Wiens Taxilenker fordern einen neuen Tarifvertrag
© Florian Wieser
MOBILITY BUSINESS Redaktion 03.07.2026

Wiens Taxilenker fordern einen neuen Tarifvertrag

Die Kostenexplosion macht dem Gewerbe zu schaffen, klagt Innungsobmann Resul Ekrem Gönültaş im Interview.

• Von Alexander Haide

Taxifahrer sind in Wien ein fixer Teil des Stadtbildes, dennoch gibt es immer wieder Kontroversen im Beförderungsbusiness. Vor einem Jahr wurde Resul Ekrem Gönültaş Obmann der Fachgruppe Beförderungsgewerbe mit Pkw – umgangssprachlich auch Taxi-Innung genannt. Angetreten ist er mit einer überparteilichen Liste, auf der sich auch Taxilenkerinnen fanden. Ein Novum. Heute ist er der „oberste Chef“ der beinahe 8.000 angemeldeten Taxis in der Hauptstadt und kennt selbst den nicht immer einfachen Job aus der Praxis: Gönültaş betreibt ein klassisches EPU – ein Mann und sein Taxi.
Im medianet-Interview erklärt er, weshalb eine Tariferhöhung nötig ist, wie gegen schwarze Schafe vorgegangen werden soll und weshalb trotz Navis das Lernen des Stadtplans essenziell bleibt.

medianet: Welche Anliegen verfolgen Sie als Obmann?
Resul Ekrem Gönültaş: Wir stehen vor großen, überlebenswichtigen Herausforderungen, denn in den vergangenen Jahren ist in unserem Gewerbe nicht viel weitergegangen. Da wir die Interessen der Wiener Taxilenker vertreten, müssen wir die meisten Anliegen auch mit der Stadt Wien klären und nur rund zehn Prozent betreffen die Wirtschaftskammer auf Bundesebene. Leider wurde aber in der Vergangenheit seitens der Stadtregierung nicht sehr auf uns gehört. Vor allem benötigen wir einen neuen Tarif. Wir wollen gemeinsam mit der Stadt die Qualität der Taxis und der Ausbildung der Lenker verbessern und schwarze Schafe aus dem Verkehr ziehen.

medianet: Was ist derzeit das größte Problem?
Gönültaş: Wir können mit dem bestehenden Tarif nicht wirtschaften. Deshalb hat die Tarifanpassung oberste Priorität, denn wir können über unsere Tarife nicht frei entscheiden und sie jederzeit an gestiegene Kosten anpassen.
Wir verfügen über zwei Arbeitsmaterialien und damit Kostenfaktoren. Das sind das Auto und der Taxilenker. Die Spritpreise sind enorm gestiegen und es gab in den vergangenen drei Jahren eine Erhöhung des Kollektivvertrags von 1.705 Euro auf 2.060 Euro. Die Kfz-Versicherungen, die Kosten für Reparaturen und für neue Reifen sind ebenfalls enorm gestiegen. Wir können diese Kostensteigerungen nicht weitergeben, denn unsere Tarife sind an die Vereinbarung mit der Stadt Wien gebunden.
Wenn es um die Steigerung der Qualität geht, sind wir selbst stark daran interessiert, gemeinsam mit der Stadtregierung, der Exekutive, der ÖGK, dem Eichamt und der Finanzpolizei alle schwarzen Schafe aus dem Verkehr zu ziehen. Es ist allerdings nur ein geringer Bruchteil der Fahrer, die sich nicht an die Regeln unseres Gewerbes halten.

medianet: Kann es bei der eindeutigen Kennzeichnung von Taxis überhaupt noch schwarze Schafe geben?
Gönültaş: Es sind maximal fünf Prozent der Wiener Taxiunternehmer, die sich nicht ganz an die Regeln und Gesetze halten. Da geht es um das Fehlen einer Taxilenkerberechtigung oder das Nichteinhalten der Standplatzordnung.
Ein großes Problem ist, dass viele der Apps, die Fahrten vermitteln, Aufträge an Taxis aus den angrenzenden Bundesländern vergeben. Es gibt viele Taxis aus Schwechat, die Fahrten in Wien durchführen. Da sie sich nicht auf Standplätze stellen dürfen, fahren sie auf der Suche nach Kundschaft herum. Sie nehmen uns das Geschäft weg.
Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, haben wir der Stadt Wien bereits ein zwölfseitiges Maßnahmenpaket geschickt. Wir treten auch dafür ein, dass die Fahrtenvermittler (wie Uber, Anm.) in das Gelegenheitsverkehrsgesetz aufgenommen werden, dem die Taxiunternehmer unterliegen.

medianet: Weshalb gibt es Probleme mit Fahrtenvermittlern?
Gönültaş: Taxis sind das tragende Element des Geschäfts. Alle anderen sind Vermittler, die kein einziges Fahrzeug auf der Straße betreiben. Das Branding von Taxis mit Aufklebern von Fahrtenvermittlern ist übrigens nur Werbung. Unserer Meinung nach ist die Vermittlung eine eigene Dienstleistung, wie die Funkgebühr, die extra auf den Fahrpreis aufgeschlagen werden sollte. In der Tarifverordnung ist das nicht zwingend vorgeschrieben.
Bei den nächsten Verhandlungen werden wir dafür eintreten, dass der Zuschlag immer verrechnet wird. Wer an einem Standplatz einsteigt, zahlt diese Gebühr nicht. Kostet das Bestellen eines Fahrzeugs über einen Vermittler aber nichts, dann werden Kunden eher diesen Service in Anspruch nehmen, als zum nächsten Standplatz zu gehen. Die Anfahrtszeit wird dabei nicht vergütet. Zudem werden Taxis aus den angrenzenden Bundesländern nach Wien vermittelt, was nicht zulässig ist. Sie verfügen nicht über Ortskenntnisse und passen überhaupt nicht zum Profil der Wiener Taxiunternehmer.

medianet: Wird heute bei der Taxilenkerprüfung noch die Kenntnis des gesamten Stadtplans verlangt?
Gönültaş: Ich habe meine Prüfung im Jahr 1999 abgelegt. Mein Navigationsinstrument war das amtliche Straßenverzeichnis und der Buchplan. Natürlich müssen wir mit der Zeit gehen und es haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Unterrichtsinhalte verändert. Es gab erst vor kurzem einen Stromausfall in einem Wiener Bezirk. Wer kann garantieren, dass die Navis und das Internet immer 24 Stunden online sind? Da ist schon ein gewisses Grundwissen nötig.
Viele Touristen nutzen Taxis und deshalb sollte ein Lenker sich auch bei Sehenswürdigkeiten ein bisschen auskennen. Allerdings beläuft sich laut der aktuellen Bundesverordnung die Ausbildungszeit auf 15 bis maximal 25 Stunden. Das reicht bei zehntausenden Adressen in Wien nicht aus. Zudem legen wir Wert auf ausreichende Sprachkenntnisse.

medianet: Braucht es eine verpflichtende Weiterbildung?
Gönültaş: Das ist einer meiner Vorschläge zur Qualitätssteigerung. Wir müssen alle fünf Jahre den Taxilenkerausweis erneuern, wobei es um die Vertrauenswürdigkeit geht. Da könnte es eine mehrstündige Einführung in das geben, was sich in der Zwischenzeit verändert hat. Auch eine Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses wäre sinnvoll.

medianet: Wie sieht es mit der Elektrifizierung der Taxis aus?
Gönültaş: Mit der neuen Verordnung seit 1. Jänner 2025 müssen in Wien neu zugelassene Fahrzeuge emissionsfrei sein. Heute sind in Wien mehr als zehn Prozent der Taxis Elektrofahrzeuge. Das Problem ist allerdings, dass es keine ausreichende Ladeinfrastruktur, und vor allem zu wenige Schnellladestationen gibt. Wir sprechen uns auch für eine Vorbestellungsmöglichkeit bzw. eine Reservierung für Zeiten an Ladesäulen aus, um Wartezeiten, die ja nicht bezahlt werden, zu vermeiden.

medianet: Vor kurzem wurde Alfons Haider von einem Taxi nicht mitgenommen, weil er nur mit Karte bezahlen konnte. Ein verbreitetes Problem?
Gönültaş: Ich habe Herrn Haider früher öfters gefahren. Nach dem Vorfall habe ich ihn angerufen und mich für den Fahrer entschuldigt. Sollte so etwas einem Kunden passieren, dann ist das ein Verstoß gegen unsere Landesbetriebsordnung. Gibt es Beweismittel, können wir das auch zur Anzeige bringen. Jeden Mittwoch tagt im Haus der WKW die Beschwerdekommission und ein Lenker wird im Anlassfall bestraft. Aber die Strafen, die vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden, müssen härter, bis hin zum Konzessionsentzug, sein!
Es gibt in jedem Fahrzeug einen QR-Code, der über Fahrgastrechte Auskunft gibt, und die Bewertung der Fahrt und des Lenkers ermöglicht. Über den Code können wir bei Beschwerden auch den Lenker ermitteln. Ein Taxi, in dem es keinen QR-Code gibt, ist kein Wiener Taxi.

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