Value #42  Im TV-Kooperationsformat von medianet und der Fachgruppe Finanzdienstleister der Wirtschaftskammer Wien stand diesmal die Zukunft des Private Banking im Mittelpunkt. Unter dem Titel „Private Banking 2030 – Chancen und Herausforderungen“ diskutierte Fachgruppen-Obmann Eric Samuiloff mit Robert Löw, CEO der Liechtensteinischen Landesbank (Österreich) AG (LLB Österreich), über den Spagat zwischen persönlicher Beratung, Generationenwechsel und dem zunehmenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz.

Im Gespräch wurde deutlich: Trotz Digitalisierung und wachsender technischer Möglichkeiten sieht Löw den zentralen Wettbewerbsvorteil im Private Banking weiterhin beim Menschen. Das „Nummer-1-Investment“ der Bank seien die Beraterinnen und Berater selbst – fachlich, aber auch in ihrer Rolle als vertrauensvolle Ansprechpartner. Dieses Leitbild fasst die LLB unter dem Begriff „Trusted Advisor“ zusammen. Gerade bei anspruchsvoller Kundschaft sei nicht nur Produktwissen, sondern vor allem die Fähigkeit entscheidend, komplexe Lebens- und Vermögenssituationen zu verstehen und individuell zu begleiten.

Diese Position passt zur strategischen Ausrichtung des Hauses: Laut Lagebericht 2024 steigerte die LLB Österreich ihr Geschäftsvolumen auf EUR 36 Mrd. und weist Assets under Management von rund EUR 35,3 Mrd. aus. Damit untermauert sie ihre Rolle als eine der führenden Vermögensverwaltungsbanken am österreichischen Markt. Der Bericht nennt zudem mehr als 220 Mitarbeitende. 

Insgesamt werden derzeit in Österreich rund 1.000 Milliarden Euro an Vermögen von Wealth Managern verwaltet.

Ein Schwerpunkt der Sendung war die Frage, wie eine stark wachsende Private-Banking-Organisation ihre Beratungsqualität aufrechterhalten kann. Löw verwies hier auf einen systematischen Ausbau der internen Qualifizierung: Die LLB investiere in Ausbildung und habe eine Bildungs- und Vertriebsakademie etabliert. Ergänzt werde dies durch laufende Updates zu Kapital- und Immobilienmärkten sowie zu rechtlichen Themen wie Gesellschafts-, Handels- und Stiftungsrecht. Der Anspruch: Beraterinnen und Berater sollen in der Kundensituation nicht nur reagieren, sondern mit aktuellem Know-how einen echten Informationsvorsprung bieten.

Besonders ausführlich wurde der Generationenwechsel bei Vermögen besprochen – ein Thema, das Samuiloff als strukturellen Trend adressierte. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass ein erheblicher Teil der privaten Vermögen in Österreich bei älteren Generationen liegt und damit in den kommenden Jahren auf jüngere Erben und Nachfolger übergehen wird. Robert Löw beschrieb diesen Übergang als „Megatrend“ für die Branche: Private Banking müsse heute nicht nur bestehende Vermögen verwalten, sondern zunehmend auch die Erwartungen der nächsten Generation verstehen.

Dabei, so der Tenor des Gesprächs, ähneln sich die Grundbedürfnisse über Generationen hinweg stärker als oft angenommen: Vertrauen, Qualität, Service und Verlässlichkeit bleiben zentral. Neu hinzu kommen jedoch Anforderungen an digitale Zugänge, ortsunabhängige Nutzung, Mobile Banking und schnell verfügbare Informationen. Die Lebensrealitäten würden internationaler und komplexer – etwa durch Auslandswohnsitze, Patchwork-Familien, Trennungen oder grenzüberschreitende Vermögensstrukturen. Entsprechend steigen die Anforderungen an steuerliche und rechtliche Strukturierung.

Robert Löw sprach in diesem Zusammenhang von „Vermögensgefäßen“ – also rechtlichen und gesellschaftsrechtlichen Konstruktionen, mit denen Vermögen generationenübergreifend gesichert, geordnet übertragen und vor Zersplitterung geschützt werden kann. Gerade bei Unternehmerfamilien stelle sich nicht nur die Frage der Veranlagung, sondern auch jene der langfristigen Vermögenssicherung, der steuerlichen Planung und der Verfügungsstruktur im Erbfall.

Ein weiterer Kernpunkt war das Spannungsfeld aus Inflation, realem Werterhalt und Anlagestrategie. Samuiloff verwies darauf, dass vermögende Kunden oft weniger auf maximale Rendite als auf den realen Werterhalt fokussiert seien. Löw bestätigte diese Sicht und argumentierte, dass dieses Ziel in inflationären Phasen zwar anspruchsvoll sei, aber mit einer langfristigen, professionell gesteuerten Allokation erreichbar bleibe. Als Beispiele nannte er Aktien, Immobilien mit indexierten Mieterträgen sowie Edelmetalle. Kritisch sah er hingegen nicht investiertes Kapital auf klassischen Spareinlagen, das real an Kaufkraft verliere.

Auch bei den Marktausblicken für 2026 zeigte sich Löw differenziert optimistisch. Kurzfristige politische Irritationen – etwa aus den USA – würden die Märkte zwar bewegen, hätten aber aus Sicht der Marktteilnehmer zunehmend an Schockwirkung verloren. Wichtiger seien fundamentale Faktoren wie Zinsentwicklung, geldpolitische Entscheidungen, geopolitische Rahmenbedingungen und die Breite der Marktbewegung. Löw skizzierte dabei ein Bild, in dem Aktienmärkte künftig weniger einseitig von großen Technologiewerten getragen werden könnten, sondern breiter abgestützt sind – ein Hinweis auf eine mögliche Sektorrotation.

Im letzten Teil der Sendung rückte das Thema KI in der Beratung in den Fokus. Löw machte klar, dass Künstliche Intelligenz im hochwertigen Private Banking aus seiner Sicht noch „in den Kinderschuhen“ stecke. Das gelte vor allem für die persönliche, komplexe Vermögensberatung. Deutlich schneller werde KI hingegen bei StandardprozessenEinzug halten – etwa im E-Banking, bei Routineanfragen oder bei einfachen Service- und Abwicklungsleistungen.

Das Zukunftsbild der LLB ist damit klar als hybrides Modell angelegt: digitale Analyse- und Servicefunktionen, weltweit verfügbar und schnell nutzbar, kombiniert mit dem Faktor Mensch als Vertrauensinstanz. Oder anders formuliert: Private Banking wird technologischer – aber nicht unpersönlicher. Genau in dieser Kombination aus digitaler Effizienz und persönlicher Beratungstiefe verortet die LLB ihre Positionierung für ihre Private Banking 3.0 Agenda.

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