4.media …
Strohmer: Wir machen im Jahr rund drei Millionen Euro Umsatz. In 20 Jahren haben wir in Summe exakt 7.000 Euro Filmförderung erhalten.

medianet: Ist der Erfolg von west4.media also – abgesehen von Basics wie Professionalität und Termintreue, die ja in allen Branchen essentiell sind – das Ergebnis eines klugen Business-Konzepts?
Strohmer: Erfolg ist immer die Summe aller Einzelteile. Die von Ihnen genannten Basics werden vom Mitbewerb nicht immer beherrscht und wir sind sehr dankbar dafür. Darüber hinaus ist Kompetenz nicht ganz unwesentlich. Schöne Bilder drehen und aneinanderhängen können unglaublich viele. Aber schon beim Storytelling trennt sich die Spreu vom Weizen.

medianet: Sind Sie mit der aktuellen Auftragslage zufrieden?
Strohmer: So etwas wie Ex-Kunden gibt es bei uns kaum. Wer einmal mit uns zusammenarbeitet, wird in der Regel Stammkunde. Wir arbeiten parallel meist an rund 30 Produktionen, weitere 20 sind immer in der Entwicklungs- und Beauftragungsphase. Ja, ich bin zufrieden.

medianet: In den vergangenen 20 Jahren gab es eine Reihe von Krisen. Welche hat sich am stärksten auf west4.media ausgewirkt?
Strohmer: Die größte Krise war sicher, als das Hochformat-Video erfunden wurde. Da wussten wir: Die Welt, wie wir sie kannten, ist vorbei. Aber auch damit sind wir zurechtgekommen. Wir sind sehr krisenresistent und machen jetzt für viele Kunden großartigen Social-Media-Content. Rufen Sie uns an!

medianet: Welche Vorteile hat die technische Weiterentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte für die Filmproduktion gebracht?
Strohmer: Es gibt kaum eine andere Dienstleistungsbranche, wo der technische Fortschritt so schnell voranschreitet. Unser Vorteil ist, dass wir großartige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben, die sich viel damit beschäftigen und wir damit oft einen Vorsprung am Markt haben. Nachteile gibt es nur, wenn man nicht am Ball bleibt und neue Technologien übersieht oder zu spät wahrnimmt.

medianet: Welche Rolle spielt KI für Sie?
Strohmer: Eine große. Es gibt keine Schnittsoftware, die nicht schon seit vielen Jahren KI integriert hat. KI ist nichts weiter als ein Sammelbegriff für eine neue Software-Generation. Die kann mehr, weil sie die Möglichkeiten von schnelleren Prozessoren und Datenleitungen nutzt. That’s it. Niemand muss vor KI Angst haben. Man muss sich nur vor anderen Menschen fürchten, die sich mehr mit KI beschäftigen als man selbst. Ich finde KI cool und wir verwenden sie gerne.

medianet: Wo sehen Sie die wesentlichen Gefahren von KI für die Filmbranche?
Strohmer: Wir sollten nicht dem Österreich-Reflex verfallen! Es gibt eine großartige neue Technologie und wir beginnen über Gefahren zu sprechen und in der EU machen wir Reglementierungen und Einschränkungen. Wenn wir so handeln, dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir künftig nicht konkurrenzfähig sind. Denken wir bitte über die Chancen und Möglichkeiten nach. Wenn wir die gut nutzen, brauchen wir uns vor Gefahren nicht zu fürchten.

medianet: Ab 2. August gelten neue EU-Vorschriften für KI-generierte Inhalte. So müssen etwa realistisch wirkende Bilder und Videos für den Nutzer klar erkennbar gekennzeichnet werden. Was halten Sie von diesen Vorgaben?
Strohmer: Völliger Schwachsinn. Aber wir halten uns natürlich mit Punkt und Beistrich daran und haben das bereits bei Produktionen gemacht, obwohl die Vorschrift noch nicht gilt.

medianet: Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Spaß? Und was nervt am meisten?
Strohmer: Ich habe das großartigste Team in der gesamten Branche. Das gemeinsame Arbeiten macht am meisten Spaß. Das Team ist wie eine zweite Familie. Und ja, manchmal nerven sie mich, aber das tut die erste Familie auch hie und da. Früher haben mich auch Kunden genervt, wenn sie glaubten, es besser zu wissen oder tolle Ideen mit unnötigen Bedenken vernichtet haben. Aber aus dem Alter bin ich raus.

medianet: Welche Produktion hat Ihnen persönlich am meisten Spaß gemacht und warum?
Strohmer: Wir haben, ohne zu übertreiben, weit über 1.000 Filme in 20 Jahren gemacht. Da sticht keiner besonders heraus. Mein Projekt heißt west4.media und mein Job ist, eine wirtschaftlich erfolgreiche Firma zu führen und einen Arbeitsraum zu schaffen, wo sich mein Team wohlfühlt und kreativ arbeiten kann. Das gelingt aktuell recht gut, denke ich.

medianet: Wenn Sie sich von einer guten Fee den Traumauftrag für west4.media wünschen könnten, welcher wäre das?
Strohmer: Den ORF reformieren? Nein, das wäre zu einfach und keine große Herausforderung. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber ich danke für die Hausaufgabe und werde bis zum nächsten Interview darüber nachdenken. (red)

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