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ORF am Weg zur multimedialen Plattform © APA/Georg Hochmuth

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

© APA/Georg Hochmuth

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Redaktion 10.03.2021

ORF am Weg zur multimedialen Plattform

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erneut Angebot an Verleger und Private zur Zusammenarbeit.

WIEN. Der ORF macht sich fit für die Zukunft. Wesentlich dazu beitragen soll unter anderem ein Media-Player, auf dem aber nicht nur Inhalte des ORF, sondern auch jene der Verleger und der heimischen Privatsender zu finden sein sollen. Einen Zugang zu dieser Plattform soll es über ein gemeinsames LogIn geben und es sollen sogar die Inhalte gemeinsam vermarktet werden.

Was sagen Verleger und Privatsender zum Angebot?
Seitens der Verleger fällt die erste Reaktion positiv aus. Maximilian Dasch, Salzburger Nachrichten, gegenüber medianet: „Jegliche Entwicklung, die den Wert von Journalismus im Digitalen hebt, ist zu begrüßen. Dies wird mit einer verpflichtenden Registrierung durchaus unterstützt.“ Und Dasch weiter: „Im Sinne eines fairen Wettbewerbs und einer Zukunftsperspektive für die private Medienwirtschaft, braucht es jedoch klare Spielregeln für das weitere Onlineengagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks."

Walter Zinggl, Geschäftsführer des privaten Werbezeitenvermarkters IP, zeigt sich positiv verhalten. Von der Idee, einen nationalen Player zu installieren, hält er nicht viel, hier müsse man größer denken und zumindest eine Lösung für den deutschsprachigen Raum andenken. Die Idee, Inhalte gemeinsame zu vermarkten, begrüßt er, aber dies könnten nicht der ORF machen, sonst mache man ein Fass auf, dass man nicht mehr zubekommt. „Wir bieten uns aber gerne an, diesen Content zu vermarkten.“ Nicht umsonst gebe es für den ORF ein Fremdvermarktungsverbot, und Zinggl sieht wenig Chancen, dass der Gesetzgeber dies ändern werde, denn diese Einschränkung haben schon ihre Sinnhaftigkeit

Seitens des VÖZ bestätigt man gegenüber medianet, dass es mit dem ORF Gespräch gibt. VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger dazu: "Es gibt einen medienethischen Grundkonsens, der auf Wahrhaftigkeit von Nachrichten beruht, und deshalb machen diese Gespräche Sinn. Medienpolitisch und ökonomisch herrschen aber andere Bedingungen und Rahmenbedingungen und das ist sicherlich auch Gegenstand der Gespräche, die der Generaldirektor hier angesprochen ha“, so Grünberger

Zu den Ideen des ORF selbst meint Grünberger: „Ein Medienlogin macht sicherlich Sinn, und er würde ja von der APA entwickelt, wo die Medien des VÖZ und der ORF Genossenschafter sind. Eine gemeinsame Vermarktung ist eine langjährige Vision, dürfte allerdings an den Marktbegebenheiten und Realitäten scheitern und zu allen weiteren Koopperationsprojekten werden noch Gespräche zu führen sein“, so Grünberger gegenüber medianet.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz selbst spricht von einer „grundlegenden strategischen Weichenstellung“, die der ORF mit der Strategie 2025 verabschiedet hätte. Man wolle sich vom klassischen öffentlich-rechtlichen Broadcaster hin zu einer multimedialen Public Service Plattform entwickeln. Ermöglichen sollen das gesetzliche Adaptionen, neue Angebote sowie eine Ausbildungsoffensive, so Wrabetz vor Kurzem bei einem Hintergrundgespräch mit heimischen Medienjournalisten zu Transformation des ORF von einem öffentlich-rechtlichen Sender zu einer multimedialen Plattform.

Gesetzliche Änderungen noch heuer erwartet
Vor allem für die Weiterentwicklung des digitalen ORF-Angebots hofft Wrabetz noch für den heurigen Herbst eine Novelle des ORF-Gesetzes. Konkret soll die Adaptierung einen online first bzw. online only-Zugang möglich machen, die Archivnutzung einfacher gestalten und die sieben Tage catch-up-Regel abschaffen.

Wrabetz dazu: "Ich rechne nicht damit, dass das vor dem Sommer sein wird, aber schon noch im heurigen Jahr eine Novelle zustandekommt, die uns unseren Player ermöglicht."

 

Media-Player als Zugpferd
Der wohl wichtigste Schritt Richtung Zukunft soll laut Wrabetz der geplante Player werden, auf dem nicht nur Content des ORF, sondern auch jener von Verlegern und Privatsendern zu finden sein soll. Die Plattform soll als Gegengewicht zu amerikanischen Streaming-Diensten etabliert werden und in Zusammenarbeit mit Privaten und Verlegern bespielt werden.

Die Übermacht der US-Giganten sei ohnedies schon jetzt übergroß, und so sei es um so wichtiger zumindest die vorhandenen Kräfte zu bündeln, so Wrabetz.

Pay-Wall werde es keine geben, jedoch wird an eine Registrierung bzw. Anmeldung gedacht. Vollen Zugriff auf Inhalte werden zahlende Gis-Haushalte erhalten. Angestrebt wird auch ein gemeinsamer Medien-Login, der laut Wrabetz am besten über die APA abgewickelt werden könne. Bis 2023 könne der Player in voller Stärke aufgestellt sein, meint Wrabetz.

Gemeinsam vermarkten, asymmetrisch teilen
Wrabetz denkt auch über eine gemeinsame Vermarktung des-Player-Contents nach: „Die Erlöse würden wir dann asymmetrisch teilen“, so der ORF-Generaldirektor. Und: Man will auf der Plattform auch anderen Content-Anbietern wie Kulturbetrieben die Möglichkeit geben, ihre Inhalte für potenzielles Publikum besser präsentieren zu können. „Zahlreiche Kulturangebote haben Streaming während Corona angeboten, aber sie wurden schwer gefunden.“
Hier wolle man helfen, verdienen wolle man daran natürlich nichts, so Wrabetz.

Drei Content-Ebenen
In Zukunft werde der ORF auf drei Contentebenen gestellt sein: klassisches TV bzw. Radio, Social Media sowie den Player. Durch Letzteren wolle man auch die Vorwürfe, man sei zu textlastig, entkräften. Der Player solle laut Wrabetz stark bild- und audiobasiert sein.

Säulen des Arbeitens
Die Bauarbeiten des neuen Medienzentrums am Küniglberg seien aufgrund der derzeit besseren wirtschaftlichen Entwicklung auf gutem Wege. Mit Anfang 2023 werde man die neuen Räumlichkeiten vollständig nutzen können. Vereint werden dort der neue Newsroom, Ö1 und Ö3. Auch die Art, wie künftig im ORF gearbeitet werden, soll sich ändern. Im Prinzip solle es drei Säulen geben: Zum einen den Newsdesk, bestimmt von den Attributen Aktualität, Tempo und Verifikation. Dann die multimedialen Fachressorts, thematisch gespannt über Innenpolitik, Außenpolitik, Chronik, Wirtschaft, Wetter. Und der Content kommt von sogenannten Plattformteams, die als umfangreich ausgestattet Systeme - inklusive eigener Technik -, die Inhalte liefern werden. Wie die Führung dieser Teams aussehen soll, darauf wollte sich Wrabetz nicht festlegen.

Personalstrategie im Fokus
Da innerhalb der nächsten fünf Jahre 20% aller Mitarbeiter des ORF in Pension gehen würden, werde man auch die Personalstrategie verstärkt ins Auge nehmen müssen. Da das vergangene Jahr ein wirtschaftlich moderates gewesen sei, hätte man das einjährige Traineeprogramm wieder aufgenommen. Bis 2025 sollen so 150 Jungjournalisten ausgebildet werden.

Wiederkandidatur indirekt bestätigt
Auf Nachfrage hat Wrabetz auch indirekt übrigens eine Wiederkandidatur für die im Sommer anstehende Wahl des neuen ORF-Generaldirektors bzw. der Generaldirektorin quasi indirekt bestätigt. Wrabetz dazu: "Es spricht schon viel dafür, aber es ist gleichzeitig so viel zu tun, dass ich mit irgendwelchen Ankündigungen niemanden belasten will. Ich mache einfach meine Arbeit.(Dinko Fejzuli/Anna Putz)

 

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