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Ukraine – Internationale Pressestimmen zum Angriff Russlands © APA / dpa / Kay Nietfeld
© APA / dpa / Kay Nietfeld

Redaktion 28.02.2022

Ukraine – Internationale Pressestimmen zum Angriff Russlands

"NZZ am Sonntag": Europa muss aufrüsten; "La Repubblica": Demokratien haben sich gegen Putin vereint; "Sunday Times": NATO muss sich auf das Schlimmste vorbereiten.

ZÜRICH / KIEW / MOSKAU. Zum Krieg in der Ukraine schreiben internationale Zeitungen am Sonntag, 27. Februar 2022:

Neue Zürcher Zeitung am Sonntag:

"Europa muss mental wie militärisch aufrüsten und der Versuchung der Selbstbeschwichtigung widerstehen: Es wird doch bald vorbei sein mit diesem Krieg im Osten; Putin wird sich schon mit der Ukraine zufriedengeben, hat sie erst einmal kapituliert. Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. Putins Wort gilt nichts.

Europa ist jetzt in ein dunkles Jahrzehnt gerutscht, mindestens für die verbleibende Regierungszeit, die sich der russische Präsident genehmigt – er ist jetzt 69. Zehn Jahre oder mehr der scharfen Konfrontation mit Russland mögen vor uns liegen. Die Osteuropäer – die baltischen Staaten und Polen zumal – müssen nun mit der Drohung eines russischen Angriffs leben. Doch es sind die Westeuropäer, die Deutschen vor allem, welche diese neue Realität erst begreifen müssen. (...)

Putin ist eine Bedrohung für die Freiheit und Sicherheit in Europa, wie allerspätestens der Angriff auf die Ukraine klargemacht hat. Die Europäer müssen für einen Krieg gegen Russland rüsten. Es heißt nicht, dass sie ihn auch führen. Es genügt, dass sie dazu bereit wären. Denn wie alle Autokraten versteht auch Putin nur die Sprache der Gewalt."

La Repubblica (Rom):

"Die Frage ist, wie Putin aus der Sackgasse raus will, in die er sich und ganz Russland manövriert hat. Es geht dabei nicht nur um die wirtschaftlichen Sanktionen, sondern auch darum, dass er Millionen junge Mitbürger um eine Zukunft bringt, deren Horizont über Donezk und Wladiwostok hinaus reicht. Am wichtigsten wird sein, was innerhalb Russlands passiert, auf den Plätzen, durch die Dissidenten und Jungen, die Träume, Pläne und Ambitionen haben wie ihre Altersgenossen in Paris und Seoul, Miami und Mailand.

Die für ein Russland kämpfen, das europäischer wird und auf eine globale Gemeinschaft setzt, das sich befreit aus der Schlinge der Autokraten und Diktatoren, die es unter verschiedenen Insignien und Namen seit viel zu langer Zeit gefangen halten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich Kiew dem massiven Angriff des Kreml-Heeres widersetzen kann, aber es besteht kein Zweifel daran, dass sich die Demokratien erneut zusammengeschlossen haben, diesmal gegen Putin."

Sunday Times (London):

"Das Verteidigungsbündnis muss nun vom Schlimmsten ausgehen und sich darauf vorbereiten: Nach der Ukraine könnte Putin, möglicherweise mit Lukaschenkos Unterstützung, ein NATO-Mitglied wie Litauen, Lettland oder Estland ins Visier nehmen. (...)

Durch seinen Angriff auf die Ukraine hat Putin den Westen bereits gezwungen, mit Sanktionen Farbe zu bekennen. Wenn es ihm gelingt, in ein NATO-Mitgliedsland einzumarschieren, vielleicht indem er vorher eine separatistische Abspaltungsbewegung wie in der Ostukraine schürt, und weder die USA noch andere Länder umfassende militärische Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, wäre die von ihm so gehasste Organisation praktisch tot. Das weiß er. Die Folgen eines solchen Szenarios für Osteuropa und mit der Zeit auch für Westeuropa sind unvorstellbar." (red)

 

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