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Ernährung der Zukunft Sabine Klimpt

Andrä Rupprechter, Gerhard Pichler

Sabine Klimpt

Andrä Rupprechter, Gerhard Pichler

Redaktion 21.03.2016

Ernährung der Zukunft

Im Business Circle wurden über die Auswirkungen von Ernährungstrends und Innovation auf die Lebensmittelbranche diskutiert. Das Fazit: Der Kunde ist König, Diktator und Sklave zugleich.

WIEN. Das Konferenzunternehmen Business Circle lud zum 1. Dialogforum „Ernährung der Zukunft“. Diskutiert wurde u.a. darüber wie Trends in der Ernährung, bio-technische Innovationen oder veränderte politische Rahmenbedingungen die Lebensmittelbranche prägen. „Ziel der Konferenz soll ein Blick über den Tellerrand sein“, so Gerhard Pichler, Initiator des Dialogforums, bei der Begrüßung der zahlreichen Teilnehmer aus Wissenschaft, Industrie sowie Forschung und Politik. Das erste Dialog-Forum seiner Art stand unter der fachlichen Leitung von Franz Fischler, EU-Kommissar a.D. Eröffnet wurde es mit einer kompakten Vortragsreihe zum Thema Konsumentenbedürfnisse und Ernährungstrends. Dabei diskutierten u.a. David Bosshart (Gottlieb Duttweiler Institut), Hannelore Daniel (TU München) und Hanni Rützler (Trend-Forscherin) globale sowie lokale Ernährungstrends.

David Bosshart griff im ersten Vortrag nicht nur veränderte Wirtschaftsmodelle, sondern auch den Einfluss von digitalen Technologien und die Macht des Konsumenten auf. „Noch nie zuvor hatten wir so viele Informationen über Ernährung. Dabei ergänzen sich die digitale und die analoge Welt. Der Konsument kann durch soziale Medien auch eine große Macht auf die Branche ausüben. Entscheidungen sind getrieben von Informationen. Der Kunde ist König, Diktator und Sklave zugleich“, so Bosshart.

Um personalisierte Ernährungsstile ging es im anschließenden Vortrag von Hannelore Daniel. „Auch wenn wir Menschen zu 99,9 Prozent genetisch identisch sind, so suchen wir immer wieder nach Strategien, um uns von anderen zu unterscheiden. Das Thema Ernährung bietet dazu vielfältige Möglichkeiten. Wir definieren uns immer mehr, über das was wir nicht essen.“ In ihrem Referat stellte sie auch die kritische Frage, ob die Betrachtung und die Einordnung von Lebensmitteln als ‚gesund‘ überhaupt zulässig sind. „Denn alles was wir essen, hat einen Effekt auf unseren Körper. Viele Konsumenten, vor allem Jüngere, geraten bei den vielen essensbezogenen Entscheidungen in Stress und wissen oft gar nicht mehr, was sie zu sich nehmen sollen“, so die Forscherin aus München. Jedoch, „dass die Ernährung ein wichtiger Faktor für die Gesundheit ist, das steht fest.“ Denn aus demographischer Sicht betrachtet, ist die Forschung erst am Beginn zu verstehen, wie sich der Bedarf an ernährungsbezogenen Nährstoffen verändert. „Durch neue Technologien haben wir aber die Möglichkeit, Mangelerscheinungen gezielt entgegenzuwirken.“ Den Abschluss der einleitenden Serie bildete Hanni Rützler mit Blick auf die Rückkehr zu den Wurzeln unserer Ernährung. „Wir sind Innovatoren und neugierige Wesen. Das Feuer haben wir zwar nicht erfunden, aber es für neue Zwecke wie dem Kochen eingesetzt“, so die Trendforscherin.

Im Laufe der Geschichte haben sich nicht nur die Produktionsweise von Lebensmitteln und deren Stellenwert, sondern auch die essensbezogenen Rituale verändert. Die Industrie hat den Mangel überwunden, das wiederum viele neue Perspektiven bietet. Es gehe nun vielmehr um die Individualisierung der Bedürfnisse und Interessen sowie um eine Vielzahl an Möglichkeiten. Der gesellschaftliche Wandel ist geprägt von den großen Trends rund um die Ernährung. „Neu ist nicht nur die Informations- sondern auch die Kommunikationsmacht. Der Konsument wird zum Prosument, dessen Entscheidungen unmittelbare Auswirkungen haben.“ Die Distanz zu Lebensmitteln, die sowohl durch Industrialisierung als auch Globalisierung entstanden ist, wird überwunden durch die Suche nach altem Wissen. „Die Globalisierung schiebt die regionale Entwicklung an“, so ihr Ausblick auf die Zukunft der Ernährung.

Um kulinarische Globalisierung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ging es in der folgenden Vortragsreihe Innovation, Strategien und Perspektiven mit einem Strategiepanel und Fachstatements, die von einer regen Diskussion rund um die Zukunft der Ernährung aus der Sicht der Ernährungsindustrie begleitet wurden.  

Dass sich nicht nur die Big Player der Lebensmittelbranche für diese Fragen interessieren, zeigten ausgewählte Food-Startups, die individuelle Lösungen zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Eines davon war kiweno, das einen Selbsttest zu Lebensmittelunverträglichkeiten entwickelt hat. 

Den Abschluss des Business Circle bildete BM Andrä Rupprechter mit seiner Sicht auf die rahmenpolitischen Bedingungen, aber auch die Möglichkeiten, die eine nachhaltige Landwirtschaft besitzt. „Eine moderne und wettbewerbsfähige Landwirtschaft ist nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern sie trägt auch zu einem lebenswerten ländlichen Raum bei. Qualität, Identität, aber auch Regionalität besitzen großes Potential, die verschiedenen Konzepte mitzugestalten.“, so der Landwirtschaftsminister. Auch wenn viele Lösungen noch gefunden werden müssen, so lautete sein Abschlussplädoyer: „Die Ernährung der Zukunft soll vor allem mit Genuss in Verbindung bleiben.“

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