„Große Ehrfurcht vor Handwerk und Produkt“
© Staud’s
RETAIL Redaktion 26.06.2026

„Große Ehrfurcht vor Handwerk und Produkt“

Für Stefan Schauer, Geschäftsführender Gesellschafter von Staud’s Wien, haben Qualität und Arbeit ihren Preis. Die Kunden erkennen das an.

•• Von Oliver Jonke  und Paul Hafner

Am Ende eines weiteren anspruchsvollen Geschäftsjahres stand für Staud’s 2025 ein „leichtes, schönes Wachstum und zufriedenstellendes Ergebnis“, wie Stefan Schauer im Interview mit medianet zu berichten weiß. Seit nunmehr 35 Jahren ist er Teil des Wiener Traditionsbetriebs – zunächst als Angestellter, später als Produktionsleiter, ab 2015 als Geschäftsführer und seit 2021 als Geschäftsführender Gesellschafter.
„Das letzte Jahr war, so wie die Jahre davor, erneut sehr herausfordernd – nicht zuletzt aufgrund der Verfügbarkeiten von Obst und enormen Preissteigerungen von bis zu 150 Prozent.“ Geschuldet waren diese massiven Frostschäden in ganz Europa. Für Staud’s besonders kritisch: Die Marille ist die mit Abstand beliebteste Sorte im Marmeladesegment – gilt gleichzeitig aber als besonders frostempfindlich und musste bereits in den vergangenen Jahren Preissteigerungen verzeichnen. Zu wiederholten Spätfrosten kommen deutlich gestiegene Kosten entlang der Wertschöpfungskette.

„Natürlich mussten wir die gestiegenen Preise weitergeben, und das wurde von den Konsumenten auch glücklicherweise akzeptiert“, erklärt Schauer – denn: sowohl bei der Qualität als auch bei der Entlohnung dürfe man nie sparen. Einen gerechten Preis zu erzielen, ohne eine Preisschwelle zu überschreiten, sei eine „echte Gratwanderung“.

„Verführerisch“ gesüßt
Ein weit erquicklicheres Thema war für Staud’s 2025 der Launch der Konfitürenlinie „Apfelsüße“, für Schauer „eine unserer emotionalsten Produktlinien“. Schauer erinnert sich an eine „wunderschöne Präsentation am Frühlingsbeginn“ in der Glaswerkstatt des Künstlers Robert Comploj in Wien-Währing, in deren Rahmen der inzwischen verstorbene Burgschauspieler Robert Reinagl eine „Etikettenlesung samt Apfelbissperformance“ abhielt – ein durch und durch kunstträchtiger Event, bei dem „die große Ehrfurcht vor dem Handwerk, die Wertschätzung für das Produkt und die Kunst des Genießens“ zusammengeführt wurden, wie Schauer unterstreicht.

Die gänzlich ohne herkömmlichen Zucker auskommende „Apfelsüße“-Range wird gemäß ihres Namens mit Apfelfruchtsüße und Apfelsaftkonzentrat verfeinert und umfasst acht Sorten – Marille, Hagebutte, Weichsel, Orange, Heidelbeere, Himbeere, Brombeere und Erdbeere.
Ein weiteres Highlight des Vorjahres war der im Herbst lancierte, traditionell von Dompfarrer Toni Faber gesegnete „Staud’s Adventkalender“ sowie die Staud’s Adventbox mit festiven Spezialitäten wie Blutorangen- und Burgunderpunschmarmelade sowie Silvester-„Glückspilzen“ (würzige Champignons im Glas).

Von Wien bis nach Tokio
Das Gesamtsortiment von Staud’s umfasst gegenwärtig über 240 Produkte – „70 Prozent davon süß, 30 Prozent sauer, eine gute Mischkulanz“, befindet Schauer. Rund ein Viertel der Produkte geht in den Export: „Deutschland, Schweiz, Italien und sogar an die Ostküste nach New York“. Das Hotel The Peninsula in Hongkong, der Feinkostspezialist Meidi-Ya in Japan sowie neuerdings auch die Handelskette Central Group in Thailand zählen ebenfalls zu den Abnehmern.

Essenziell für Schauer ist es, „die Wertschätzung eines Lebensmittels“ nicht aus den Augen zu verlieren – über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. „Ich entnehme den Medien und dem politischen Diskurs immer nur, dass die Lebensmittel in Österreich viel zu teuer sind – das kann ich nicht ganz nachvollziehen. Wir produzieren bewusst in Österreich und beziehen rund 50 Prozent der Rohware aus dem eigenen Land. Nehmen wir das Verpackungsmaterial mit dazu, sind es sogar zwei Drittel. Das bringt andere Kostenstrukturen mit sich und kann nicht mit Produkten aus Billiglohnländern verglichen werden.“
Günstigere Lebensmittel seien an niedrigere Arbeitnehmer-, Umwelt- und soziale Standards gebunden: „Wenn wir das wollen, dann müssen wir Abstand nehmen von österreichischen Erzeugnissen. Wollen wir aber die Wertschöpfung im eigenen Land behalten, müssen wir die höhere Lebensqualität, die wir hier in Mitteleuropa genießen dürfen, auch dementsprechend schätzen“.

Weit mehr hält Schauer von der Idee, bei der Lebensmittelverschwendung anzusetzen, die es bei allen Preisdebatten nicht zu ignorieren gelte: „Lebensmittel sind, wie es so schön heißt, für das Leben notwendig – und das setzt einen bewussten Umgang mit ihnen voraus.“

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