agency log #111: Sery sieht 2026 wieder mehr Bewegung im Kommunikationsmarkt

Im TV-Format „agency log“ sprach medianet-Herausgeber Chris Radda mit Angelika Sery-Froschauer, CEO von SERY* Brand Communications GmbH, und Michaela Froschauer, COO der Agentur, über die Lage der Kommunikationsbranche, die Rolle strategischer Markenführung und die ersten Anzeichen eines Aufschwungs im laufenden Jahr. SERY* tritt mit Standorten in Leonding, Wien und München auf; Angelika Sery-Froschauer ist zudem seit Juni 2025 Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich.

Nach einem von Unsicherheit, Budgetkürzungen und verschobenen Investitionsentscheidungen geprägten Jahr 2025 zeichnet sich aus Sicht der Gesprächspartnerinnen nun eine vorsichtige Verbesserung ab. Angelika Sery-Froschauer sprach von einer insgesamt positiveren Grundstimmung, die sich zwar noch nicht überall in den nackten Zahlen, sehr wohl aber bereits in konkreten Projekten, Ausschreibungen und Realisierungen niederschlage. Vor allem die Rückkehr niedrigerer Inflationsraten und die damit verbundene psychologische Entlastung würden nach ihrer Einschätzung wieder für mehr Zuversicht und Investitionsbereitschaft sorgen.

Als besondere Herausforderung der vergangenen Jahre beschrieb Sery-Froschauer das gleichzeitige Zusammenwirken mehrerer Transformationsprozesse. Agenturen seien nicht nur mit digitalen Umbrüchen und der Integration künstlicher Intelligenz in bestehende Arbeitsabläufe konfrontiert, sondern ebenso mit Anforderungen aus der ökologischen Transformation und mit einem insgesamt anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld in Österreich und Deutschland. Viele Agenturen hätten diese Phase jedoch genutzt, um ihre eigenen Strukturen zu schärfen, Kompetenzen auszubauen und die eigene Positionierung zu überprüfen.

Dass sich diese Arbeit nun auszuzahlen beginnt, zeigt sich laut Michaela Froschauer auch im Wiener Markt. Den vor knapp zwei Jahren von Michaela Froschauer aufgebauten Standort konnte von zwei auf sechs Mitarbeiter ausgebaut werden. Gleichzeitig sei die Sichtbarkeit der Agentur im Familienbesitz in Wien gestiegen, was sich nicht nur in Neukundengeschäft, sondern auch in einer bemerkenswert hohen Zahl an Initiativbewerbungen niederschlage. Die Wiener Einheit bündle vor allem digitale Kompetenzen in den Bereichen Social Media, Display, Google und Performance Marketing, arbeite jedoch eng mit dem Stammhaus in Leonding zusammen. Genau dieses Zusammenspiel aus strategischer Erfahrung und digitaler Spezialisierung sei ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells. Die Funktion von Michaela Froschauer als COO und der Ausbau des Wiener Teams wurden zuletzt auch von medianet entsprechend beschrieben.

Ein weiteres Wachstumsfeld sieht die Agentur im internationalen Geschäft. Der Standort München eröffne den Zugang zu deutschen und darüber hinaus europäischen Märkten. Angelika Sery-Froschauer betonte, „Österreich sei ein sehr guter Ort für Entwicklung, Konzeption und strategische Markenarbeit, für viele Kunden sei jedoch der deutsche Markt von zentraler Bedeutung. Gerade dort werde österreichische Denk- und Entwicklungsqualität ebenso geschätzt wie die Art der Zusammenarbeit mit Auftraggebern.”

Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, wie Markenführung in wirtschaftlich unsicheren Zeiten funktionieren kann. Für Sery-Froschauer beginnt erfolgreiche Kommunikation nicht bei einzelnen Werbemitteln, sondern bei Identität, Charakter und strategischer Klarheit einer Marke. Gerade im B2B-Bereich, in Industrie, Produktion oder Logistik, sei diese vertiefte Auseinandersetzung mit dem eigenen Markenkern besonders wichtig, weil sie Orientierung und Stabilität schaffe. Daraus leite sich dann ab, welche Kommunikationsmaßnahmen sinnvoll sind – von Employer Branding über Imagekampagnen bis hin zu Produkt- und Vertriebskommunikation.

Michaela Froschauer ergänzte, dass dieser strategische Zugang auch in der operativen Kampagnenarbeit den Unterschied mache. Digital First sei für viele Kunden inzwischen ein logischer Ansatz, dennoch funktionierten Kampagnen besonders gut dort, wo digitale Maßnahmen mit klassischen Offline-Formaten kombiniert werden. Social Media, Display und Performance-Marketing würden in vielen Fällen durch Out-of-Home oder Print ergänzt. Rein digitale Set-ups blieben eher die Ausnahme; gefragt sei vielmehr ein orchestriertes Zusammenspiel der Kanäle.

Inhaltlich verdichtete sich das Gespräch auf einen Leitsatz, den Angelika Sery-Froschauer sinngemäß mit „weniger Glamour und mehr Sinn“ umschrieb. Gemeint ist damit ein Kommunikationsverständnis, das weniger auf Inszenierung um ihrer selbst willen setzt, sondern auf konkreten Nutzen. Dieser Mehrwert sei wirtschaftlich, fachlich, ethisch und sozial zu denken. Der Anspruch bestehe darin, Wirkung zu erzeugen – sei es in Form besserer Sichtbarkeit, steigender Bewerberzahlen, klarerer Positionierung oder wachsender Nachfrage beim Kunden.

Für 2026 fällt der Ausblick entsprechend vorsichtig optimistisch aus. Beide Gesprächspartnerinnen berichteten von zusätzlichen Budgets, erweiterten Etats und neuen Aufgabenstellungen bereits zu Jahresbeginn. Nach den Einsparungen des Vorjahres sei bei einzelnen Kunden nun wieder deutlich mehr Spielraum vorhanden, teils sogar um bis zu ein Drittel.

Gleichzeitig beobachtet die Standespolitikerin Angelika Sery-Froschauer eine anhaltend hohe Zahl an Unternehmensgründungen und einen verstärkten Schritt in die Selbstständigkeit – beides Signale für Bewegung in einem Markt, der sich laufend differenziert und spezialisiert.

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