••• Von Martin Rümmele
WIEN. Der Rehabilitationsbereich der ehemaligen Vamed etabliert sich als Vitrea mit neuer Eigentümerstruktur. Seit der Abspaltung vom Gesundheitskonzern Fresenius im Oktober 2024 expandiert das Unternehmen im Rehabilitationsmarkt. Mit rund 14.000 Beschäftigten, 80 Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie einem Umsatz von mehr als einer Mrd. € zählt Vitrea zu den größten Anbietern der Branche.
Wenig Platz in Reformdebatte
CEO Klaus Schuster sieht gute Perspektiven im Markt. Der demografische Wandel und die steigende Zahl chronischer Erkrankungen dürften den Bedarf an Rehabilitationsleistungen weiter erhöhen. Gleichzeitig werde die Bedeutung der Rehabilitation in der gesundheitspolitischen Debatte unterschätzt. „Nach dem Akutkrankenhaus muss ich auch was mit dem Patienten machen. Das Thema Rehabilitation vermisse ich etwas in der Diskussion“, sagt Schuster.
Vitrea will die Position sowohl organisch als auch durch Übernahmen ausbauen. Die Übernahme der Paracelsus Kliniken in Deutschland im Jahr 2025 war ein wichtiger Schritt. Weitere Akquisitionen schließt Schuster nicht aus. „Wir prüfen alle Möglichkeiten am Markt“, sagt er. Konkrete Gespräche mit Wettbewerbern gebe es derzeit allerdings nicht. Auch Österreich bleibt im Fokus. Sollte die Pensionsversicherungsanstalt zusätzliche ambulante oder stationäre Reha-Kapazitäten ausschreiben, werde Vitrea diese Möglichkeiten „sehr genau prüfen“, sagt Schuster.
Private-Equity-Investor
Finanziellen Spielraum für Investitionen bietet die Eigentümerstruktur. Die Mehrheit hält der Private-Equity-Investor PAI Partners, Fresenius ist weiterhin mit rund 25% beteiligt. Gewinne sollen unter anderem in Infrastruktur, Digitalisierung und den Ausbau des Angebots fließen.
Besonders dynamisch entwickelt sich die ambulante Rehabilitation. Sie steht derzeit für weniger als 10% des Umsatzes, wächst jedoch deutlich schneller als das stationäre Geschäft. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Bereich in den nächsten Jahren deutlich stärker entwickelt als der stationäre Bereich“, sagt Schuster. Vitrea investiert deshalb in wohnortnahe Angebote. In Deutschland werden bestehende Gebäude in zentralen Lagen zu ambulanten Rehazentren umgebaut. In Österreich betreibt das Unternehmen unter anderem Einrichtungen in Wien und Eisenstadt.
Messbarkeit wird wichtig
Parallel rückt die Messbarkeit der Behandlungsergebnisse stärker in den Mittelpunkt. Neben der Patientenzufriedenheit, die Vitrea im Schulnotensystem mit 1,5 bewertet, erfasst das Unternehmen unter anderem Verbesserungen der Gehstrecke und der Lebensqualität. Für Schuster ist das auch eine wirtschaftliche Frage: Als Anbieter im Auftrag der öffentlichen Hand müsse Vitrea den wirksamen Einsatz der Mittel nachvollziehbar machen.