Handelsverband kritisiert potenzielle Ausweitung der geplanten Paketabgabe im Onlinehandel
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RETAIL Redaktion 15.04.2026

Handelsverband kritisiert potenzielle Ausweitung der geplanten Paketabgabe im Onlinehandel

WIEN. Die Diskussion um eine mögliche nationale Paketabgabe im Versandhandel stößt im heimischen Handel auf deutliche Ablehnung. Die ursprünglich auf Drittstaatenpakete abzielende Maßnahme könnte nun auf den gesamten E-Commerce ausgeweitet werden – mit weitreichenden Folgen für österreichische Händler.

Der Verband sieht darin eine zusätzliche Belastung für Betriebe, die in den vergangenen Jahren verstärkt in Digitalisierung investiert haben. „Viele österreichische Händler sind heute erfolgreich im digitalen Handel unterwegs und verbinden stationären Verkauf mit E-Commerce. Eine pauschale E-Commerce-Abgabe würde genau jene Betriebe ins Herz treffen, die in den jüngsten Krisenjahren ihre letzten Euros in Digitalisierung und Innovation investiert haben“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.

Kritik an Bürokratie und möglichen Preiseffekten
Neben wirtschaftlichen Auswirkungen verweist der Handelsverband auch auf mögliche Zielkonflikte mit der Wirtschaftspolitik. Eine zusätzliche Abgabe würde aus Sicht der Branche sowohl die Bürokratie erhöhen als auch preistreibend wirken. Der Onlinehandel sei mit einer Wertschöpfung von rund 13,1 Milliarden Euro und etwa 250.000 Arbeitsplätzen ein wesentlicher Bestandteil der österreichischen Wirtschaft.

„Wer den heimischen E-Commerce zusätzlich belastet, riskiert Jobs, Investitionen und Wachstum im Inland. Das ist klar innovationsfeindlich und konterkariert alle Bemühungen, den Handel zukunftsfit zu machen. Manchmal fragt man sich, wer überhaupt auf eine solch abstruse Idee kommt und warum man nicht zuvor in eine Klärung mit Experten geht“, so Will.
Auch die praktische Umsetzung wird kritisch gesehen. Der Verband warnt, dass internationale Plattformen mögliche Abgaben leichter umgehen könnten, während heimische Händler stärker betroffen wären. „Es besteht die reale Gefahr, dass internationale Drittstaaten-Plattformen wie Temu und Shein auch hier wieder Wege finden, sich dieser Abgabe zu entziehen oder sie zu umgehen. Denn hier ist man als Rechtsstaat seit mehr als einem Jahrzehnt unfähig den Vollzug zu garantieren, obwohl man führende Experten im Land hat, die EU-weite Normungsstrategien vorantreiben“, warnt Will.

Der Handelsverband spricht sich stattdessen für eine europäische Lösung aus, insbesondere für eine rasche Umsetzung der geplanten Plattformhaftung. Nationale Alleingänge würden die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Unternehmen schwächen und könnten letztlich auch zu höheren Preisen für Konsumenten führen. (red)

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