Pflege als Investment
© smarterpix/stokkete
Die Spitzenrendite für Pflegeheime in Österreich liegt laut CBRE stabil bei 5,15%.
FINANCENET REAL:ESTATE Redaktion 23.10.2026

Pflege als Investment

Europas alternde Bevölkerung lässt Gesundheitsimmobilien bei Investoren mehr und mehr in den Fokus rücken.


WIEN. Europas Markt für Gesundheitsimmobilien hat seinen Wachstumskurs nach dem Rekordjahr 2025 im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt. Insgesamt wurden 5,6 Mrd. € investiert, um 27% mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das zeigt der aktuelle Bericht „European Healthcare 2026“ des internationalen Immobiliendienstleisters CBRE. Die alternde Bevölkerung, der damit verbundene langfristige Versorgungsbedarf und vergleichsweise stabile Erträge rücken Gesundheitsimmobilien zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren.

Die demografische Entwicklung wird die Nachfrage nach Pflegeeinrichtungen, medizinischer Infrastruktur und wohnortnahen Gesundheitsleistungen weiter erhöhen. Zwischen 2025 und 2034 wird die Zahl der Menschen ab 65 Jahren in Europa laut dem Bericht um voraussichtlich 31,3 Mio. wachsen. „Gesundheitsimmobilien werden zunehmend als etablierte Immobilienanlageklasse wahrgenommen. Dafür sorgen die demografische Entwicklung, robuste Erträge und ein langfristiger struktureller Bedarf“, sagt Martin Denner, Head of Research bei CBRE.

Interesse nimmt deutlich zu
Das wachsende Interesse zeigt sich auch in der „European Investor Intentions Survey“ von CBRE: Der Anteil der im Bereich alternativer Immobilienanlagen befragten Investoren, die Healthcare als Anlagepräferenz nannten, stieg von 19% im Jahr 2023 auf 40% im Jahr 2025. Für die Attraktivität des Segments sorgen insbesondere langfristige, häufig inflationsgekoppelte Mietverträge sowie eine Nachfrage, die weniger stark von konjunkturellen Schwankungen abhängig ist. Grenzüberschreitendes Kapital gewinnt dabei an Bedeutung. Rund die Hälfte des europäischen Investmentvolumens im ersten Halbjahr 2026 entfiel auf internationale Investoren.

Neben klassischen Immobilieninvestoren engagieren sich zunehmend auch Infrastrukturinvestoren im Gesundheitsbereich. Pflegeheime bleiben ein wesentlicher Schwerpunkt der Investmentaktivität. Im Jahr 2025 flossen laut CBRE europaweit 5,5 Mrd. € in dieses Segment, nahezu doppelt so viel wie 2023.

Europäische Märkte
Die Entwicklung der einzelnen Länder ist unterschiedlich. In Deutschland legte das Investmentvolumen für Gesundheitsimmobilien im ersten Halbjahr 2026 um 48% gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Spanien verzeichnete 2025 mit rund 1,4 Mrd. € ein Rekordvolumen. Dort unterstützen die zunehmende Nachfrage nach privaten Gesundheitsleistungen und fehlende Pflegeheimkapazitäten das Investoreninteresse.
„Die Gesundheitssysteme in Europa unterscheiden sich erheblich. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf Märkte, in denen demografische Entwicklungen, Gesundheitsreformen und Angebotsengpässe attraktive Möglichkeiten schaffen. Mit der stärkeren Einordnung von Gesundheitsimmobilien als soziale Infrastruktur spricht das Segment einen breiteren Kreis institutioneller Investoren an, die stabile Erträge und langfristiges Wachstum suchen“, sagt Manuel Bugl, Head of Capital Markets bei CBRE.

Österreich eher verhalten
Am heimischen Pflegeimmobilienmarkt tut sich relativ wenig, denn rund zwei Drittel der Pflegeheime werden von öffentlichen oder gemeinnützigen Trägern ohne Gewinnorientierung betrieben, wodurch das Marktpotenzial für Investitionen begrenzt ist. Der geringe Anteil gewinnorientierter Betreiber, regulatorische Anforderungen auf Ebene der Bundesländer und der anhaltende Fachkräftemangel prägen die Rahmenbedingungen. Der langfristige Pflegebedarf schaffe laut Bugl auch in Österreich Perspektiven. Es komme auf Standorte und Betreiberkonzepte an. (hk)

BEWERTEN SIE DIESEN ARTIKEL

TEILEN SIE DIESEN ARTIKEL