Wachstum ohne Provisionsdruck
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Die Dialog relations-Gründer Stefan Szakusits, Josef Kalina und Martin Jandrisovits (v.l.).
MARKETING & MEDIA Redaktion 10.07.2026

Wachstum ohne Provisionsdruck

Dialog relations feiert einjähriges Bestehen. Die Mitgründer Josef Kalina und Stefan Szakusits über ihr Geschäftsmodell.

•• Von Jakob Klawatsch

Ein Jahr nach der Gründung zieht Dialog relations Bilanz: Die Agentur der PR-Profis Josef Kalina, Stefan ­Szakusits und Martin Jandrisovits hat sich als erste am österreichischen Markt auf Dialogwerbung für politische Organisationen spezialisiert. Im Interview ziehen die Mitgründer Kalina und Szakusits Bilanz und sprechen über Zukunftspläne.

medianet: Herr Kalina, Herr Szakusits, Sie feiern mit Dialog relations Ihr einjähriges Bestehen. Was genau macht Ihre Agentur?
Josef Kalina: Wir haben zwei große Schwerpunkte. Einerseits Public Affairs – also strategische Kommunikation und Interessenvertretung –, andererseits Dialogwerbung für politische Organisationen. Bei Letzterer sind wir als Agentur tatsächlich Firstmover. Dabei sprechen unsere Mitarbeiter, die bei uns ‚Dialoger‘ heißen, Menschen direkt an gebrandeten Informationsständen im öffentlichen Raum an, klären sie über Vorteile einer Mitgliedschaft auf und gewinnen sie direkt vor Ort als Mitglieder für politische Organisationen. Dieses Modell kennt man aus dem NGO-Bereich, wir haben es für politische und gesellschaftliche Organisationen wie Gewerkschaften und Mieterschutzorganisationen weiterentwickelt.
Stefan Szakusits: Unser Anspruch war von Anfang an, mit den Dialogkampagnen Öffentlichkeitsarbeit politischer Organisation­en zurück zu ihren Wurzeln zu führen – zum direkten Gespräch von Mensch zu Mensch. Wir kommen aus der PR und wissen, wie wichtig Vertrauen und ein glaubwürdiger Auftritt sind. Deshalb bringen wir die Anliegen unserer Kunden nicht nur in Medien oder zur Politik, sondern direkt zu den Menschen; unsere ‚Dialoger‘ führen jeden Tag Hunderte persönliche Gespräche in ganz Österreich und gestalten so den politischen Diskurs mit.

medianet: Worin unterscheidet sich Ihre Agentur von klassischen Dialogmarketing-Agenturen?
Kalina: Viele Mitbewerber arbeiten mit freien Dienstverträgen oder Werkverträgen, dadurch entsteht oft enormer Verkaufdruck. Unsere Mitarbeiter müssen nicht um jeden Preis Unterschriften sammeln. Sie können sich auf qualitativ hochwertige Gespräche konzentrieren; das merkt man auch bei den langfristigen Ergebnissen.
Szakusits: Der größte Unterschied ist unser Arbeitgebermodell. Unsere Mitarbeiter sind fix angestellt, mit Urlaubs-, Weihnachts- und Krankengeld, einer 36-Stunden-Woche und einer Bezahlung deutlich über dem Kollektivvertrag – das ist in der Branche der Dialogwerbung nicht selbstverständlich. Gute Mitgliederwerbung entsteht nicht durch Druck, sondern durch Verständnis. Wenn Menschen nachvollziehen können, welchen konkreten Nutzen eine Mitgliedschaft für sie hat, dann entscheiden sie sich bewusst dafür und bleiben der Organisation langfristig treu.

medianet: Wie hat sich Dialog relations im ersten Jahr ent­wickelt?
Szakusits: Wir sind mit der Idee gestartet, Mitgliederwerbung für unsere Kunden und strategische Kommunikation neu zu verbinden. Nach einem Jahr können wir sagen: Dieses Modell funktioniert! Wir haben mittlerweile 16 angestellte ‚Dialoger‘. Im Gründungsjahr konnten wir rund 1.000 neue Mitglieder für unsere Auftraggeber gewinnen. Heuer wollen wir dieses Ziel verdreifachen.
Kalina: Besonders freut uns, dass jede Organisation, mit der wir bisher Testkampagnen durchgeführt haben, ihre Zusammenarbeit anschließend ausgebaut hat. Das ist letztlich der beste Beweis dafür, dass unser Modell funktioniert. Wir wachsen nicht über große ­Versprechen, sondern über Qualität.

medianet: Woran machen Sie Ihre Qualität fest?
Szakusits: Unsere Kunden können den Erfolg sehr genau messen: Sie sehen nicht nur, wie viele Mitglieder gewonnen werden, sondern auch, wie lange diese tatsächlich Mitglied bleiben. Genau diese langfristige Bindung ist entscheidend. Qualität zeigt sich eben nicht nur in der Anzahl der Abschlüsse, sondern vor allem darin, dass Menschen Vertrauen entwickeln.

medianet: Und worauf achten Sie bei der Personalauswahl?
Szakusits: Kommunikationsfähigkeit ist natürlich wichtig. Noch wichtiger ist aber, dass sich jemand mit den Anliegen der Organisation identifizieren kann – wer dahintersteht, vermittelt das auch glaubwürdig. Außerdem sind Quereinsteiger bei uns ausdrücklich willkommen. Bei uns entscheidet nicht der Lebenslauf, sondern die Persönlichkeit.
Kalina: Genau, dafür braucht es kein abgeschlossenes Studium. Wir suchen Menschen, die offen auf andere zugehen und Freude am Gespräch haben. Die fachlichen Inhalte vermitteln wir in unserer Ausbildungsschiene.

medianet: Welche Eigenschaften braucht ein guter ‚Dialoger‘ darüber hinaus?
Kalina: Eine hohe Frustrationstoleranz. Wer 100 Gespräche am Tag führt, hört sehr oft ein ‚Nein‘. Bei der 101. Person trotzdem freundlich zu bleiben und dem nächsten Menschen mit derselben Offenheit zu begegnen, ist eine Fähigkeit, die man nicht unterschätzen darf.

medianet: Fähige Arbeitskräfte zu finden ist aktuell in vielen Branchen eine Herausforderung: Was tun Sie bei Dialog relations, um sich selbst als Arbeitgeber attraktiv zu positionieren?
Kalina: Wir wollen zeigen, dass faire Arbeitsbedingungen und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind, im Gegenteil: Bei uns bekommt jeder von Anfang an einen echten Dienstvertrag statt eines Werkvertrags. Das ist in der Branche der Dialogwerbung noch immer die Ausnahme.
Szakusits: Gute Arbeitsbedingungen sind die Grundlage unseres Erfolgs. Es spricht sich herum, dass die Arbeitsbedingungen bei uns besser sind als anderorts. Wir merken das daran, dass inzwischen auch Mitarbeiter von anderen Dialogagenturen zu uns wechseln. Dazu kommt unsere interne ­Ausbildung: Wer bei uns anfängt, kann sich bis zum Teamleiter oder Coach weiterentwickeln. Das und der Sinn hinter der Arbeit sind für uns die stärksten Argumente am Arbeitsmarkt.

medianet: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, an dem sich der Erfolg Ihres Modells zeigt?
Szakusits: Ein gutes Beispiel ist die Mietervereinigung Wien. Sie ist seit mehr als 100 Jahren bekannt, trotzdem beschäftigen sich viele Menschen erst dann konkret mit der Frage einer Mitgliedschaft, wenn sie auf einen unserer Informationsstände treffen. Oft kommen sie mit ganz konkreten Fragen, etwa zu Betriebskosten, Kaution oder befristeten Mietverträgen. Unsere Mitarbeiter erklären dann in wenigen Minuten, welche Unterstützung die Mietervereinigung bietet und welchen Nutzen eine Mitgliedschaft hat.
Kalina: Gerade beim komplexen Mietrecht sieht man, wie wichtig das persönliche Gespräch ist. Viele Menschen haben Fragen, wissen aber nicht, an wen sie sich wenden sollen. Unsere ‚Dialoger‘ können erste Informationen geben und direkt die Vorteile einer Mitgliedschaft vermitteln.

medianet: Sie wollen nun schrittweise skalieren. Heißt das mehr Kampagnen für bestehende Kunden oder auch Kampagnen für neue Organisationen?
Szakusits: Beides. Jede Organisation, mit der wir bislang einen Testlauf gemacht haben, hat ihre Kampagne anschließend ausgeweitet. Darauf sind wir besonders stolz, weil die Zahlen bei uns knallhart evaluierbar sind: Wie viele Mitglieder werden angeworben, wie lange bleiben sie dabei. Im Juni waren wir erstmals mit drei Mitgliederkampagnen gleichzeitig unterwegs, mit Teams quer durch Österreich. Da wir heuer im Vergleich zum Vorjahr stark gewachsen sind, können wir sowohl bestehende Kunden weiter ausbauen als auch schrittweise neue Partnerschaften eingehen. Bereits im August werden wir dazu erste konkrete Neuigkeiten bekannt geben. Unser Ziel für dieses Jahr ist es, unseren Output gegenüber 2025 zu verdreifachen.

medianet: Herr Kalina, Dialog relations ist organisatorisch eng mit Ihren anderen Unternehmen verbunden. Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?
Kalina: Die Verbindung ergibt sich ganz natürlich aus unserer gemeinsamen Geschichte. Ich bin Eigentümer von Unique Relations und Mitgesellschafter von Unique Research und Dialog relations. Stefan arbeitet seit vielen Jahren im PR-Bereich mit mir zusammen. Die Idee für Dialog relations ist aus zahlreichen persönlichen Gesprächen entstanden. Wir haben gesehen, dass strategische Kommunikation und persönliche Mitgliederwerbung einander hervorragend ergänzen.

medianet: Frage zum Schluss: Wo soll Dialog relations in ein bis zwei Jahren stehen?
Szakusits: Wir wollen weiterwachsen, aber unseren Qualitätsanspruch halten. Genau das ist unser USP: professionelle Mitgliederwerbung, faire Arbeitsbedingungen und Arbeit mit Sinn. Als Arbeitgeber wollen wir weiter mit guter Bezahlung deutlich über KV, sozialer Absicherung, moderner Ausrüstung und flexiblen Arbeitszeitmodellen punkten – von der 36-Stunden-Vollzeitstelle bis zur Teilzeit, etwa für Studierende. In ein bis zwei Jahren soll Dialog relations für eine neue Qualität in der Dialogwerbung stehen: langfristige Ergebnisse für unsere Kunden und ein Arbeitsplatz, an dem Menschen gerne bleiben und ihre kommunikativen Fähigkeiten weiterentwickeln.
Kalina: Wir sind bereits mit weiteren Organisationen im Gespräch. Dort, wo wir Potenzial sehen, bieten wir an, unser Modell durch Testkampagnen zu evaluieren. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen Dialogwerbung in Österreich für politische und gesellschaftliche Organisationen auf ein neues professionelles Niveau heben. Im deutschsprachigen Raum entwickelt sich die Branche stark weiter, im angloamerikanischen Raum ist direkter Dialog längst fester Bestandteil von Kampagnen – etwa in Wahlkämpfen. Fest steht: Engagement für gesellschaftliche Themen hat noch in keinem Lebenslauf geschadet. Wer Freude am Kommunizieren hat und sich für gesellschaftliche Themen einsetzen möchte, kann sich jedenfalls gerne bewerben.

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