agency log #122: CEO in Österreich – Mehr Zuversicht, anhaltender Kostendruck

Österreichs Führungskräfte blicken wieder zuversichtlicher auf den Wirtschaftsstandort. Eine breite Entwarnung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten: Im CEO & Leadership Barometer 2026, erstellt von IMAS und Herausgegeben vom PR-Consulting und Lobbying Unternehmen Grünberger & Partner GmbH und dem Managementclub, erwarten 30 Prozent die kommenden zwölf Monate mit Zuversicht, nach zwölf Prozent im Vorjahr. 46 Prozent bleiben skeptisch, 24 Prozent besorgt. Im medianet-TV-Format „agency log“ diskutierte Herausgeber Chris Radda mit Silvia Grünberger, Geschäftsführerin und Managing Partner von Grünberger & Partner GmbH, über die Gründe für den Stimmungswandel und die Belastungen der Unternehmen.

Grünberger führt den wachsenden Optimismus auch darauf zurück, dass Unternehmen ihre Strukturen und Kosten an die veränderten Bedingungen angepasst haben. Der anfängliche Schock sei gewichen, der Druck habe Veränderungen beschleunigt. „Also was es nicht ist, ist ein sich Schönreden von Dingen“, sagt sie. Radda bezeichnet diese Haltung als „neuen Pragmatismus“. Zugleich werden Ausgaben strenger geprüft.

Die größte Belastung bleibt aus Sicht der Befragten die Bürokratie. 56 Prozent bewerten sie als sehr große Herausforderung, gefolgt von Lohnkosten mit 48 Prozent und der schwachen Konjunktur mit 40 Prozent. Genannt werden unter anderem ESG-Berichterstattung, Entgelttransparenz, NIS2 und DSGVO. Grünberger fordert eine wirtschaftlichere und praktikablere Umsetzung europäischer Vorgaben in Österreich. Das Entbürokratisierungspaket wird laut Erhebung von 38 Prozent begrüßt; eine spürbare Entlastung steht der Presseaussendung zufolge noch aus.

Künstliche Intelligenz ist inzwischen Teil der Unternehmensstrategie. 91 Prozent fördern gezielt die KI-Weiterbildung ihrer Beschäftigten, 83 Prozent halten die Technologie für entscheidend für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Nachweisbare Effizienzgewinne oder Kosteneinsparungen sehen bisher 56 Prozent. Damit bleibt eine Lücke zwischen strategischer Erwartung und messbarem Nutzen. Grünberger beobachtet bereits Zeitersparnisse in einzelnen Prozessen; wie sich diese wirtschaftlich auswirken, müsse sich erst zeigen.

Auch der persönliche Einsatz bleibt hoch: Die Befragten arbeiten durchschnittlich 58 Stunden pro Woche, 69 Prozent sind im Urlaub immer erreichbar. Als wichtigste Motive nennt die Erhebung die Identifikation mit Funktion und Verantwortung sowie die Freude an der Tätigkeit. Gehalt und Zusatzleistungen spielen mit zehn Prozent eine deutlich kleinere Rolle.
Für die Kommunikation der Führungskräfte gewinnen eigene digitale Kanäle an Bedeutung. 90 Prozent der Befragten sind auf LinkedIn aktiv. Zugleich bleiben journalistische Medien eine wichtige Informationsquelle. Grünberger sieht für ihre Branche eine weitere Aufgabe darin, Unternehmensinhalte für die Suche mit KI aufzubereiten: Verständliche Erklärungen und schlüssige Antworten würden dabei wichtiger.
Das Barometer wurde von IMAS International im Auftrag von Grünberger & Partner und Management Club erstellt. Von 714 eingeladenen Vorständen, Geschäftsführern und Aufsichtsräten beantworteten 103 den Online-Fragebogen vollständig. Die Befragung lief vom 28. August bis 27. September 2026; ihre Ergebnisse beschreiben die Einschätzungen dieser Teilnehmergruppe.

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