agency log #121: Live-Marketing profitiert vom Wunsch nach echten Begegnungen
Je leichter sich digitale Inhalte mit künstlicher Intelligenz erzeugen lassen, desto wertvoller werden persönliche Begegnungen: Diese These vertritt Marcus Wild, Gründer und CEO der Wiener IDEAL Live Marketing GmbH, im medianet-TV-Format „agency log“. Im Gespräch mit Herausgeber Chris Radda beschreibt er eine Branche, die nach der Pandemie an Bedeutung gewonnen hat – und in der KI einen weiteren Nachfrageimpuls sieht.
Raddas Einschätzung eines seit vielen Jahren anhaltenden Rückenwinds relativiert Wild allerdings. Lange habe Live-Marketing vor allem jene Budgets erhalten, die nach klassischer Werbung noch übrig geblieben seien. Erst ab Mitte der 2010er-Jahre sei die Disziplin stärker als eigenständiges Marketinginstrument anerkannt worden. Corona brachte dann den Einbruch. Die anschließende Nachfrage nach persönlichen Kontakten habe jedoch gezeigt, welchen Stellenwert gemeinsame Erlebnisse besitzen. „Wir sind angekommen, die Branche ist angekommen“, sagt Wild.
Heute sieht er einen ähnlichen Effekt durch die wachsende Menge künstlich erzeugter Inhalte. Wenn Bilder und digitale Auftritte an Glaubwürdigkeit und Exklusivität verlieren, gewinne das selbst Erlebte an Gewicht. Für Marken gehe es dabei um direkte Interaktion und Bindung. Wild nennt diese Entwicklung „die neue Lust am Live“.
Wie sich die Nachfrage in Geschäft übersetzt, zeigt ein internationaler Auftrag: Nach Wilds Angaben gewann IDEAL die weltweite Ausschreibung für das Development Forum des OPEC Fund sowie dessen 50-Jahr-Jubiläum. Der Auftrag für das Forum laufe über fünf Jahre – ein Beitrag zur Planungssicherheit in einer vom Projektgeschäft geprägten Branche. Bei der Veranstaltung in der Wiener Hofburg seien rund 800 Regierungsvertreter und Vertreter von NGOs zusammengekommen.
Daneben setzt die Agentur auf langjährige Kundenbeziehungen. Für Lindt & Sprüngli arbeitet sie laut Wild seit 2011. Die Goldhasensuche im Schlosspark Schönbrunn veranschaulicht, wie sich saisonale Kaufanlässe mit wiederkehrenden Markenerlebnissen verbinden lassen. Zum Geschäft gehören außerdem Produktpräsentationen, Kongresse, Messen und Veranstaltungen für Beschäftigte, etwa der ÖBB-Mitarbeiter-Award.
Bei internen Veranstaltungen stehen Anerkennung und gemeinsames Erleben im Vordergrund. Für die Allianz bündelte IDEAL verschiedene Vertriebsveranstaltungen und Incentive-Elemente in einer Convention. Reiseziele sollen dabei zum jeweiligen Thema passen: Venedig stand für Resilienz, Barcelona für Modernismus. Solche Formate können nach Wilds Einschätzung Wertschätzung sichtbar machen. Eine belastbare Renditeberechnung für die genannten Beispiele liefert das Gespräch allerdings nicht.
Die konzeptionelle Arbeit beginnt für Wild mit einer intensiven Beschäftigung mit Unternehmen und Mitarbeitern. „Erst wenn wir in der Marke drinnen sind, können wir damit arbeiten“, sagt er. Diesen Zugang beschreibt er als aufwendiger als die schnelle Erstellung eines KI-gestützten Konzepts. Entscheidend seien eine passende Idee und das Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.
Die inzwischen 106 Auszeichnungen führt Wild als Bestätigung dieses Weges an. Für den wirtschaftlichen Erfolg bleiben jedoch die Wirkung beim Publikum und verlässliche Kundenbeziehungen zentral. Seine Erwartung an die weitere Entwicklung formuliert er deutlich: „Die neue Lust am Live ist gekommen, um zu bleiben.“