WIEN. Der Bauproduktionswert im österreichischen Hoch- und Tiefbau steigt zwischen 2020 und 2026 nominal um 22% auf prognostizierte 70,8 Mrd. €. Preisbereinigt zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die Nachfrage liegt heuer voraussichtlich um mehr als zwölf Prozent unter dem Niveau von 2020. Damit schrumpfe die Bauwirtschaft das fünfte Jahr in Folge, sagt Andreas Kreutzer, Geschäftsführer Branchenradar Marktanalyse.
Ursache seien vor allem die gestiegenen Baupreise, die zwischen 2020 und 2025 um ein Drittel zulegten. Im Hochbau betrug der Anstieg 38%, im Tiefbau 26%. Zunächst verteuerten sich Materialien, später kamen höhere Personalkosten hinzu. Besonders betroffen: der Wohnbau. Dessen Neubau ging seit 2020 real um 30% zurück, die Wohnbausanierung um 14%. Der Nicht-Wohnbau blieb weitgehend stabil, der Tiefbau wuchs hingegen um zwölf Prozent.
Für 2026 erwartet Kreutzer ein weiteres Minus von drei Prozent in der Bauproduktion, und: „Der Hochbau schrumpft, während der Tiefbau real um zwei Prozent zulegen dürfte.“ Hauptgrund für den Einbruch im Wohnbau sei der Rückgang der Baubewilligungen. Zwischen 2020 und 2025 halbierte sich die Zahl der genehmigten Wohneinheiten nahezu. Die Baubeginne sanken um 42%, die Fertigstellungen um 34%. 2026 dürften die Bewilligungen nochmals um fünf Prozent zurückgehen.
Unbillen und Prognose
Neben höheren Zinsen, strengeren Finanzierungsvorgaben und gestiegenen Baukosten belasten knappe Baulandreserven, teure Grundstücke und komplexe Bauverfahren die Branche. Auch zusätzliche Normen und technische Vorschriften verteuern das Bauen. 2025 wurden je 1.000 Privathaushalte nur noch 7,6 Wohneinheiten genehmigt, 2011 waren es 12,9, 2017 sogar 18,5.
Kreutzer fordert daher eine rasche Deregulierung. Andernfalls drohe mittelfristig eine Krise am Wohnungsmarkt. Im günstigsten Szenario könnten die Baubewilligungen 2027 wieder steigen. Die Bauproduktion würde sich real stabilisieren, Wohnbau und Tiefbau könnten jeweils um zwei Prozent wachsen. Eine allgemeine Trendwende erwartet Kreutzer frühestens 2028. Bei den Wohnungsfertigstellungen sei hingegen erst 2029 mit einer Erholung zu rechnen. (hk)
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