Der Unerbittliche: ORF-Journalist Armin Wolf wird 60
© ORF/Thomas Ramstorfer
Armin Wolf
MARKETING & MEDIA Redaktion 14.08.2026

Der Unerbittliche: ORF-Journalist Armin Wolf wird 60

Langjähriger "ZiB2"-Anchorman unterbricht eigentlich "sehr ungern" und "operiert, was kommt" - Geburtstag am 19. August.

WIEN. Zu ihm hat jeder Nachrichtenenthusiast im Land eine Meinung: Manche feiern ihn für seine Hartnäckigkeit, andere rollen angesichts der x-ten Nachfrage an wenig auskunftsfreudige Politikerinnen und Politiker die Augen. Unbestritten ist, dass Armin Wolf einer der bekanntesten und besten Journalisten des Landes ist, der seinen Interviewpartnern unermüdlich auf den Zahn fühlt und sie mitunter gehörig ins Schwitzen bringt. Am Mittwoch, 19. August, wird er 60 Jahre alt.

Eine schnelle Suche im Internet führt sofort zu so manch denkwürdigem Interview, das Wolf in rund einem Vierteljahrhundert als Moderator der "ZiB2" geführt hat. Da wäre das "Gespräch" mit Frank Stronach aus 2012. Stronach bestand darauf, längere Zeit von einem Zettel abzulesen, anstatt auf Wolfs Frage zu antworten. Der Journalist duldete das nicht, was den Eingeladenen so sehr in Rage versetzte, dass er Wolf anbrüllte. Der Info-Erkenntnisgewinn war gering, dafür leistete das Interview einen erhellenden Beitrag zur Ausleuchtung von Stronachs Persönlichkeit. Wenig glücklich war auch Erwin Pröll 2017, als Wolf Auskunft zur Privatstiftung des Politikers begehrte. Pröll warf mit Wörtern wie "Stumpfsinn" um sich und gab Wolf zu verstehen, dass er die Sache noch zu dessen Chef tragen wolle.

Unterbricht "sehr ungern"
Teile des Publikums stören die vielen Unterbrechungen durch Wolf, manch Interviewte sprechen von Verhörraum oder Anklagebank, auf der man sich wähnt, wenn man neben dem Journalisten Platz nimmt. Wolf selbst betonte im Vorjahr in einem "ZiB"-Video, dass er "oft und sehr ungern" unterbreche. Aber in Wahrheit sei es vielmehr unhöflich, wenn nicht auf Fragen geantwortet werde oder die Antworten weit länger ausfielen, als es in einem TV-Interview üblich. Seine Studiogäste seien Profis und machten dies bewusst. Es sei aber nun mal Aufgabe eines Politinterviews, die Argumentation des Gastes zu hinterfragen und ihn mit Einwänden zu konfrontieren.

Die Parteizugehörigkeit spiele dabei keine Rolle, beteuerte Wolf. Er gehe wie ein Arzt vor, der jeden Patienten gleichbehandeln müsse. "Ich operiere, was kommt", sagte er. Restlos zufrieden sei er nur mit den wenigsten seiner über 3.000 Interviews - darunter eines mit Wladimir Putin aus 2018, für das er viel internationales Lob erhielt.

Mut zur Auflockerung
Interviews mit Wissenschafterinnen oder Experten gestalten sich weit entspannter. Überhaupt beweist der gebürtige Tiroler auch Mut zur Auflockerung. So veranschaulichte er den "Planking"-Trend auf dem Moderationstisch, nahm im ORF-Zentrum-Teich Platz oder goss sich Wasser über den Kopf.

Wolf, geboren 1966 in Innsbruck, unternahm bereits bei einer Schülerzeitung erste journalistische Gehversuche. Nach der Matura an einer Handelsakademie dockte er im ORF-Landesstudio Tirol an und blieb dem Medienhaus seither treu. Bald wechselte er nach Wien, wo er bei Ö1 als Außenpolitikjournalist und zwischenzeitlich USA-Korrespondent agierte. Mitte der 90er erfolgte der Wechsel zum Fernsehen. In seine heutige Rolle als "ZiB2"-Moderator schlüpfte er 2002. 2007 stieg er zum Hauptmoderator der viel beachteten Nachrichtensendung auf. Parallel studierte Wolf Politikwissenschaft, Soziologie, Zeitgeschichte sowie Betriebswirtschaft und baute als stv. Chefredakteur die Social-Media-Kanäle der "ZiB" mit auf.

Kämpfer im Onlineraum
Überhaupt treibt auch er sich viel in sozialen Netzwerken herum und kann dort auf eine beachtliche Followerschaft verweisen. Dabei lotet Wolf mit so manchen Postings die Grenzen des ORF-Ethikkodex aus, führt aber auch den Kampf gegen Internettrolle, indem er etwa 2025 X anzeigte. Der Verdacht: Die Plattform entziehe einen anonymen Poster aus Österreich der Strafverfolgung. Zuletzt ordnete das Justizministerium per Weisung an, dass Ermittlungen gegen unbekannte Täter aufzunehmen sind.

Wolf hielt im Laufe seiner Karriere viele Vorträge und tritt nach wie vor als unermüdlicher Kämpfer für die Unabhängigkeit des ORF in Erscheinung. Erst Mai überlegte er, wie man den ORF-Stiftungsrat neu organisieren könne. "Normalerweise vertritt ein Aufsichtsrat die Eigentümer. Das wären beim ORF alle Österreicher:innen. Aber der Stiftungsrat vertritt nicht sie, sondern die politischen Parteien", stellte er fest.

Vielfach ausgezeichnet
Abseits des Blogs und Social Media gießt Wolf seine Gedanken zudem in Bücher. Seine drei Theodor-Herzl-Vorlesungen an der Uni Wien sind in "Wozu brauchen wir noch Journalisten?" (2012) nachzulesen. Gemeinsam mit Politikwissenschafter Peter Filzmaier veröffentlichte er "Der Professor und der Wolf: Das 1 x 1 der österreichischen Politik", das sich mittlerweile über 25.000 Mal verkaufte.

Anlass zu Freude gab es in Wolfs Karriere aber auch über etliche Auszeichnungen - darunter den Robert-Hochner-Preis, den Claus-Gatterer-Preis und den Axel-Corti-Preis. Zudem wurde er 2019 zum "Europäischen Journalist des Jahres" gekürt. In Österreich war er dreimal "Journalist des Jahres". Auch mehrere Romys als "Beliebtester Moderator" nennt er sein Eigen. (APA)

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