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Mittelstand hätte Jobs für Flüchtlinge © APA dpa Stefan Puchner
© APA dpa Stefan Puchner

Redaktion 20.01.2016

Mittelstand hätte Jobs für Flüchtlinge

Drei von vier Mittelstandsunternehmen in Österreich würden laut einer Umfrage Flüchtlinge in ihrem Betrieb einstellen. Die größten Hürden sind mangelnde Sprachkenntnisse und hoher bürokratischer Aufwand

Wien. Über 85.000 Flüchtlinge haben 2015 laut Angaben des Roten Kreuzes um Asyl in Österreich angesucht. Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wird eine der zentralen Herausforderungen für die heimische Wirtschaft im Jahr 2016. Die Mehrheit von Österreichs Mittelstandsunternehmen steht Flüchtlingen als potenziellen Mitarbeitern – unabhängig ob diese Asylwerber oder Asylberechtigte sind – positiv gegenüber: Drei von vier Mittelstandsunternehmen (76%) würden diese grundsätzlich einstellen, 41 Prozent sogar ohne Vorbehalte. Insgesamt sind damit mehr als 31.000 mittelständische Betriebe in Österreich bereit, Flüchtlinge in ihrem Betrieb anzustellen. Nur jedes vierte mittelständische Unternehmen (24%) würde (eher) keine Flüchtlinge einstellen. Das sind Ergebnisse des aktuellen Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Für die Studie wurden insgesamt 900 mittelständische Unternehmen in Österreich im Dezember 2015 telefonisch befragt.

Zentrale Rolle für die Integration

Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich: „Österreichs Mittelstandsunternehmen spielen bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle. Die überwiegende Mehrheit der Mittelstandsunternehmen würde grundsätzlich Flüchtlinge anstellen. Aktuell gibt mehr als die Hälfte (58%) der Mittelstandsunternehmen an, Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Fachkräften zu haben, die Hälfte muss deshalb Umsatzeinbußen in Kauf nehmen. Viele Unternehmen sehen die gestiegene Zuwanderung deshalb auch als Chance, Fachkräfte zu finden.“
Besonders groß sind die Jobchancen in der Industrie: Dort würden 82% der Betriebe Flüchtlinge einstellen. Generell ist die Einstellungsbereitschaft in großen Unternehmen stärker ausgeprägt: 85% der Großunternehmen (mehr als 100 Mio. € Umsatz) würden Flüchtlinge beschäftigen, bei kleineren Unternehmen (bis 30 Mio. € Umsatz) sind es nur 72%. Am ehesten würden Mittelstandsunternehmen in Oberösterreich (84%) Flüchtlinge einstellen, gefolgt von Vorarlberg (83%) und Wien (79%).

Mangelnde Sprachkenntnisse und bürokratischer Aufwand größte Hindernisse

Als größte Hürde bei der Einstellung von Flüchtlingen nennen die meisten Mittelstandsunternehmen (76%) keine oder mangelnde Sprachkenntnisse. Viele mittelständische Unternehmen schrecken auch gesetzliche und bürokratische Hürden ab: 47% nennen den hohen bürokratischen Aufwand bei der Einstellung von Flüchtlingen als Hindernis. Jeweils 45% sehen die unklare Gesetzeslage während laufender Asylverfahren, mangelnde Qualifikation und fehlende Planungssicherheit, etwa durch die Gefahr der Abschiebung, als Problem.
„Es müssen dringend Rahmenbedingungen geschaffen werden, die gerade mittelständischen Unternehmen größere Planungssicherheit geben“, so Maukner.

Negative Auswirkungen durch gestiegene Zuwanderung erwartet

Obwohl die überwiegende Mehrheit der mittelständischen Unternehmen Flüchtlinge anstellen würde, bereiten ihnen die Auswirkungen der gestiegenen Zuwanderung auf die wirtschaftliche Entwicklung in Österreich Sorge. Rund jedes dritte Mittelstandsunternehmen (36%) geht davon aus, dass sich die Zuwanderung „eher“ oder „sehr negativ“ auf die zukünftige Entwicklung der österreichischen Wirtschaft auswirken wird. Nur ein Viertel (25%) rechnet mit positiven Folgen.

Mittelstandsunternehmen fordern „Talentecheck“

Großteils einig sind sich die österreichischen Mittelstandsunternehmen darin, dass ein strukturierter „Talentecheck“ die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt erleichtern würde: Mehr als drei Viertel (77%) sprechen sich dafür aus, dass Abschlüsse und Kompetenzen bereits frühzeitig erfasst werden sollen, um gezielt Fachkräfte zu finden. Gegen diese Maßnahme spricht sich nicht einmal jeder Vierte aus. Am stärksten befürworten Mittelstandsunternehmen aus Industrie (79%) und Bau/Energie (78%) einen „Talentecheck“.

Trotz der grundsätzlich positiven Einstellung zu Flüchtlingen als Arbeitnehmer sind die Mittelstandsunternehmen bei der Frage, ob eine gesteuerte Zuwanderung nach Österreich zur Minderung des Fachkräftemangels Sinn macht, gespalten: Nur die knappe Mehrheit (55%) spricht sich für diese Strategie aus. Mittelstandsunternehmen in Wien (64%) befürworten eine gesteuerte Zuwanderung am stärksten, gefolgt von der Steiermark (58%) und Oberösterreich (56%). Am kritischsten sind Mittelstandsunternehmen im Burgenland (49%), in Tirol (50%) und in Kärnten (52%).

www.ey.com/at

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