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Redaktion 27.10.2015

ORF-Funkhaus zum Verkauf ausgeschrieben

Mindestpreis mit 18. Mio Euro beziffert; Kritik von Künstlern sowie vom Betriebsrat der ORF-Radios.

Wien. Der ORF schreibt das Funkhaus in der Argentinierstraße in Inseraten in mehreren Tageszeitungen (Samstag-Ausgaben) zum Verkauf aus. Der Mindestpreis für das gesamte Objekt wird mit 18 Mio. Euro beziffert, die Anbotsfrist endet am 11. November 2015.  Der ORF beabsichtigt, die gesamte Liegenschaft im Rahmen eines strukturierten Bieterverfahrens zu veräußert. In der Anzeige heißt es weiter, der Verkauf werde als Asset Deal abgewickelt. Die Verkäuferin behalte sich das Recht vor, "Teilflächen davon im Zuge eines Rückkaufes wieder in ihr Eigentum zu übernehmen bzw. nachträglich anzumieten". Von den Interessenten werden ausführliche Unternehmensdarstellungen, Angaben zur Finanzkraft sowie detaillierte Darstellungen der Erfahrungen in vergleichbaren Transaktionen gefordert. Die Bruttogrundfläche der Liegenschaft beläuft sich laut Inserat auf 28.250 Quadratmeter.

"Finger weg vom Funkhaus!" fordern namhafte Künstler in einem offenen Brief an den ORF-Stiftungsrat und an Medienminister Josef Ostermayer (SPÖ). Künstler wie Karl Markovics, Gerhard Roth, Robert Menasse, Robert Palfrader, Erwin Steinhauer, Willi und Lukas Resetarits, Isolde Charim oder Julya Rabinowich drängten am Dienstag auf den Stopp des Verkaufsprozesses und der "stückweisen Demontage des Kultursenders Ö1" und verwiesen auf über 84.000 Unterzeichner einer Petition für den Erhalt von Ö1. "Dieser demokratie- und kulturpolitisch so wichtige Sender ist in Gefahr. Gefährdet erscheint sogar - entgegen den Beteuerungen der Verantwortlichen - das Funkhaus als Baudenkmal und Kulturstandort. Was sich jetzt anbahnt, übertrifft alle Negativ-Prognosen", so die Kunstschaffenden, die auch von einem weiteren "drastischen Sparpaket" für Ö1 gehört haben wollen. "Ö1 soll bereits 2016 bis zu 1,3 Millionen Euro einsparen! Das ist nur durch Streichung ganzer Sendereihen möglich. Und das wird erst der Anfang sein", warnten die Funkhaus-Aktivisten.

Die ORF-Geschäftsführung wolle nämlich ab 2025 durch die Umsiedlung der Radios ins ORF-Zentrum am Küniglberg 10 Millionen Euro jährlich einsparen. "Das kann nur durch Reduktion von Personal und Programmbudgets gehen." Die Aktivisten befürchten zudem, dass das Funkhaus unter Marktwert verkauft werde. "Da verscherbelt die ORF-Führung das Tafelsilber." Die extrem kurze Ausschreibungsfrist von 19 Tagen lasse darüber hinaus die Vermutung zu, dass der Käufer längst feststeht. Die Ausschreibung sei so formuliert, dass nur kommerzielle Verwerter infrage kommen, so die Kritik der Künstler.

Kritik am geplanten Verkauf des ORF-Funkhauses in Wien kommt auch vom Betriebsrat der ORF-Radios. Die ORF-Geschäftsführung "ist in ihrer Sturheit konsequent und kompromisslos. Die Einleitung des Verkaufsprozesses ist keine Überraschung, sie wurde mehrfach auch öffentlich angekündigt. An unserem Widerstand gegen diese mehrfach unsinnige Aktion wird das nichts ändern. Im Gegenteil", schreiben die Radio-Betriebsräte in einem internen Newsletter an die Belegschaft.

Fast zeitgleich mit der Ausschreibung begann auch die Emission einer ORF-Anleihe zur Standortfinanzierung am Küniglberg. "Die ORF-Geschäftsführung hat also alle Weichen gestellt, um den höchst umstrittenen und mit unabsehbaren Folgen für Programmqualität und Personal verbundenen Konzentrationsprozess aller Wiener Radio- und Fernsehsender so rasch wie möglich voranzutreiben. An uns wird es jetzt liegen, weiterhin gegen diesen Unsinn aufzutreten, und wenn wir es auch schon mehrfach und eindrucksvoll getan haben, diesen Prozess immer wieder aufs Neue zu hinterfragen und aufzuhalten", so die Radio-Betriebsräte. (APA)

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