Der Austriacus steht vor einer Neuausrichtung. Seit 2017 zeichnet der Bundeskommunikationspreis der Wirtschaftskammer Österreich alle zwei Jahre jene Kommunikationsleistungen aus, die bereits auf Landesebene von der Wirtschaftskammer prämiert wurden. Damit ist der Preis kein klassischer Wettbewerb mit direkter Einreichung, sondern ein bundesweiter Vergleich der Besten der Besten. Nun erlebt der Preis derzeit eine umfassende Weiterentwicklung mit neuen Bewertungskriterien, neuer Inszenierung und einem erweiterten Blick auf die Branche.
Volkmar Fussi, Obmann der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation der Wirtschaftskammer Kärnten sowie Mitglied des Fachverbandsausschusses Werbung und Marktkommunikation der WKO, hat den Prozess der Weiterentwicklung gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern im Fachverband Werbung und Marktkommunikation vorangetrieben. Für Fussi ist diese Veränderung eine notwendige Reaktion auf eine Branche im Wandel.
„Die Kommunikationslandschaft hat sich enorm weiterentwickelt und verändert. Und das muss sich auch in den Awards niederschlagen“, meint er. Die besondere Funktion des Austriacus liegt für ihn vor allem darin, die österreichische Kommunikationslandschaft in ihrer ganzen Breite sichtbar zu machen, wie er betont: „Indem der Preis all jene Leistungen abbildet, die aus den Landeskommunikationspreisen hervorgehen, zeigt der Austriacus die ganze Bandbreite der österreichischen Kommunikationslandschaft.“
Dazu zähle auch die Struktur der heimischen Branche, die bei den großen nationalen Preisen wenig widergespiegelt werde: „Zwei Drittel der Werbedienstleister in Österreich sind ja Ein-Personen-Unternehmen.“ Der Austriacus ermögliche damit auch kleineren und mittleren Agenturen, bundesweit sichtbar zu werden.
Seit der ersten Vergabe wurde der Austriacus fünf Mal verliehen, zuletzt im Jänner 2026. Ausgezeichnet wurden in zwölf Kategorien jeweils Gold-, Silber- und Bronze-Preisträger. Nun wurde der Preis Anfang 2026 im Sinne der Weiterentwicklung einer Evaluierung unterzogen. Rund 150 Preisträgerinnen und Preisträger wurden zu Wirkung und Bedeutung der Auszeichnung befragt. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Relevanz: 85% der Befragten gaben an, dass sich die Teilnahme oder der Gewinn rückblickend gelohnt hätte. Besonders häufig genannt wurden dabei eine höhere Bekanntheit der Agentur, mehr Sichtbarkeit und stärkeres Kundenvertrauen.
„Diese Ergebnisse bestätigen die Rolle des Austriacus“, so Fussi. „Denn letztendlich führen ja all diese lohnenswerten Argumente, wie die Steigerung der Bekanntheit und die Stärkung des Kundenvertrauens, natürlich auch zur Steigerung der Relevanz der Agenturen.“ Und auch auf Kundenseite zeigt die Evaluierung Wirkung. Drei Viertel der befragten Auftraggeberinnen und Auftraggeber sehen Kreativpreise als aussagekräftigen Hinweis auf die Qualität einer Agentur. Zwei Drittel gaben an, dass Auszeichnungen die Agenturauswahl und die Treue zu einer Agentur beeinflussen.
Für Jürgen Bauer, der als Fachverbandsobmann von Werbung und Marktkommunikation der WKO ebenfalls an der Weiterentwicklung beteiligt ist, liegt darin eine wichtige Funktion des Preises. „Kunden schauen durchaus auch auf die Preise einer Agentur, damit ist der Austriacus für die Kunden ein Qualitätsindikator“, so Bauer. Die Auszeichnung sei deshalb zudem mehr als eine reine Kreativbewertung. „Denn der Austriacus ist ja kein klassischer Kreativpreis, sondern er ist ein Kommunikationspreis, der die gesamte Branche abbilden soll.“ Die österreichische Kommunikationsbranche selbst sieht Bauer vor allem durch Kreativität und Flexibilität geprägt. Große internationale Budgets seien nicht die entscheidende Stärke. „Die österreichische Kommunikationsbranche ist und bleibt eine Branche, die durch ihre Kreativität und Einfallsreichtum auffällt.“ Die Stärke liege darin, Ideen zu entwickeln und mit unterschiedlichen Strukturen Lösungen zu schaffen.
Gesamte Qualität der Lösung
Der Anspruch, die Branche in ihrer Vielfalt abzubilden, führt nun auch zur inhaltlichen Neuausrichtung. „Dieser Prozess wurde breit getragen, zahlreiche Agenturleute aus allen Bundesländern haben sich hier eingebracht und daran mitgearbeitet“, so Fussi. Das Ergebnis: Die bisherigen Kategorien sollen abgeschafft werden, weil sie aus Sicht der Verantwortlichen ein zu enges Raster für die heutige Kommunikationslandschaft darstellen. Künftig soll nicht mehr die einzelne Disziplin im Vordergrund stehen, sondern die gesamte Qualität einer Lösung. Bewertet werden unter anderem strategische Schärfe, kreative Qualität, Problemlösungskompetenz, Umsetzung, Zielerreichung und Nachhaltigkeit, wie Fussi betont. „Kreativität darf ja per se kein Selbstzweck sein. Und wir wollen daher nicht nur Kreativität alleine auszeichnen, sondern auch das, was Kreativität bewirken kann“, erklärt er. Entscheidend sei daher künftig stärker die Wirkung: „Wir wollen den Fokus auf die Wirkung und auf die Problemlösung der Arbeiten legen.“ Damit wolle man die Kommunikationsleistungen auch unabhängig davon betrachten, ob sie aus klassischer Werbung, Design, digitalen Anwendungen oder anderen Bereichen kommen, so Fussi und Bauer: „Die Jury soll die Arbeiten ganzheitlich beurteilen. Damit soll der Preis mehr Tiefe und gleichzeitig mehr Breite bekommen.“
Neuer Award, neue Show
Parallel zur inhaltlichen Neuausrichtung wird auch die Veranstaltung selbst neu gedacht und der Austriacus daher als Event neu ausgeschrieben. Gesucht wird eine externe Agentur, die die Neukonzeption und Durchführung der nächsten Bundeskommunikationspreisverleihung übernehmen soll. Interessierte österreichische Agenturen können sich an diesem Prozess beteiligen. „Jeder, der sich befähigt fühlt und Lust darauf hat, kann sich bewerben“, sagt Fussi. Ziel sei eine Veranstaltung, die den neuen Anspruch auch sichtbar macht. „Das, was wir derzeit mit dem Austriacus machen, das ist wirklich außerordentlich und einzigartig und neu“, betont Jürgen Bauer. „Und das muss sich auch in der Veranstaltung selbst widerspiegeln.“
Die Neuausrichtung betrifft allerdings nicht nur die Bundesebene, wie Bauer und Fussi betonen. Auch die Landespreise gehen diesen Weg und dienen als praktische Erprobung des neuen Modells. Erste Erfahrungen werden unter anderem beim oberösterreichischen Caesar gesammelt. „Wir stehen im Austausch mit den Kollegen in den Bundesländern, so dass wir sofort auf Feedback reagieren können und schauen, wie weit ist etwas relevant und auch machbar für den Austriacus.“
Wo der Austriacus in zehn Jahren steht, lässt sich aus Sicht von Bauer in einem Satz zusammenfassen: „Ich hoffe, dass der Austriacus dann ein noch etablierterer, bekannterer und respektvollerer Preis ist. Einer, der in der Branche unverzichtbar geworden ist.“ Damit sei es aber auch notwendig, mit der schnelllebigen Branche mitzugehen, so Fussi: „So wie sich die Branche verändert, wird sich auch das Awardgeschehen verändern und damit auch der Austriacus.“ Aktuell sei der Blick allerdings in erster Linie auf den Austriacus im Jahr 2027 gerichtet. „Und der wird auf jeden Fall cool werden“, so Jürgen Bauer abschließend.
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