Im Zweifelsfall gilt: „Lieber ein Anruf mehr“
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MARKETING & MEDIA Redaktion 18.09.2026

Im Zweifelsfall gilt: „Lieber ein Anruf mehr“

Gewista und der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser machen auf die Frauenhelpline gegen Gewalt aufmerksam.

••• Von Nadja Riahi

Ich weiß nicht, ob ich hier richtig bin.“ Mit diesem Satz beginnen häufig die Anrufe bei der Frauenhelpline gegen Gewalt des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Die Unsicherheit ist oft groß: Ist das, was passiert ist, tatsächlich Gewalt? Ist die Situation schon ernst genug? Kann man anrufen, wenn nicht man selbst, sondern eine Freundin, eine Angehörige oder eine andere nahestehende Person betroffen ist? Für die Beraterinnen sei die Antwort klar, sagt Iga Zakrzewska, Vorständin des Vereins: „Sie sind hier richtig.“

Genau diese Unsicherheit greift die österreichweite Kampagne „Lieber ein Anruf mehr!“ auf. Seit Juli 2026 ist die Nummer der Frauenhelpline gegen Gewalt – 0800 222 555 – auf digitalen Werbeflächen der Gewista im öffentlichen Raum sichtbar. Frauen und Mädchen sollen die Information dort erreichen, wo sie sich täglich bewegen – präventiv und bevor Unterstützung dringend gebraucht wird.

Zahlen belegen Relevanz
„Die Frauenhelpline muss sichtbar sein, bevor Gewalt eskaliert oder Unterstützung dringend gebraucht wird“, sagt Beate Malekzadeh-Forstner, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser. Die Frauenhelpline ist österreichweit rund um die Uhr kostenlos, anonym und vertraulich erreichbar. Sie bietet betroffenen Frauen und Mädchen Erst- und Krisenberatung, Orientierung sowie Zugang zu weiteren Hilfsangeboten. Auch Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie andere Bezugspersonen können sich an die Beratungsstelle wenden.

Die Zahlen zeigen, dass es die Helpline braucht: In Österreich haben laut den bei der Pressekonferenz präsentierten Zahlen 34,5% der Frauen seit ihrem  15. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. Nicht jede Betroffene ordnet das Erlebte sofort als Gewalt ein, kennt Unterstützungsangebote oder weiß, an wen sie sich wenden kann.

Botschaft im Mittelpunkt
Für die Gewista, Österreichs Marktführer im Out-of-Home-Segment, zeigt die Kampagne, wie große Reichweite für ein gesellschaftlich relevantes Thema eingesetzt werden kann. Das Unternehmen stellt dafür seine digitalen Werbeflächen österreichweit unentgeltlich zur Verfügung. Die Kreativagentur Unique entwickelte die Sujets pro bono. Gewista, der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser und die Agentur arbeiteten dabei eng zusammen.

Bewusst verzichten die Sujets darauf, Gewalt bildlich darzustellen. Im Mittelpunkt stehen die Botschaften der Kampagne und die Telefonnummer. Die Gestaltung soll Aufmerksamkeit schaffen, ohne Gewalt zu reproduzieren oder Betroffene mit belastenden Bildern zu konfrontieren. Die Nummer soll im Vorübergehen sichtbar und erinnerbar werden.

Gewista nutzt Reichweite
„Wir haben uns als Gewista dazu entschieden, dass wir unsere Reichweite sinnvoll nutzen möchten. Gemeinsam mit unserer Agentur Unique haben wir überlegt, welchen brennenden Themen wir uns annehmen können, um in der Gesellschaft wirklich etwas zu bewegen“, sagt Gewista-CEO Franz Solta. Man sei rasch zu dem Schluss gekommen, dass Gewalt gegen Frauen ein Thema sei, das mehr Sichtbarkeit brauche. „Gewalt gegen Frauen ist in Österreich leider immer noch ein schwerwiegendes Problem“, so Solta.
Auf der Suche nach fachlicher Expertise sei man an die Frauenhäuser herangetreten. Nach den ersten Gesprächen sei klar gewesen, dass man den richtigen Kooperationspartner gefunden habe.

Eine Botschaft für alle
„Wir wollen dazu beitragen, dass die Nummer der Frauenhelpline bekannter wird. Es war uns wichtig, eine Kampagne zu gestalten, die Betroffene anspricht und dazu ermutigt, zu handeln“, sagt Solta.
Die Botschaft richtet sich zugleich an Angehörige, Freundinnen und Freunde sowie andere Personen, die von Übergriffen wissen, sich Sorgen machen oder Unterstützung suchen, um angemessen reagieren zu können.
Für Solta ist die Initiative auch Ausdruck einer gesellschaftlichen Verantwortung. „Uns ist das ein wirkliches Anliegen. Wir wollen Veränderungen herbeiführen und Awareness schaffen für ein Thema, das Entsetzen auslöst. Und diesem Entsetzen wollen wir etwas entgegensetzen“, sagt der Gewista-CEO. Die Rückmeldungen aus der Branche seien bislang positiv. Die Initiative soll kein Einzelfall bleiben: „Wir wollen uns in Zukunft auch andere Themen vornehmen, die wir als einen Auftrag für ein Unternehmen mit gesellschaftlicher Verantwortung sehen. Wir haben die Kraft und die Mittel, breitenwirksam zu kommunizieren.“

Präsenz über OOH
Für Gewista ist die Kooperation ein Beispiel dafür, wie Außenwerbung gesellschaftlich relevante Informationen sichtbar machen kann. Die digitalen Flächen des Unternehmens werden täglich von vielen Menschen wahrgenommen und erreichen ihr Publikum auch dann, wenn dieses nicht aktiv nach einer entsprechenden Information sucht.  Gerade bei einem Thema wie Gewalt gegen Frauen kann die se Präsenz entscheidend sein: Die Telefonnummer der Frauenhelpline begegnet Frauen während ihrer täglichen Wege und kann in einer Situation wieder in Erinnerung kommen, in der Unterstützung gebraucht wird. Damit wird die Frauenhelpline nicht nur als Angebot für akute Krisen sichtbar, sondern als Anlaufstelle für Fragen, Unsicherheiten und erste Orientierung.

Anrufe nehmen zu
Wie stark eine Sensibilisierungskampagne wirkt, lässt sich nicht allein anhand von Reichweite oder Sichtkontakten messen. Ein wichtiger Hinweis ist die Entwicklung bei den Anrufen. Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Zahl der Anruferinnen in den Monaten Juli und August um rund 20 bis 30% gestiegen, berichtet Iga Zakrzewska, Vorständin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser.
„Das ist ein sehr schönes Signal. Es ist noch kein Beweis, dass es eindeutig mit der Kampagne zusammenhängt, aber auf jeden Fall ein Zeichen, dass es eine Zunahme an Anrufen gibt, was uns freut“, sagt Zakrzewska.

Die vorsichtige Einordnung bleibt wesentlich: Aus dem Anstieg lässt sich kein eindeutiger kausaler Zusammenhang mit der Kampagne ableiten. Zugleich kann die Entwicklung darauf hinweisen, dass mehr Betroffene und Menschen aus ihrem Umfeld von der Frauenhelpline wissen und den Zugang zu Beratung finden. Auch Solta betont, dass es bereits ein wichtiger Schritt wäre, wenn die Sichtbarkeit der Nummer dazu führt, dass Betroffene früher als bisher anrufen.

„Anruf nie eine Überreaktion“
Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner verwies bei der Pressekonferenz auf die Bedeutung eines gut ausgebauten Gewaltschutznetzes. Österreich verfüge über ein dichtes und professionelles Angebot, das unterstützt, ausgebaut und weiterentwickelt werden müsse. Entscheidend sei jedoch, dass Frauen wissen, wo sie Hilfe erhalten und darauf vertrauen können, Unterstützung zu bekommen.

„Ein Anruf ist nie eine Überreaktion“, so Holzleitner. Dieser Satz bringt die zentrale Botschaft der Kampagne auf den Punkt: Niemand muss die eigene Situation zuerst abschließend bewerten, bevor Unterstützung möglich wird. Manchmal beginnt Hilfe mit einer Frage und mit dem Mut, sie auszu­sprechen.
Mit der Kampagne sei ein erster wichtiger Schritt getan, sagt Solta. Nun gelte es, ihre Wirkung laufend zu evaluieren und zu prüfen, in welchen Regionen oder an welchen Orten die Frauenhelpline künftig noch gezielter sichtbar gemacht werden könne. Ziel sei es, die Kampagne auf Basis dieser Erkenntnisse weiterzuentwickeln und Menschen dort zu erreichen, wo Information und Unterstützung besonders dringend gebraucht werden.

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