WIEN. Das Bundesgremium Lebensmittelhandel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sieht die geplante Lkw-Maut auf Landesstraßen im Burgenland kritisch. Für die Lebensmittelversorgung sind Transporte auf allen Stufen der Wertschöpfungskette notwendig: Landwirtschaftliche Erzeugnisse gelangen zu Verarbeitungsbetrieben, Rohstoffe und Zutaten zu Produzenten, fertige Lebensmittel zu Großhandelslagern und Verteilzentren und von dort weiter in Geschäfte, Kantinen und Gastronomiebetriebe. Zusätzliche Mautkosten können damit bei einem Produkt auf mehreren Transportabschnitten anfallen.
„Diese Mehrkosten summieren sich über die unterschiedlichen Stufen der Lebensmittelkette und erhöhen letztlich die Verbraucherpreise. Wer die Inflation niedrig halten will, sollte keine zusätzlichen Kostentreiber schaffen“, sagt Christian Prauchner, Obmann des Lebensmittelhandels in der WKÖ.
Nahversorgung auf Landesstraßen angewiesen
Besonders relevant ist die geplante Maut für die Nahversorgung. Lebensmittelgeschäfte müssen regelmäßig beliefert werden, bei frischen und gekühlten Produkten gelten kurze Lieferintervalle und strenge Anforderungen an die Kühlkette. Gerade im ländlichen Raum ist es vielfach nicht möglich, auf Autobahnen oder Schnellstraßen auszuweichen. Landesstraßen sind notwendig, um Geschäfte, Gastronomiebetriebe und andere Abnehmer überhaupt zu erreichen.
Eine zusätzliche Maut könnte laut Lebensmittelhandel damit unmittelbar zu einem weiteren Kostenfaktor für die tägliche Versorgung werden. Der Lebensmittelhandel warnt zudem vor einer Vorbildwirkung auf andere Bundesländer. Unterschiedliche Mautmodelle, Tarife und Regelungen würden zusätzliche Kosten und administrativen Aufwand verursachen, während die Lieferketten der Lebensmittelwirtschaft bundesländerübergreifend organisiert sind.
Aus Sicht des Bundesgremiums wäre im Interesse niedriger Lebensmittelpreise vielmehr eine Entlastung notwendig. Eine Mautbefreiung für Lebensmitteltransporte würde die Logistikkosten unmittelbar senken und damit entlang der gesamten Wertschöpfungskette preisdämpfend wirken. Entlastungspotenzial sieht der Lebensmittelhandel auch beim Lkw-Fahrverbot. Eine Ausweitung der bestehenden Ausnahmen auf weitere Lebensmitteltransporte könnte eine effizientere Lieferplanung ermöglichen und zusätzliche Kosten vermeiden.
„Wenn wir Lebensmittelpreise niedrig halten wollen, müssen wir bei den Kosten entlang der gesamten Kette ansetzen. Statt neue Belastungen für notwendige Transporte zu schaffen, sollten wir darüber sprechen, wie wir diese gezielt entlasten und effizienter machen können“, so Prauchner.
Prauchner appelliert daher an die Politik, die Auswirkungen der geplanten Lkw-Maut auf die gesamte Lebensmittelkette, die Nahversorgung und die Verbraucherpreise zu berücksichtigen. Gleichzeitig gelte es, unterschiedliche Mautsysteme in den Bundesländern zu verhindern und stattdessen Maßnahmen zu setzen, die die Kosten der Lebensmittelversorgung nachhaltig senken. (red)