•• Von Reinhard Krémer
Der aktuelle „Erste Insights 2026“-Bericht des Group Chief Investment Office der Erste Group – erstellt in Zusammenarbeit mit Experten von Erste Group Research und Erste Asset Management – bietet einen volkswirtschaftlichen Ausblick für das Jahr 2026, belichtet wesentliche strukturelle Trends und schlägt sinnvolle Vermögensallokationen sowie praktische Anlagestrategien vor. Er unterstützt Anleger dabei, den zunehmenden Lärm zu durchdringen, Klarheit inmitten von Unsicherheit zu schaffen und rotz Komplexität Chancen zu erkennen.
Die Volatilität bleibt
„Die Märkte werden auch 2026 weiterhin volatil bleiben. Anhaltende politische Unsicherheiten, technologische Veränderungen und strukturelle Umbrüche werden Investoren weiterhin vor Herausforderungen stellen. Mit den richtigen Erkenntnissen können diese Herausforderungen jedoch auch als Chancen betrachtet werden“, so Rainer Hauser, Chief Investment Officer der Erste Group.
Die Eurozone zeigt nach dem Zollkonflikt mit den USA wieder eine Normalisierung der wirtschaftlichen Dynamik. Für 2026 erwartet Erste Group Research ein BIP-Wachstum von 1,1% in der Eurozone. Der private Konsum, getragen vor allem von steigenden Reallöhnen und einem robusten Arbeitsmarkt, soll eine wichtige Säule des Wachstums bleiben. Die Inflation dürfte in Euroraum auf 1,8% weiter absinken. Die Research-Experten der Erste Group erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagenzins voraussichtlich bei 2,0% belässt, während höhere Staatsausgaben – insbesondere in Deutschland – die Konjunktur stützen.
CEE weiter auf Überholspur
Zentral- und Osteuropa (CEE) wächst weiterhin deutlich schneller als der Euroraum. Für 2026 wird für den CEE-Raum ein durchschnittliches BIP-Wachstum von 2,7% erwartet. Haupttreiber sind starker Konsum, Reallohnzuwächse und umfangreiche EU Investitionsprogramme wie die Recovery and Resilience Facility sowie das SAFE-Programm zur Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie. Die Inflation sinkt, bleibt aber in einigen CEE-Ländern – etwa Rumänien – erhöht. Die meisten Zentralbanken der Region dürften 2026 wieder in einen Zinssenkungszyklus eintreten.
Die US-Konjunktur verlor im ersten Halbjahr 2025 deutlich an Schwung. Erste Group Research geht nun von einem BIP-Wachstum von 1,8% in 2026 aus. Für das laufende Jahr dürfte die Teuerungsrate für die USA bei 2,8%, im kommenden Jahr bei 2,9% liegen. Die Fed dürfte 2026 zunächst zweimal die Zinsen senken, könnte aber später aufgrund hartnäckiger Inflation wieder gegensteuern.
China wächst robust
China wächst trotz Zollkonflikt robust, dieses Wachstum dürfte sich 2026 jedoch auf 4,2% verlangsamen. Die chinesische Wirtschaft bleibt stark investitionsgetrieben, während die Regierung versucht, den Konsum zu stärken. Indien zeigt mit 8,2% Wachstum im dritten Quartal 2025 außergewöhnliche Dynamik, getragen von steigenden Realeinkommen und starker Binnennachfrage. Die Inflation in Indien ist niedrig, was geldpolitische Lockerungen ermöglicht.
„In Summe sehen wir für 2026 – bis auf Indien und CEE – global nur moderates BIP-Wachstum, ungelöste geopolitische Konflikte bleiben für die Märkte eine Herausforderung“, sagt Fritz Mostböck, Head of Group Research der Erste Group.
Breite Streuung ist angesagt
Das von der Erste Group vorgeschlagene Gesamtportfolio für das Jahr 2026 setzt auf eine breite Streuung über Anlageklassen, Regionen und Sektoren, um Schwankungen zu reduzieren und Chancen gezielt zu nutzen.
Aktien – inklusive solcher aus Schwellenländern – dienen als Wachstumstreiber, wobei Qualität, günstige Bewertungen und strukturelle Trends im Fokus stehen. Staats‑ und Unternehmensanleihen sowie Schwellenländeranleihen in Lokalwährung sorgen im Gesamtportfolio für Stabilität und zusätzliche Ertragschancen. Die Erste Group rät auch zu Rohstoffen,insbesondere Gold, sowie zu alternativen Anlageformen. Zusätzlich soll ausreichende Liquidität gehalten werden, damit die Widerstandsfähigkeit des Portfolios erhöht werden kann und flexible Reaktionen auf Marktveränderungen möglich sind.
Risk on – not all in
„Das Motto für 2026 lautet: Risk On aber nicht All In. Wirtschaftswachstum und in den USA sinkende Leitzinsen eröffnen Chancen – wer Qualität mit Breite verbindet, ist im Vorteil“, sagt Gerold Permoser, Chief Investment Officer der Erste Asset Management.
