mediadome pressclub: Styria setzt auf Digitalabos und Marktplätze

Wie lässt sich Journalismus finanzieren, wenn Werbegelder zu globalen Plattformen wandern und künstliche Intelligenz neue Konkurrenz schafft? Markus Mair, Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group AG, setzt auf das Zusammenspiel von Medien und digitalen Marktplätzen. Im „mediadome pressclub“ mit medianet-Herausgeber Chris Radda beschreibt er ein Geschäftsmodell, das Investitionen ermöglicht, aber laufend angepasst werden muss.

Den Veränderungsdruck zeigt der Konzernabschluss 2025: Bei 303,64 Mio. Euro Umsatz verzeichnete Styria einen Jahresfehlbetrag von 49,31 Mio. Euro. Erhebliche Wertminderungen der Dotierungen der Zeitungen belasteten das Ergebnis; der Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit blieb mit 10,71 Mio. Euro positiv. Mair verweist auf unterschiedliche Entwicklungen der beiden Geschäftsfelder: Während die Marktplätze wachsen, könne das digitale Mediengeschäft die Rückgänge im Printbereich bestenfalls ausgleichen. Inflationsbereinigt schrumpfe dieser Bereich.
Eine wichtige Grundlage für Investitionen seien die 2017 eingeführten Digitalabonnements. Sie finanzierten einen Teil des journalistischen Produktionsaufwands und verringerten die Abhängigkeit vom schwankenden Werbemarkt. Styria investiere auch stark in KI. Bei internen Managementtagen seien Projekte aus der gesamten Gruppe vorgestellt und diskutiert worden.
Gleichzeitig sieht Mair im eigenen Lokaljournalismus einen strategischen Wert gegenüber neuer Konkurrenz durch KI. Die rein werbefinanzierten RegionalMedien Austria seien wirtschaftlich unter Druck. Auf das österreichweite Netz von knapp 150 Redakteurinnen und Redakteuren wolle Styria jedoch keineswegs verzichten. Die lokale Recherche bleibe ein wesentliches Gut.

Auch willhaben erfordert laufende Arbeit. „Das Geschäft ist kein Perpetuum mobile“, betont Mair. Investitionen und die Verteidigung der Marktposition seien dauerhaft notwendig. Mit dem Partner Sprints sieht er gemeinsame strategische Interessen und zusätzliche operative Erfahrung im Geschäft mit digitalen Marktplätzen. Deren Entwicklung erleichtere der Gruppe die Steuerung von Liquidität und Cashflow.

Zur Finanzierung journalistischer Leistungen zählt Mair auch die Presseförderung. „Als Almosen sehe ich diese nicht“, sagt er. Private Medien leisteten einen Beitrag zur Funktionsfähigkeit der Demokratie, etwa durch kritische Berichterstattung und die Sichtbarkeit regionaler Wirtschaft und Kultur. Zugleich stünden sie im digitalen Geschäft global skalierenden Anbietern gegenüber. Die geplante Zustellförderung (nach Redaktionsschluss von der Bundesregierung beschlossen) hält er für wichtig, um Menschen im ländlichen Raum weiterhin mit Printmedien zu versorgen. Zur redaktionellen Unabhängigkeit erklärt Mair, er habe in seinen 13 Jahren an der Konzernspitze keine inhaltlichen Vorgaben aus dem Eigentümerkreis erlebt.
Wachstumspotenzial sieht er unter anderem bei Veranstaltungen, sofern sie Publikum und Werbekunden einen Mehrwert bieten. Auch die digitalen Produkte bleiben in Bewegung: Nach dem Relaunch von Website und App der „Kleinen Zeitung“ gehe die Optimierung mit den Nutzern weiter. Entscheidend sei, wofür Menschen ein Abo abschließen und bezahlen. Dafür müsse das Medienhaus ein „journalistisch gutes, attraktives Produkt“ liefern.

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