agency log #123: P8 setzt für Kunden auf KI als Betriebssystem fürs Marketing

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur die Produktion von Texten und Bildern, sondern auch die Organisation von Marketingabteilungen. Wie sich diese Arbeitsabläufe bündeln lassen, erläuterte Georg Hofherr, Gründer und Geschäftsführer der P8 Marketing GmbH mit Büros in Wien, Salzburg und Innsbruck, im medianet-TV-Format „agency log“ im Gespräch mit Herausgeber Chris Radda. Mit AI8 entwickelt die Agentur ein Marketing Operating System, das Unternehmenswissen, KI-Anwendungen und menschliche Expertise verbinden soll.

Die strategische Überlegung dahinter: Bei der allgemeinen Erstellung von Inhalten dominieren große KI-Anbieter mit ihren Investitionen. P8 konzentriert sich deshalb auf unternehmensspezifische Arbeitsprozesse. „KI erstellt Content oder gewisse Distributionskanäle werden damit gesteuert, aber der Mensch, der Experte, bedient dieses System“, sagt Hofherr. Ziel sei, Marketing und Vertriebskommunikation besser zu koordinieren und ihre Wirkung im Unternehmen sichtbar zu machen.
Eine zentrale Voraussetzung dafür sind strukturierte Daten. Im sogenannten Multi-Brand Governance Model lassen sich Informationen für das Gesamtunternehmen, einzelne Geschäftsbereiche und Produktmarken hinterlegen. Übergeordnete Vorgaben können weitergegeben, spezifische Inhalte auf den jeweiligen Ebenen ergänzt werden. Das soll berücksichtigen, dass Unternehmens-PR anderen Anforderungen folgt als eine Produktbeschreibung.

Entscheidend bleibt die fachliche Kontrolle. Hofherr spricht vom „Expert in the Loop“: Fachleute prüfen und genehmigen die Ergebnisse. Änderungen sollen im zentralen Wissensbestand berücksichtigt werden und spätere Entwürfe verbessern. Zugleich können unterschiedliche Zuständigkeiten und Freigabehierarchien abgebildet werden. Wissen soll dadurch über einzelne Mitarbeiter und deren persönliche KI-Zugänge hinaus verfügbar bleiben.
Technisch setzt AI8 laut Hofherr auf die Nutzung unterschiedlicher Sprachmodelle und offene Schnittstellen, etwa zu Kundendatenbanken oder Produktinformationen. Bestehende Systeme sollen eingebunden werden. Zum Einführungsprozess gehören eine Analyse der Arbeitsabläufe, die Bewertung der Datenqualität und die Entscheidung, welche Aufgaben automatisiert werden können. Schulungen über die AI8 Academy sollen die Mitarbeiter bei der Anwendung unterstützen.

Ein weiteres Thema ist die Auffindbarkeit in KI-gestützten Suchen. „Wir haben Webseiten gebaut für Menschen“, sagt Hofherr. Künftig müssten sie auch für KI-Chatbots verständlich sein. Dazu zählt er klar strukturierte Informationen und Antworten auf konkrete Nutzerfragen. Im Tourismus könne etwa die Information, ob Hunde erlaubt sind, für die Auswahl eines Hotels relevant werden. Unternehmen müssten ihre Angebote entsprechend nachvollziehbar aufbereiten.
Dabei erwartet Hofherr auch eine stärkere Rolle redaktioneller Inhalte und klassischer PR. Veröffentlichungen in anerkannten Medien könnten die Sichtbarkeit in KI-Suchen unterstützen. „Es wird zu einer Renaissance von qualitativ bewerteten Inhalten kommen“, lautet seine Einschätzung. Den wirtschaftlichen Anspruch hinter AI8 beschreibt er so: Marketing soll „zu einer strategischen Wirkungskette im Unternehmen“ werden.

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