retail.conversations: Das Auhof Center feiert 30 Jahre. Wie Peter Schaider Wiens zweitgrößte Shopping-Mall durch Ausbau, Krisen und konsequente Standortpflege nach vorne brachte.
In„retail.conversations“ spricht medianet-Herausgeber Chris Radda mit Peter Schaider, Gründer und Betreiber des Auhof Centers, über drei Jahrzehnte Einkaufszentrumsgeschichte im Westen Wiens. Das Auhof Center feiert 2026 sein 30-jähriges Bestehen; die operative Gesellschaft firmiert als Auhof Center Besitz und Betrieb GmbH, Geschäftsführer ist Peter Schaider. Spätestens seit dem großen Ausbau gilt das Center als zweitgrößtes Einkaufszentrum Wiens und als bedeutender Handelsstandort an der Westeinfahrt der Bundeshauptstadt.
Schaiders Weg in den stationären Handel begann nicht mit Immobilien, sondern mit Dienstleistung. Der Unternehmer lernte sein Handwerk als Friseur und sammelte mit eigenen Salons in großen Einkaufszentren früh praktische Erfahrung mit Frequenz, Kundenführung und Mieterstruktur. Gerade diese Nähe zum Tagesgeschäft habe seinen Blick auf das System Shopping-Mall geschärft, schildert Schaider im Gespräch. Sein unternehmerisches Motto sei bis heute, „mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und Chancen zu erkennen“. Dass daraus einmal ein eigenes Center entstehen würde, war zunächst nicht zwingend, im Rückblick aber folgerichtig: Wer Kundenservice verstehe, verstehe auch Handel. Schaider selbst sagte dazu bereits in früheren Interviews, dass ihn seine Friseurstandorte in Einkaufszentren überhaupt erst auf das Geschäftsmodell aufmerksam gemacht hätten.
Die Anfänge des Auhof Centers waren vergleichsweise überschaubar. Bei der Eröffnung Mitte der 1990er-Jahre startete der Standort mit rund 20 Geschäften, Fitness-Studio und Ärztezentrum; 1996 folgte mit dem zweiten Bauteil der nächste Entwicklungsschritt. Die heutige Betreibergesellschaft ist seit Ende 1996 im Firmenbuch eingetragen. Aus einem Nahversorgungs- und Fachmarktstandort wurde so schrittweise ein ausgewachsenes Einkaufs- und Entertainment-Zentrum. Für Schaider war früh klar, dass ein Center nur dann dauerhaft bestehen kann, wenn es mehr bietet als Verkaufsfläche: Aufenthaltsqualität, Service, Gastronomie und Unterhaltung müssten zusammenspielen.
Ein wesentlicher Meilenstein kam 2010 mit weiteren Bauteilen und starken Ankermietern wie Intersport und Media Markt. Den entscheidenden Schub brachte dann der große Umbau 2014: Das Auhof Center wurde erweitert, auf rund 140 Shops ausgebaut und damit endgültig zur klaren Nummer zwei unter Wiens Einkaufszentren. Neue Widmungen ermöglichten in den Folgejahren weitere Entwicklungsschritte, darunter zusätzliche Bauteile und die Kombination von Handel mit anderen Nutzungen wie Wohnen. Für Schaider zeigt sich darin, wie wichtig planungspolitische Kontinuität und ein verlässlicher Standortrahmen für großflächigen Einzelhandel sind.
Dass diese Entwicklung nicht geradlinig verlief, betont Schaider offen. Besonders die COVID-Jahre seien ein Nackenschlag gewesen: leere Gänge, geschlossene Geschäfte, Unsicherheit bei Frequenz und Konsum. Umso bemerkenswerter sei aus seiner Sicht, dass sich der stationäre Handel nach dieser Phase robuster gezeigt habe, als vielfach angenommen wurde. Die Stimmung im Handel werde oft schlechtergeredet, als sie tatsächlich sei, sagt Schaider. Das Auhof Center profitiere dabei von einem kaufkräftigen Einzugsgebiet in den westlichen Wiener Bezirken sowie aus dem Raum Purkersdorf – und von einem Konzept, das auf ausgewogenen Mietermix statt auf kurzfristige Effekte setze. Besucherfrequenz und Umsätze würden leicht, aber kontinuierlich zulegen.
Im Gespräch mit Chris Radda wird deutlich, dass Schaider sein Center nicht nur als Handelsimmobilie versteht, sondern als fein austarierten Dienstleistungsbetrieb. „Der Kunde muss sich wohlfühlen“ – dieser aus der Friseurbranche mitgenommene Grundsatz präge bis heute die Entwicklung des Hauses. Geschwungene Gänge, bewusst gesetzte Gestaltungselemente, Gastro- und Entertainment-Angebote sowie die Qualität der Mieter seien keine Nebensachen, sondern Teil des wirtschaftlichen Kerns. Ein Einkaufszentrum, so Schaider, müsse spürbar geführt werden. Nur dann entstehe jene Mischung aus Alltagstauglichkeit und Aufenthaltsqualität, die Kunden bindet und Händler erfolgreich macht.
Zum 30-jährigen Jubiläum setzt das Auhof Center nun auf Sichtbarkeit für seine Partner: Im Jubiläumsjahr 2026 werden Aktionen, Events und wechselnde Shop-Features ausgerollt. Offiziell gestartet wurde das Jubiläumsprogramm bereits im März mit Aktionswochen und Bühnevents. Das passt zu einer Strategie, die Schaider seit Jahren verfolgt: Handelsflächen nicht nur zu vermieten, sondern das Center als lebendigen Marktplatz zu inszenieren. Drei Jahrzehnte nach dem Start zeigt das Auhof Center damit, dass stationärer Handel dort resilient bleibt, wo Standort, Mieterqualität, Unterhaltung und Nahversorgung konsequent zusammengedacht werden.