WIEN. Der Österreichische Verband der Markenartikelindustrie (MAV) weist pauschale Schuldzuweisungen an heimische Hersteller im Zusammenhang mit dem aktuellen Foodwatch-Preisvergleich zurück. Die Gegenüberstellung von Verkaufspreisen in Österreich und Deutschland zeige zwar Preisunterschiede, erkläre aber nicht deren Ursachen, argumentiert der Verband. Dabei seien unterschiedliche Kosten- und Marktbedingungen ebenso zu berücksichtigen wie die Preisgestaltung des Handels.
„In der EU gibt es keine Einheitskosten. Preisvergleiche müssen deshalb die unterschiedlichen Kosten- und Marktbedingungen berücksichtigen. Wer einzelne Regalpreise gegenüberstellt, ohne die jeweiligen Marktbedingungen zu berücksichtigen, zeichnet ein unvollständiges Bild. Auch die wiederholte Veröffentlichung solcher Vergleiche ersetzt keine fundierte Ursachenanalyse“, erklärt Günter Thumser, Geschäftsführer des MAV.
Handel bestimmt den Verkaufspreis
Energie- und Logistikkosten, Löhne und Sozialabgaben, Steuern sowie Pfand- und Recyclinggebühren unterscheiden sich laut MAV zwischen den Ländern. Auch nationale Vorgaben, Einkaufsvolumina sowie die Promotions- und Werbestrategien des Handels wirkten sich auf die Preise aus. Gerade in Österreich prägten Aktionen, Rabattmarken und Kundenkarten den Lebensmitteleinkauf.
„Für die Belastung der Haushalte zählt, was an der Kassa bezahlt wird. Eine aussagekräftige Preisdebatte muss deshalb auch Aktionen und tatsächlich genutzte Vergünstigungen einbeziehen“, so Thumser.
Den Endverkaufspreis für Markenprodukte und Eigenmarken legt das jeweilige Handelsunternehmen fest. Aus einem Regalpreis lasse sich daher nicht unmittelbar auf den Abgabepreis oder den Ertrag eines Herstellers schließen. Auch Foodwatch halte in seiner Aussendung fest, dass der Preisvergleich allein die Ursachen der festgestellten Unterschiede nicht erkläre.
„Aus einem höheren Verkaufspreis lässt sich nicht ablesen, wer welchen Anteil daran erhält. Pauschale Vorwürfe gegen Markenhersteller helfen den Konsumentinnen und Konsumenten deshalb nicht weiter“, betont Thumser.
Kritik an generellem TSC-Verbot
Der MAV lehnt zudem ein generelles Verbot territorialer Lieferbeschränkungen, sogenannter Territorial Supply Constraints (TSC), ab. Nationale Marktbedingungen, vertragliche Vereinbarungen und wirtschaftlich tragfähige Vertriebsstrukturen müssten aus Sicht des Verbandes ebenfalls berücksichtigt werden.
„Hersteller müssen im Rahmen des Wettbewerbsrechts weiterhin die Freiheit haben, ihre Vertriebswege und Vertriebspartner selbst zu wählen und marktgerechte Konditionen zu vereinbaren. Ein generelles Verbot würde aus unserer Sicht zu wenig zwischen ungerechtfertigten Beschränkungen und sachlich begründeten Vertriebsvereinbarungen unterscheiden“, erklärt Thumser.
Zugleich verweist der MAV auf die hohe Konzentration des österreichischen Lebensmittelhandels und fordert, mögliche Auswirkungen neuer Regeln auf das Verhältnis zwischen Handel und Herstellern zu berücksichtigen. Hohe Standortkosten, Lohn- und Lohnnebenkosten sowie Qualitätsanforderungen und gesetzliche Vorgaben belasteten die heimische Produktion. Der Verband warnt daher davor, die jeweils niedrigsten europäischen Preis- und Kostenniveaus zum Maßstab für die gesamte Lebensmittelproduktion zu machen.
„Wer hohe Qualität, verantwortungsvolle Produktion und regionale Wertschöpfung erwartet, muss auch deren wirtschaftliche Grundlagen berücksichtigen. Dauerhafter Druck auf die Erlöse trifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern ebenso ihre Beschäftigten, landwirtschaftlichen Partner und Zulieferer“, so Thumser.
Der MAV sieht leistbare Lebensmittel und eine zukunftsfähige heimische Produktion als miteinander verbunden. Ein ausreichendes Preisniveau ermögliche Investitionen in Qualität, Innovation und Produktionsstandorte und trage aus Sicht des Verbandes damit auch zur Versorgungssicherheit bei.
„Der billigste Preis denkt nur ans Heute. Ein fairer Preis denkt weiter: Er sichert die Voraussetzungen dafür, dass wir auch morgen hochwertige Lebensmittel in Österreich produzieren können. Wer ausschließlich den niedrigsten Preis zum Maßstab macht, riskiert, dass wir kurzfristig an der Kassa sparen und langfristig mit verlorenen Arbeitsplätzen, geschlossenen Produktionsstätten und wachsender Importabhängigkeit bezahlen“, betont Thumser.
„Was wir morgen noch in Österreich produzieren können, entscheidet sich auch daran, welchen Wert wir dieser Produktion heute geben. Ein fairer Preis ist deshalb eine Investition in heimische Qualität, Wertschöpfung und Versorgungssicherheit“, so Thumser abschließend. (red)