MARKETING & MEDIA
"Und jetzt viel Freude mit dem Neuen“ © APA / Roland Schlager

Alexander Wrabetz.

© APA / Roland Schlager

Alexander Wrabetz.

Redaktion 12.08.2021

"Und jetzt viel Freude mit dem Neuen“

Alexander Wrabetz wurde am Dienstag, 11. August 2021, nach 15 Jahren im Amt des ORF-Generaldirektors vom Stiftungsrat nicht für eine weitere Amtszeit bestellt. Was der 61-Jährige nach der Wahl zu sagen hatte und wohin es ihn möglicherweise verschlägt.

WIEN. Am Ende stimmten sechs der 35 Stiftungsräte für den noch amtierenden Generaldirektor Alexander Wrabetz. Mit einer Zweidrittelmehrheit wurde Roland Weißmann von dem Gremium bestellt, ab 2022 die Geschäfte des größten heimischen Medienunternehmens zu leiten. Nach der Wahlniederlage ging Wrabetz in einem Statement vor Journalistinnen und Journalisten auf die Wahl, seine Zukunft und die des ORF ein.

 „Durchaus bewegend“
Es sei ein besonderer Tag in seinem Leben, so Wrabetz. „Es ist durchaus bewegend, dass ich nach 15 erfolgreichen Jahren jetzt abgesetzt wurde, aber es ist Entscheidung des Stiftungsrats gewesen und die ist zu respektieren“, führt der scheidende Generaldirektor weiter aus. Die Regierung hätte entschieden, ihn abzusetzen, und der Stiftungsrat hätte dies umgesetzt. Im Hearing selbst, so Wrabetz, hätte es „durchaus anerkennende Worte“ für seine Tätigkeit gegeben. Er hätte kein Konzept präsentiert, „sondern gesagt, was in den nächsten Monaten zu tun ist“, da im Vorhinein festgestanden wäre, wie die Wahl ausgehen würde.

Dass die Wahl auf Weißmann gefallen ist, dürfte Wrabetz demnach nicht überrascht haben. Bis 31. Dezember diesen Jahres ist der Wiener noch im Amt und trägt die „alleinige Verantwortung gemäß ORF-Gesetz, was in den nächsten vier Monaten geschieht“. Dennoch wolle er mit Weißmann zusammenarbeiten und „das Wissen und die Erfahrung“, die er habe, weitergeben. Schließlich, so Wrabetz, sei „bekannt, dass keines der Mitglieder – weder der kommende Generaldirektor noch die im Raum stehenden möglichen Direktorinnen und Direktoren – Erfahrung in der Geschäftsführung hat“. Er werde das Seinige dazu tun, dass die künftige ORF-Führung „gut vorbereitet und eingeschult“ ihre Ämter übernehmen können. Denn, so Wrabetz: „Ich habe das nicht alles mit viel Herzblut und Energie gemacht, damit das dann den Bach runtergeht.“

Besonders hervorgehoben wurden von Wrabetz die ORF-Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter, deren Rückhalt ihm nun nach der Wahl „in dieser nicht sehr einfachen Stunde“ Kraft geben würde: „Es war wunderbar, mit den hervorragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenzuarbeiten und das Unternehmen so weit zu bringen.“

Wrabetz: Armin Wolf als neuer Digitalchef
In den kommenden Monaten will Wrabetz nach eigener Aussage „sehr wichtige Projekte vorantreiben“, da keine Zeit für Unterbrechungen sei oder abgewartet werden kann, „bis jeder seinen Platz gefunden hat“. Zu den wichtigen Projekten zählen für Wrabetz neben dem Bezug des neu errichteten Standorts und dem Vorantreiben eines neuen „Digitalgesetzes“ auch Personalentscheidungen im multimedialen Newsroom des ORF.
Die Struktur des neuen Newsrooms sei laut Wrabetz in den Konzepten von ihm und Weißmann ohnedies „bis auf Details“ ident. Alexander Wrabetz schweben je eine Chefredakteurin bzw. -redakteur in den Feldern Video/TV, Audio/Radio, Online und Digital vor. Zudem will er die Führungspositionen geschlechtergerecht – sprich zwei Frauen und zwei Männer – besetzen.
 
Als potenziell neuer Digitalchef des ORF schwebt Wrabetz etwa Armin Wolf vor. Der so ins Spiel gebrachte Wolf zeigt sich in einer Reaktion gegenüber medianet etwas verwundert, denn er sei neben seiner Tätigkeit für die ZiB2 ja auch jetzt bereits für „Neue Medien“ zuständig. Nachsatz Wolf: News-Wert hätte der Vorschlag von Wrabetz nur dann, wenn er, Wolf, „dafür künftig nicht mehr zuständig wäre“. Zwischenzeitlich hat sich auch Wrabetz selbst in der Sache via Standard zu Wort gemeldet. Dort präzisiert er, dass Armin Wolf als Digital/Social Chef dasselbe machen würde, wie bisher. Er würde Wolf nicht von der ZiB 2 abziehen und „nach oben loben“.

Weitere Namen, die von Wrabetz gegenüber Journalistinnen und Journalisten genannt wurden, sind die von ORF2-Chefredakteur Matthias Schrom und Radio-Vizechefredakteurin Gabi Waldner. Alle drei hätten vor dem Statement von Wrabetz nichts von dessen Vorstellungen gewusst. „Es war auch keine Ernennung“, so Wrabetz. Er wüsste auch nicht, ob die drei Interesse an den Posten hätten.

Ratschlag für den Nachfolger: „Mir gut zuhören“
Ein unausweichliches Gesprächsthema war zudem jenes des parteipolitischen Einflusses auf den ORF. Die neue Geschäftsführung würde „mit einem großen Korb an negativen Vorschusslorbeeren“ starten, erklärt Wrabetz. Es sei auch klar, dass aufgrund des Bestellungsprozesses „die Erwartungshaltung an eine Geschäftsführung eine besonders große ist“. Er wolle „den Kollegen Weißmann unterstützen“, damit „er sich dann leichter tut, Erwartungshaltungen, die jetzt wahrscheinlich an ihn gerichtet würden, eben dann genau nicht zu erfüllen“.

Es sei eine Besonderheit dieser Wahl gewesen, dass „aufgrund sehr guter langfristiger Vorbereitung und bestimmter Vorkommnisse eine Gruppe alleine das Sagen hat“. Wrabetz selbst meinte, er habe in den vergangenen Wahlen von Stiftungsräten profitiert, die „sich eben genau nicht entlang der jeweiligen Parteilinien“ bewegt hätten. Er halte es für ein „Problem für die Zukunft“, wenn „Checks and Balances nicht mehr so funktionieren“. Ob deswegen, wie Kritiker von Weißmann behaupten, eine ‚Orbanisierung‘ des ORF vonstatten gehe, werde, so Wrabetz, „die Geschichte zeigen“. Er würde aber darauf vertrauen, dass ORF-Redakteurinnen und -Redakteure „dem entgegentreten, auch wenn jemand solche Träume hätte, und sie mit der heutigen Wahl verbindet“. Zusätzlich wolle er die Rechte der Redaktionen in den nächsten Monaten „noch besser absichern“.

Einen Plan für seine berufliche Zukunft habe Wrabetz nicht – denn er habe bis vergangenen Sonntag „relativ stark geglaubt, es könnte sich ausgehen“. Bis Ende des Jahres mache er noch seine Arbeit, „und danach werden Sie von mir hören“. Kolportiert wird, Wrabetz könnte die Nachfolge von Helga Rabl-Stadler antreten, die als Präsidentin der Salzburger Festspiele mit Ende des Jahres den Ruhestand antritt.

Auf die Frage, welchen Tipp der scheidende Generaldirektor für seinen Nachfolger hat, antwortet Wrabetz kurz angebunden: „Jetzt einmal mir in den kommenden Monaten gut zuzuhören, welche Ratschläge ich ihm gebe.“ Seine abschließenden Worte an die anwesenden Journalistinnen und Journalisten: „Und jetzt viel Freude mit dem Neuen.“ (Anna Putz/Dinko Fejzuli)

 

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL