Das erste Halbjahr 2026 ist vorüber und ein medianet-Branchenrundruf zeigt: Die Spielregeln der Sichtbarkeit werden aktuell durch AI und Generative Engine Optimization (GEO) fundamental umgeschrieben. Während der Digitalbereich sich radikal transformiert, feiern reale Markenerlebnisse ein Comeback. Die Budgets der Kunden stehen unter anhaltendem Effizienzdruck, Rahmenverträge werden neu verhandelt und Pitch-Aktivitäten nehmen spürbar zu.
Heimo Hammer etwa, Chef der Agentur Kraftwerk, berichtet von einem soliden, aber umkämpften ersten Halbjahr, in dem Kunden vermehrt Stundensätze nachverhandeln. Neben namhaften Kampagnen-Launches und Neukundengewinnen sieht Hammer im Digitalbereich einen klaren Trend: „Man könnte sagen, dass in vielen Bereichen und da speziell im Bereich Social Media und Digitaladvertising ‚Trash to Cash‘ Einzug gehalten hat. Es wird derzeit viel mit AI rausgeballert, was das Zeug hergibt. Man könnte sagen, 50 Prozent sind AI-süchtig – ‚schnell, billig, viel‘ – und die anderen 50 Prozent sehen in AI nur einen Assistenten, der dem Kommunikationsprofi zur Seite steht.“
Auch bei dentsu Austria treiben Neukundengewinne das Wachstum voran und für das zweite Halbjahr kündigt Country Lead Christian Kluger den nächsten Schritt der Transformation an, bei dem autonome Systeme Routineaufgaben übernehmen sollen: „Im zweiten Halbjahr gehen wir mit der neuen Generation von dentsu.Connect den nächsten Schritt unserer AI-Transformation. Autonome KI-Agenten verknüpfen und orchestrieren Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wir setzen hierbei auf eine Kombination aus eigenen, spezialisierten Modellen und führenden LLMs, um die Stärken verschiedener Technologien zu nutzen, ohne uns von einzelnen Anbietern abhängig zu machen. Für unsere Teams bedeutet das mehr Zeit für Strategie, Kreativität und Beratung, denn trotz aller technologischen Innovation bleibt unser Anspruch derselbe: Der Mensch steht im Mittelpunkt. KI erweitert sein Potenzial – sie ersetzt es nicht.“
Verschiebung der Sichtbarkeit
Sabine Auer-Germann, Geschäftsführerin der Holding bei adverserve, betont gegenüber medianet, dass die klassische Websichtbarkeit erodiere, da immer mehr User Antworten direkt in geschlossenen KI-Umgebungen konsumieren. Die logische Konsequenz für die kommenden Jahre formuliert sie wie folgt: „Die größte Veränderung der kommenden Jahre wird sein, dass Marken nicht mehr nur um Sichtbarkeit bei Menschen konkurrieren, sondern auch um Sichtbarkeit bei KI-Systemen. Wer dort nicht vorkommt, findet künftig deutlich seltener statt und läuft Gefahr, an Relevanz zu verlieren.
Gleichzeitig wird die Messbarkeit digitaler Aktivitäten kontinuierlich schwieriger. Datenschutzvorgaben, Browserrestriktionen und der Wegfall von Third-Party-Cookies erfordern neue Ansätze, um Marketingwirkung valide bewerten zu können.“
Konstantin Kasapis, Geschäftsführer von Slopelift, bringt diese neue digitale Realität im Bereich der Generative Engine Optimization (GEO) noch deutlicher auf den Punkt und verweist zudem auf oft unterschätzte Kanäle: „Zwei Themen bestimmen bei uns gerade die Agenda. Das erste ist GEO, Generative Engine Optimization. Suche verlagert sich in KI-Systeme, und Sichtbarkeit entscheidet sich zunehmend in den Antworten von ChatGPT, Gemini und Co. Wer dort vorkommt, existiert. Wer fehlt, wird unsichtbar. Unsere eigenen Branchendaten zeigen, wie viele Marken diese Verschiebung noch unterschätzen. GEO wird im zweiten Halbjahr das Pflichtprogramm, das SEO vor fünfzehn Jahren war. Das zweite Thema sind die stillen Gewinner abseits der großen Plattformen. DOOH, Digital Out of Home, ist so ein Hidden Champion. Programmatisch buchbar, datengetrieben, messbar geworden, und trotzdem fliegt der Kanal in vielen Mediaplänen noch unter dem Radar.“
Er ergänzt: „Genau dort liegt für mutige Marken im Moment echter Hebel. Für das zweite Halbjahr 2026 bin ich vorsichtig optimistisch. Die Budgets bleiben unter Druck, die Erwartung an messbare Wirkung steigt. Das spielt jenen Häusern in die Hände, die KI-Kompetenz und handwerkliche Tiefe verbinden und die auch dort hinschauen, wo andere noch wegschauen. Für uns als Wiener Manufaktur ist das eher Rückenwind als Gegenwind.“
Vor einem Wendepunkt
Und Sabine Lacher, CEO der LDD Communication GmbH, sieht die Zeit isolierter Channel-Strategien zu Ende gehen. Sie sieht die Kommunikationsbranche an einem entscheidenden Wendepunkt hin zu integrierten Konzepten: „Die Kommunikationsbranche befindet sich aktuell an einem Wendepunkt. Unternehmen erwarten heute messbare Wirkung und einen klaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Gleichzeitig verändert die KI Search die Spielregeln digitaler Sichtbarkeit grundlegend: Marken müssen zukünftig nicht nur gefunden, sondern auch von KI-Systemen als relevante und vertrauenswürdige Quelle erkannt werden. Für Agenturen bedeutet das, Kommunikation ganzheitlich zu denken – von Digital über Print bis hin zu KI-gestützten Suchsystemen – und konsequent an den Zielen der Kunden auszurichten.“
Alte Modelle, neue Fragen
Mit der rasanten Automatisierung gerät auch das traditionelle, rein zeitorientierte Abrechnungsmodell der Agenturen ins Wanken. Julia Kent, Managing Partner bei komma4, fordert hier ein klares wirtschaftliches Umdenken und betont die Wichtigkeit von Authentizität: „Wir beobachten, dass mit der zunehmenden Verbreitung von KI-generierten Inhalten Persönlichkeit und Authentizität immer wichtiger werden. Austauschbare Texte gibt es heute mehr denn je, den Unterschied machen echte Geschichten, glaubwürdige Expertinnen und Experten und Inhalte, die auch wirklich zum Unternehmen passen.“
west4.media feiert 20-jähriges Jubiläum
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