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Österreichs Songcontest-Duo im Interview – "es ist eine komplette Umstellung" © ORF / Roman Zach-Kiesling
© ORF / Roman Zach-Kiesling

Redaktion 10.02.2022

Österreichs Songcontest-Duo im Interview – "es ist eine komplette Umstellung"

Österreich schickt heuer das erste Mal seit 1982 ein Mann-Frau-Duo in den Kampf um den Gewinn des Eurovision Song Contests.

WIEN / TURIN. Nachdem vor 40 Jahren Lizzi Engstler und Fritz als Duo Mess mit "Sonntag" beim ESC Platz 9 erreicht hatten, sollen diesen Erfolg nun der 19-jährige DJ LUM!X und die 18-jährige Pia Maria mit ihrem Dancesong "Halo" toppen. Die beiden wurden am Dienstag, 8. Februar 2022, im "Ö3-Wecker" erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. medianet bat die beiden zum Interview.

medianet: Sie beide treten mit jugendlicher Stärke für Österreich mit dem Song „Halo“ beim Eurovision Song Contest an. Lum!x, Sie leben in Italien – der Song Contest ist für Sie ja dann quasi ein Heimspiel. Wissen Sie, wie die Stimmung derzeit in Turin ist?
LUM!X: Ich lebe seit Mai nicht mehr in Turin, sondern mittlerweile in Mailand. Aber der Großteil des Teams ist noch in Turin. Sie haben auf die Mole, das Wahrzeichen von Turin, einen riesengroßen Timer projiziert, der die Tagesanzahl bis zum Song Contest herunterzählt. Ich vermute, dass man es dort überall zu spüren bekommt. Ich war das letzte Mal in Turin im November, da hat man noch nichts davon gemerkt, aber mittlerweile ist der Hype bestimmt gestiegen.

medianet: Wie sind Sie beide als Duo zusammengekommen? Und wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen, am Song Contest teilzunehmen?
Pia Maria: Bei mir war es eigentlich sehr spontan. Ich habe mit 15 mein erstes Lied geschrieben und dabei Kontakt mit Günther Unger geknüpft. Wir haben damals probiert, zusammen etwas aufzunehmen, das damals aber nicht zustandegekommen ist. Dann ging alles sehr spontan: Er hat mich angerufen und gesagt ‚Hey Pia, ich hätte jetzt ein Lied für dich. Das wäre für den ESC, möchtest du es probieren?‘ Dann bin ich eigentlich schnurstracks ins Studio gefahren und habe es aufgenommen. Luca hatte den Rest schon gemacht und ich habe einfach darüber gesungen. Beim Videodreh haben wir uns schließlich kennengelernt und es hat von Anfang an gepasst.
LUM!X: Das kann ich genauso unterstreichen. Wir waren beim Entstehungsprozess coronabedingt noch nicht zusammen – ich habe aus Mailand produziert, und Pia hat in Tirol eingesungen. Ich bin ein großer Fan davon, gemeinsam im Studio Zeit zu verbringen, weil es verknüpft, aber das war eben leider nicht möglich. Aber so wie es jetzt gelaufen ist, ist das Endresultat meiner Meinung nach ein richtiges 'Brettl' geworden.

medianet: Können Sie uns irgendetwas verraten, weil der Song selbst wird ja erst im März präsentiert?
LUM!X: Zum Song selbst können wir nichts sagen. Was ich aber schon vorwegnehmen kann, ist, dass ihre Stimme dabei ist und magisch klingt. Natürlich wird auch meine Produktion selbst zu hören sein.

medianet: Der Song Contest hat Ups und Downs erlebt: Wie haben Sie den Song Contest die letzten Jahre wahrgenommen?Pia Maria: Ich habe das schon mit meiner Familie immer von klein Auf geschaut und immer mitgefiebert. Vor allem am letzten Jahr fand ich es cool, dass völlig neue Sachen akzeptiert wurden. Und man sieht, dass sie akzeptiert wurden, weil sie haben ja nicht ohne Grund gewonnen. Ich finde es cool, dass es auf und ab geht, weil so ist es im Leben eben auch.
LUM!X: Maneskin hat auf jeden Fall einen frischen Wind eingehaucht und man kann an den Kandidaten sehen: Der Hype is real. Die Leute sind interessiert und auch Jüngere werden sehr darauf aufmerksam gemacht. Genau das finde ich so interessant bei unserer Konstellation, dass wir beide Teenager sind. Ich glaube, dass das für das Programm und vor allem für Österreich ganz gut ist. Teenager identifizieren sich mit Teenagern – das heißt, man wird eine jüngere Zielgruppe auch auf jeden Fall ansprechen, was die letzten Jahre – bis auf das letzte – eigentlich nicht der Fall war.

medianet: Wie erleben Sie beide dieses „von Null auf Hundert“?
Pia Maria: Es ist eine komplette Umstellung. Ich bin eine normale Arbeiterin und das ist für mich eine 360-Grad-Drehung. Sicher ist es ungewohnt, aber ich bin bereit, mich neuen Herausforderungen zu stellen.

medianet: Ist das der Beginn einer neuen musikalischen Partnerschaft oder ist es ein einmaliges Projekt?
LUM!X:Wir sind prinzipiell offen für alles. Wir wollen noch nicht zu viel in die Zukunft planen, weil wir im Hier und Jetzt leben und auch im Hier und Jetzt diesen Moment genießen wollen. Aber wie gesagt: Mal schauen, was die Zukunft so bringt. Der erste Song, den wir gemeinsam machen, ist meiner Meinung nach schon gelungen, also wieso sollte es nicht in Zukunft auch funktionieren?

medianet: Pia, Sie stehen das erste Mal auf der großen Bühne. Wie sind hier Ihre Gefühle? Worauf freuen Sie sich am meisten?
Pia Maria: Natürlich bin ich aufgeregt und voller Adrenalin, aber wenn ich dann auf der Bühne bin, ist es anders. Ich kann es nicht beschreiben, aber es fühlt sich einfach anders an. Ich liebe dieses Gefühl, dieses Adrenalin und dieses ‚Ich muss den Leuten etwas beweisen‘. Das gibt mir total viel. Es ist eine richtig große Challenge, aber jetzt habe ich die Chance.

medianet: Wie ist bisher die Zusammenarbeit mit dem ORF?LUM!X: Ich habe es sehr angenehm erlebt. Wir sitzen mit dem größten Medienkonzern des Landes an einem Tisch und das ist auch eine ganz neue Erfahrung. Aber die Furcht, die man anfangs davor hat, ist völlig unbegründet. Ich glaube, wir sind in guten Händen.

medianet: Wie haben Sie erfahren, dass Sie diejenigen sind, die Österreich vertreten?
Pia Maria: Ich war bei der Arbeit und konnte nicht mal zurückschreiben. Ich konnte mich auf gar nichts mehr konzentrieren und bin nur „umgeschreckt“ wie ein Huhn.

LUM!X: Ich habe Pia geschrieben, dass wir zum Song Contest fahren. Die erste Stunde vergeht und sie schreibt nicht zurück. Zwei Stunden, drei Stunden später hat sich herausgestellt, dass sie bei der Arbeit nicht auf ihr Handy geschaut hat.

Als ich es erfahren habe, war bei mir anfangs auch eine kurze Schockstarre und dann hat man langsam begonnen, es zu realisieren. Dieser Realisierungsprozess dauert übrigens noch. Ich glaube, wir beide sind die letzten, die es begreifen
– das ist dann irgendwann im Juli 2023 der Fall.
(red)

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