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Eine neue Ära: C+C soll unter Transgourmet wachsen © Anna Stöcher/Transgourmet Österreich
© Anna Stöcher/Transgourmet Österreich

Nataša nikolić 01.04.2016

Eine neue Ära: C+C soll unter Transgourmet wachsen

Ab Montag firmiert C+C Pfeiffer als Transgourmet Österreich GmbH und soll auch künftig „das Beste für Österreich” bleiben.

••• Von Nataša Nikolic

TRAUN/WIEN. „Unsere Erwartungen haben sich erfüllt. Der Start ist geglückt”, sagt Hansueli Loosli, Verwaltungspräsident der Schweizer Transgourmet Holding, über die Zusammenarbeit mit der Handelsgruppe Pfeiffer am Mittwoch in Wien. Mitte November wurde verkündet, dass die Handelsgruppe ihre umsatz- und ertragsstärkste Sparte, die Gastro-Großhandelsmärkte C+C Pfeiffer, an die 100%ige Tochter der Schweizer Coop-Gruppe und Nummer zwei im europäischen Abhol- und Belieferungsgroßhandel (nach Metro) verkauft.

Pfeiffers C+C-Märkte treten den Eigentümerwechsel nach einem Umsatz-Höchststand von mehr als 497 Mio. € an (2014: 465 Mio. €, +6,6%) – das ist sicherlich ein Trost für den neuen Eigentümer, der die Übernahme nur wenige Wochen vor der Zielpunkt-Insolvenz tätigte. Womit auch schon der negative Aspekt genannt wäre; auch wenn dieser C+C Pfeiffer nur indirekt betrifft, hat er dennoch direkte ­Auswirkungen.

Die Bürde der Schwesterfirma

Ursprünglich wollten die Schweizer nämlich alles beim Alten lassen, da es gut funktioniert hat; sogar der Name C+C Pfeiffer sollte bleiben. Man hätte erst Ende Jänner beschlossen, ihn in Transgourmet zu ändern. Grund waren die Medienberichte im Zusammenhang mit der größten Handelspleite seit Langem, wegen derer der Name Pfeiffer lange durch die Medien geisterte und unter Kritik stand. Der Name hätte einen merklichen Schaden erlitten, gesteht Thomas Panholzer, C+C-Geschäftsführer, der gemeinsam mit Manfred Hayböck auch unter dem neuen Eigentümer im Amt bleibt. Die negativen Schlagzeilen machten ein teures Umbranding, das sich Transgourmet sicherlich gern gespart hätte, also unabdingbar. Einzig die mein c+c-Märkte werden nicht umbenannt.

„Ich wusste nichts”

Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am 5. November 2015, als die Übernahmepläne von Transgourmet bekannt gemacht wurden, soll Loosli nichts von der bevorstehenden Zielpunkt-Insolvenz gewusst haben. „Ich war schockiert. Ich wusste nichts.” Von Georg Pfeiffer fühle er sich dennoch nicht hintergangen: „Ich verurteile niemanden, da ich die Hintergründe nicht kenne.” Auch wenn alle Beteiligten bemüht sind, den Eindruck zu vermitteln, als sei alles im Lot, erweckt die Abwesenheit von Georg Pfeiffer und Holding-Geschäftsführer Erich Schönleitner vom Pressegespräch den Anschein, als wollte sich Transgourmet lieber distanzieren.

Nichtsdestotrotz hat Loosli nur lobende Worte für seine Geschäftspartner. Fachlich und menschlich würde alles passen, auch die unternehmerischen Werte stimmen überein, bekräftigt Coops Langzeitchef und fügt hinzu, dass für die Kunden unter Transgourmet alles beim Alten bleibt. „C+C ist ein gut aufgestelltes Unternehmen”, und Transgourmet Österreich würde dazu beitragen, die ganze Gruppe zu stärken.

Markt hat Expansionspotenzial

Die vier Hauptstoßrichtungen in Österreich sind Expansion, Differenzierung, Kundendurchdringung und Digitalisierung. Für Erstere gibt es sowohl marktbezogen als auch örtlich Wachstumspotenzial und bereits konkrete Pläne. Zusätzlich zu den bestehenden acht Transgourmet- und vier mein c+c- Märkten soll es in Österreich Platz für insgesamt fünf neue Standorte geben, vor allem in der derzeit „Transgourmet-freien Zone” in Westösterreich, konkret in Vorarlberg. „Anfang 2017 wird der Spatenstich für einen neuen Standort stattfinden”, so Hayböck. Darüber hinaus sind Erweiterungen in Spielberg, Wels und Brunn am Gebirge sowie umfassende Umbauten der mein c+c-Standorte in Feldbach und Bruck/Mur geplant.

Mit einer größeren Präsenz in Vorarlberg würde man nicht in Konkurrenz mit den eignen Märkten in der Schweiz stehen, sagt Loosli, schließlich habe man die Kunden dennoch im eigenen Haus. In der Hauptstadt könnte man sich einen dritten Standort ebenfalls gut vorstellen, da man auch hier bald die Kapazitätsgrenzen erreicht hat.

„Das beste für Österreich” bleibt

Was das Sortiment betrifft, so soll an bestehenden österreichischen Qualitätsmarken nicht gerüttelt werden: „Der klare Bezug zu Österreich – sowohl in der Herkunft als auch im Geschmack – bleibt”, bestätigt Hayböck. „Wir verkaufen heute beispielsweise bei Fleisch und Wein trotz großem internationalen Angebot 80% österreichische Produkte, im Mopro-Bereich sind es 90% – daran wird sich nichts ändern.” Markenartikel hätten Platz im Sortiment, solange sie einen Mehrwert bieten, da parallel dazu „Eigenmarken verstärkt eingeführt werden”. Im Laufe des Jahres sollen drei Transgourmet-Eigenmarken das Sortiment von derzeit 25.000 Artikeln ergänzen. Produkte aller relevanten Warengruppen werden sich in der Preis-Einstiegsmarke economy, der Preis-Leistungsmarke Quality und der Premium-Marke Premium finden. Auch österreichische Produzenten kommen für die Produktion der Eigenmarken infrage. Bei Produkten, die aus internationalen Beschaffungsmärkten stammen, wie beispielsweise Reis oder ­Tafelöl, würde das Unternehmen und damit die Kunden von der „optimalen Anbindung an die internationalen Beschaffungsmärkte durch die Transgourmet-Familie” profitieren. Derzeit liegt der Eigenmarkenanteil am Gesamtumsatz bei fünf Prozentpunkten, zehn bis 15 wären in Zukunft denkbar.

Für Österreich ist das Ziel klar: Man will die Nummer eins bleiben und auch international wachsen. 2016 soll der Umsatz von 497 Mio. € (2015) auf 520 Mio. € ansteigen und sich in zehn Jahren sogar verdoppeln. „Wir bauen mit Transgourmet Österreich unsere europaweite Top-Position aus. Durch unsere dezentrale Organisation bleiben Mitarbeiter, Standorte, Sortiment und Management bestehen. Bewährte Produkte und Konzepte aus Österreich werden international getestet”, schildert Loosli. Die dezentrale Organisation sei auch eine Sache, „die man zuerst lernen muss, wenn man mit uns zu tun hat. Wir haben keine Zentrale. Meine Assistentin, mein Controller und ich sind die Transgourmet Holding. Mehr brauchen wir nicht.”

Investitionspläne

Da Transgourmet Österreich selbstständig aufgestellt ist, sind auch alle Bereiche, vom Einkauf bis zur Buchhaltung und dem Controlling, in Österreich. Man kann davon ausgehen, dass Coop mit Transgourmet Österreich viel vor hat: „Unsere Investitionstätigkeiten sind nicht von Kurzfristigkeit geprägt”, erzählt Loosli. Coop sei in seiner 150-jährigen Firmengeschichte immer bemüht gewesen, seine Unternehmen weiterzuentwickeln: „Wir haben – und das ist etwas ganz Wichtiges – innerhalb der Coop-Gruppe noch nie ein Unternehmen gekauft und nach einer Zeit wiederverkauft.” Rund 80% des Cashflows würde in Investitionen fließen, die vor allem dadurch möglich seien, da keiner der Genossenschafts-Mitglieder Anteile besitzt und folglich auch keine Dividende ausgeschüttet werden muss.

Differenzierung: Nachhaltigkeit

„Wir wollen uns in Zukunft noch viel mehr differenzieren, und ­Österreich ist top aufgestellt in dieser Hinsicht”, sagt Loosli und bezieht sich auf Cook 2.0, Trinkwerk, Javarei und mein c+c. Zur Differenzierung sollen auch die Nachhaltigkeitspläne beitragen: Coops Ziel lautet, bis 2023 CO2-neutral zu werden; dazu habe man bereits viele Transporte auf die Bahn umgestellt.

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