„Potenzial von KI wird unterschätzt“
© audienzz
André Eckert
MARKETING & MEDIA Redaktion 18.09.2026

„Potenzial von KI wird unterschätzt“

André Eckert über zehn Jahre audienzz, die Entwicklung in Österreich sowie den Einfluss von KI und Ad-Tech.

•• Von Elisabeth Schmoller-Schmidbauer

Seit 2024 ­verantwortet André Eckert den Auf- und Ausbau des Österreich-Geschäfts des Digital-Advertising- und Ad-Tech-Spezialisten audienzz. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens spricht er im medianet-Interview über die Entwicklung vom Online-Vermarkter zum Ad-Tech-Anbieter, Wachstumspotenziale in Österreich sowie die zunehmende Bedeutung von Programmatic Advertising und KI.

medianet: audienzz feiert heuer sein zehnjähriges Bestehen. Das Unternehmen hat sich in dieser Zeit vom klassischen Online-Vermarkter zu einem technologiegetriebenen Ad-Tech-Anbieter entwickelt. Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Schritte dieser Entwicklung?
André Eckert: Die rasante Transformation des digitalen Werbemarkts erforderte, dass audienzz von einem klassischen Online-Vermarkter zu einem Ad-Tech-Anbieter wurde, der technologische Innovationen nutzt und kontrolliert einsetzt. Unsere Anpassungsfähigkeit und die Investition in datenbasierte Technologien waren entscheidend für diesen Wandel.

medianet: Sie verantworten seit 2024 den Auf- und Ausbau des Österreich-Geschäfts. Wie hat sich audienzz seither hierzulande entwickelt und wo sehen Sie aktuell noch das größte Wachstumspotenzial?
Eckert: Das österreichische Geschäft ist seit 2024 rasant gewachsen. Das Wachstumspotenzial liegt vor allem in KI-gestützten Lösungen, Programmatic Advertising und datenbasierter Werbung. Unsere adconsole löst außerdem erhebliche Softwareherausforderungen und ermöglicht effizientere Arbeit über verschiedene Mediengattungen hinweg.

medianet: Mit der Expansion nach Deutschland und Österreich ist audienzz heute im gesamten D-A-CH-Raum präsent. Welche Vorteile bringt diese länderübergreifende Aufstellung und wo unterscheiden sich die drei Märkte noch deutlich?
Eckert: audienzz’ Präsenz im gesamten D-A-CH-Raum eröffnet eine erweiterte Reichweite und gewährleistet optimiertes Targeting und gesteigerte Effizienz. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sich die Märkte in Bezug auf digitale Marktreife und Buchungsstrategien für Kampagnen unterscheiden.

medianet: Mit der adconsole setzt audienzz stark auf die technologische Steuerung crossmedialer Werbung und will die Plattform künftig auch im Retail-Media- und Agenturgeschäft ausbauen. Wie stark verändert Technologie das klassische Vermarktungsgeschäft?
Eckert: Technologie verändert derzeit das traditionelle Mediengeschäft tiefgreifend, und das auf mehreren Ebenen. So bündelt die adconsole ein leistungsstarkes Order Management System (OMS), eine nahtlose Verwaltung von Kundenbeziehungen durch ein integriertes CRM (Customer Relationship Management), die Erstellung von Angeboten, die automatische Auftragsabwicklung, die Kontrolle von Werbekampagnen über verschiedene Mediengattungen hinweg und das Abwickeln von Rechnungsstellungen. All diese Funktionen sind gebündelt in einem einzigen System, das für eine Vielzahl von Nutzern geeignet ist – von Verlagen und Agenturen über Marketingexperten bis hin zu Werbetreibenden.

medianet: KI spielt bei audienzz eine konkrete Rolle, etwa bei kontextuellem Targeting oder bei Erstellung von Native Ads mit der Yaleo Console. Wo sehen Sie den größten Mehrwert von KI und wo stößt sie an Grenzen?
Eckert: Der größte Mehrwert von Künstlicher Intelligenz im Digital Advertising liegt aktuell in der Echtzeit-Datenanalyse und Planung, die eine effiziente und genaue Zielgruppenansprache ermöglicht. Die KI stößt jedoch noch an Grenzen in Bezug auf die kreative Gestaltung von Werbeanzeigen und den Datenschutz, Elemente, die menschliche Intervention und Überwachung erfordern.

medianet: audienzz setzt stark auf Premium-Publisher und Qualitätsumfelder. Welche Bedeutung haben solche Umfelder angesichts von Social Media, internationalen Plattformen und automatisiertem Mediaeinkauf?
Eckert: Trotz der Dominanz von Social Media und internationalen Plattformen sind Qualitätsinhalte für Werbetreibende wichtig. Sie können dazu beitragen, die Markenpositionierung zu stärken, Vertrauen aufzubauen (Brand Safety) und hochwertige Zielgruppen anzusprechen.

medianet: Sie sind selbst seit vielen Jahren in der Digital- und Medienbranche tätig. Welche Veränderungen im digitalen Werbemarkt haben Sie in dieser Zeit am stärksten überrascht und welche Entwicklungen werden aus Ihrer Sicht derzeit noch unterschätzt?
Eckert: Der rasante Aufstieg von Amazon (Streamingdienst, CTV, Werbenetzwerk etc.) und der Seherexodus vom TV zu Streaming-Diensten waren starke Veränderungen, die mich im digitalen Werbemarkt überraschten. In meinen Augen wird das Potenzial von KI und maschinellem Lernen, insbesondere für personalisierte Werbung, derzeit noch unterschätzt.

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