WIEN. Eine aktuelle Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY unter 173 österreichischen Organisationen des öffentlichen Sektors zeigt deutliche Defizite im Management von Liegenschaften, Infrastruktur sowie bei Smart-City-Konzepten auf.
Demnach verfügen nur 25 Prozent der befragten Organisationen über ein zentrales Gebäude- oder Infrastrukturmanagement, während 56 Prozent ihre Strukturen als wenig bis gar nicht integriert einstufen. Zudem verzeichnen 72 Prozent der Organisationen Investitions- und Sanierungsbedarf im Bereich Immobilien und Infrastruktur. Zwei Drittel der Befragten besitzen derzeit keinen Dekarbonisierungsfahrplan für ihren Immobilienbestand.
„Die Ergebnisse zeigen: Ohne Strategie und zentralen Überblick über Flächen, Zustand und Maßnahmenportfolio bleibt Steuerung ineffizient und reaktiv. Der öffentliche Sektor sollte Liegenschaften und Infrastruktur als Portfolio über den Lebenszyklus führen – so lassen sich Flächen effizienter nutzen, Sanierungen priorisieren und Budgets zielgerichtet einsetzen“, analysiert Elisabeth Sardy-Rauter, Director EY-Parthenon und Bau- und Immobilienexpertin bei EY.
Ralf Seidenspinner, Senior Manager EY-Parthenon und Infrastrukturexperte bei EY, ergänzt: „Die Problemfelder und Herausforderungen, die den Bereich Infrastruktur und Immobilien dominieren, sind vielfältig – von regulatorischen und externen Rahmenbedingungen bis hin zur Umstellung auf alternative Energiequellen. Doch am stärksten sieht sich die öffentliche Verwaltung Österreichs mit finanziellen Hürden sowie knapper Budgetierung konfrontiert. Und dies bei gleichzeitig hohem Investitions- und Sanierungsstau in nahezu allen Bereichen der kommunalen Infrastruktur.“
Auch beim Thema Stadtentwicklung besteht Entwicklungsbedarf: Lediglich 30 Prozent der Städte und Gemeinden haben eine Smart-City- oder Stadtentwicklungsstrategie verankert. Der Reifegrad digitaler Services wird nur von 28 Prozent als hoch eingestuft.
„In Hinblick auf die besorgniserregenden Entwicklungen in den Bereichen urbane Hitze, Extremwetterereignisse und begrenzte Ressourcen gilt es hier dringend, die Hausaufgaben zu machen. Dass acht von zehn Städten/Gemeinden Klimathemen noch nicht im strategischen Fokus haben, zeigt den starken Aufholbedarf“, betont Andreas Lindinger, Senior Manager bei EY denkstatt und Smart-City- und Mobilitäts-Experte bei EY. Lindinger führt weiter aus: „Die Zukunft unserer Städte entscheidet sich nicht allein an der Umsetzung von Smart-City-Strategien, sondern daran, wie konsequent es gelingt, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Lebensqualität miteinander zu verbinden – und dabei alle relevanten Akteur:innen aktiv einzubinden. Erst wenn Technologie, Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Teilhabe zusammenspielen, wird urbane Transformation wirklich wirksam.“