ÖHV zieht gegen Booking.com nach Brüssel
© Bernhard Raab
Markus Gratzer
DESTINATION Redaktion 23.09.2026

ÖHV zieht gegen Booking.com nach Brüssel

Hotelvereinigung wirft der Plattform Verstöße gegen den Digital Markets Act vor und fordert strengere Auflagen.

WIEN. Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) hat bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen Booking.com eingebracht. Nach Ansicht des Verbands verstößt die Plattform mit mehreren Geschäftspraktiken gegen den Digital Markets Act (DMA). Booking.com ist seit Mai 2024 als sogenannter Gatekeeper eingestuft und damit zu fairen, transparenten und nichtdiskriminierenden Bedingungen verpflichtet.

Die ÖHV fordert die EU-Kommission auf, einen Nichteinhaltungsbeschluss zu erlassen und Booking.com zu Änderungen seiner Geschäftsbedingungen zu verpflichten. Hintergrund ist auch die hohe Marktmacht der Plattform: Laut European Hotel Distribution Study 2026 entfallen in Österreich 73,9% aller Buchungen über Online-Plattformen auf Booking Holdings, im europäischen Schnitt sind es 68,8%.

Konkret kritisiert die ÖHV unter anderem Preisnachlässe ohne Zustimmung der Hotels, bessere Sichtbarkeit gegen höhere Provisionen, nicht ausreichend transparente Zahlungsgebühren sowie Stornos und Nachlässe ohne dokumentierte Zustimmung der Betriebe. Auch die Möglichkeit, Hotels ohne vorherige Mahnung von der Plattform zu sperren, wird beanstandet.

„Wenn ein Konzern drei von vier Plattformbuchungen kontrolliert, sind seine Geschäftsbedingungen keine Verhandlungssache mehr, sondern Diktat“, sagt ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer. Viele Betriebe seien von der Plattform stark abhängig und scheuten deshalb eine direkte Auseinandersetzung.

Die ÖHV verlangt unter anderem mehr Transparenz bei Rankings und Gebühren, Preisnachlässe nur mit ausdrücklicher Zustimmung der Hotels sowie klarere Regeln für Sperren. Zudem appelliert sie an die Bundesregierung, die Beschwerde auf EU-Ebene zu unterstützen. (red)

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