Publizistische  Wetterlagen
MARKETING & MEDIA Redaktion 10.07.2026

Publizistische Wetterlagen

Das Sommerloch ist nicht mehr, was es einmal war. Eine Hommage an Nessie und Bruno.

Leitartikel  ••• Von Sabine Bretschneider

PAUSENTASTE. Das waren noch Zeiten. Früher war das Sommerloch nicht nur ein Mangel an Nachrichten, sondern auch eine Art gesellschaftliche Synchronisation, eine verlässliche publizistische Wetterlage. Wenn Parlamente, Vorstände und Pressestellen in den Ferienmodus gingen, entstand jene lichte Nachrichtenlage, in der entlaufene Krokodile, problematische Bären, skurrile Studien und halbgare Trends kurz (inter-)nationaler Bedeutung erlangten. Für Interessierte: Das Loch Ness Centre in den schottischen Highlands bietet im Sommer vergünstigte Tickets an. Anweisung für Besucher: „Wenn Sie das Glück haben, eine Sichtung zu machen, schauen Sie nicht weg – was Sie gesehen haben, könnte die aufregendste Entdeckung seit Jahrzehnten sein.“ Da haben die Organisatoren nicht unrecht. Allerdings sollten Sie nicht nur „nicht wegschauen“, sondern einmal ein ordentliches Video machen und nicht die gängige UFO-Dokumentationsmethode – diffus, verwackelt, pixelig und möglichst unscharf – anwenden.

Gut, Sommerloch also: Es war inhaltlich nicht immer anspruchsvoll, aber immerhin ehrlich: Es war einfach wenig los. Heute ist „wenig los“ auch keine Option mehr. Plattformen kennen keine Saure-Gurken-Zeit, nur Engagement-Raten. Der Algorithmus fährt nicht an die Adria und KI-Content lässt sich auch bei 40 Grad in beliebiger Menge erzeugen. Wenn die Realität nicht ohnehin gerade ein Drama liefert. Das Sommerloch ist nicht verschwunden, weil die Welt ereignisreicher wurde. Es ist verschwunden, weil Aufmerksamkeit bewirtschaftet wird. Der Leerlauf, den klassische Medien früher kreativ überbrückten, ist nicht mehr „Märchenstunde“, sondern „Storytelling“.

Fazit: Wir machen jetzt Print-Pause. Eine kleine Pause für medianet, aber ein großes Wiedersehen für uns alle im August.

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