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ROG mahnt Reformen ein © rog.at
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Redaktion 10.11.2022

ROG mahnt Reformen ein

Eine neue Plattform für Medienschaffende soll zur Diskussion anregen. Reporter ohne Grenzen fragen: „Redaktionen – die neue Sumpflandschaft Österreichs?“

WIEN. Die Ereignisse überschlagen sich, jeden Tag kommen neue Meldungen von Korruption und Postenschacher ans Licht. Dachte man vor kurzem noch, die gekauften Umfragen und Inserate gegen Berichterstattung seien das schlimmste Ausmaß an Machtmissbrauch in der Medienlandschaft, so nimmt das Ganze mit den jüngst veröffentlichten Thomas Schmid Chats, neue Dimensionen an. Presse-Chefredakteur Rainer Nowak, der im Austausch mit Schmid über ORF-CR-Posten spekuliert und seiner Redaktion bei Recherchen in den Rücken fällt. ORF-TV-News-Chefredakteur Matthias Schrom-Kux, der sich mit dem damaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache in Chats über die inhaltliche Ausrichtung der ORF-Berichterstattung, aber auch in Folge mit etwaigen Personalwünschen der FPÖ austauscht.

Zu diesen Vorgängen fragt sich die Organisation Reporter ohne Grenzen in Österreich: „Konsequenzen? Unrechtsbewusstsein? Interesse zur Veränderung? Allzu lange hielt die Styria Media Group an Nowak fest, erst kürzlich wurde sein Rückzug auf Raten bekanntgegeben. Ebenso versuchte die Führung des ORF die Vorfälle rund um Matthias Schrom herunterzuspielen. Mit den spät erfolgten Urlaubsantritten der beiden ist ein Wille zur Aufklärung und Bereinigung erkennbar, den Reporter ohne Grenzen begrüßt. Leider lässt die Politik lässt mit ihrem aktuellen Entwurf zum neuen Medienförderungsgesetz kein Interesse an wirklicher Veränderung erkennen.“

Aus gegebenem Anlass hat Reporter ohne Grenzen nun eine Liste mit ersten Vorschlägen erarbeitet, „um die Unabhängigkeit der Berichterstattung in Österreich wieder zu stärken und Bewusstsein für die notwendige Distanz zwischen Berichterstattern und Politik zu schaffen“ wie es in einer Presseaussendung heißt.

Die Forderungen im Wortlaut

• Nach Vorbild der Aufklärungsskommission bei Claas Relotius in Deutschland, der als Reporter mit gefälschten Geschichten die Spiegel Gruppe in Bedrängnis brachte, sollen bei Vorfällen Audits durchgeführt werden. Diese sollen bei Verdacht unabhängig den Sachverhalt prüfen und zu einer sachlichen Beurteilung und Aufarbeitung beitragen.

• Wir begrüßen, dass bereits in einigen Medienhäuser in Österreich Redaktionsräte u.ä. eingesetzt werden. Das Kontrollorgan soll unabhängig und nicht weisungsgebunden arbeiten können.

• Jede Redaktion sollte neben einem Redaktionsstatut auch Compliance Regeln erstellen bzw. bestehende entsprechend formulieren, um die Grenzen für alle Beteiligten möglichst klar festzulegen.

Julia Herrnböck, stellvertretende Präsidentin Reporter ohne Grenzen dazu: „Die jüngsten Ereignisse geben uns die Chance, genauer hinzusehen wo sich blinde Flecken im Journalismus in Österreich etabliert haben und wo wir (wieder) sensibler werden müssen. Die absolute Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten in Österreich arbeitet vorbildlich und verwehrt sich gegen Freunderlwirtschaft und Verhaberung. Wir von Reporter ohne Grenzen sind zuversichtlich, dass es gelingen wird die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung zu stärken und das Vertrauen in Journalismus wieder herzustellen. Natürlich bringen diese Vorschläge und Ideen nur dann wirklich etwas, wenn Sie strikt umgesetzt werden und die Verantwortlichen ihre Konsequenzen ziehen.“

Herrnböck weiter: Es stehen seit vielen Monaten schwere Vorwürfe im Raum, fast nichts wird über die mediale Bühne diskutiert. Es ist Handlungsbedarf. Deswegen werden wir auf unserer Website eine Plattform für Medienschaffende einrichten, die zur Diskussion anregen soll, aber auch Verstöße intern aufzeigen kann. So sollen Redaktionen die Möglichkeit haben, auch anonym, interne Missstände oder Fälle von Machtmissbrauch aufzuzeigen. Wir behalten uns vor, welche Berichte wir veröffentlichen, Denunziationen und haltlose Anschuldigungen tragen nicht zu einem guten Diskussionsklima bei. Wir wollen allerdings allen Journalistinnen und Journalisten eine Stimme geben, ohne dass sie Angst haben müssen, Aufträge oder ihre Anstellung zu verlieren.“

Neue Plattform ist demnächst auf www.rog.at zu finden. (red)

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