PPP für Telemedizin
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Die ÖGK will mit einem privaten Partner ein Ambulatorium für Telemedizin aufbauen, das Versorgungslücken schließen soll.
HEALTH ECONOMY Redaktion 06.03.2026

PPP für Telemedizin

Die Österreichische Gesundheitskasse sucht erneut einen privaten Partner für ein neues telemedizinisches Angebot.

••• Von Martin Rümmele

WIEN. Neuer Anlauf für Telemedizin auf Kassenkosten: Nachdem das Bundesverwaltungsgericht wie berichtet im August die erste Ausschreibung der ÖGK nach Kritik der Ärztekammer gekippt hat, sucht die Kasse erneut einen privaten Partner. Eigentlich sollte der Zuschlag schon vor dem Sommer 2025 vergeben werden, damit das Projekt 2026 starten kann. Jetzt wird es für das erste Quartal 2027 angepeilt.

Die ÖGK hat die Pläne nun konkretisiert und abgespeckt. Geplant ist ein Ambulatorium mit einem privaten Minderheitspartner, der das Angebot bereitstellen und abwickeln soll. Das Ambulatorium soll nicht direkt von Patienten angewählt werden. Vielmehr sollen diese von der Plattform 1450 nur dann zugewiesen werden, wenn es sich einerseits um keinen Notfall handelt (Rettung) und keine niedergelassene Versorgung verfügbar ist. Also etwa an Abenden oder Wochenenden. Ausgehend von einer Studie des Public Health-Institutes des bundes, der GÖG, ist für das Jahr 2030 mit österreichweit je nach Modellierung zwischen 61.060 und 99.350 allgemeinmedizinischen ärztlichen Videoberatungen zu rechnen. „Es entspricht etwa einem Bedarf von 6,5 bis 10,6 Vollzeit-Äquivalenten an Allgemeinmedizinern. Es ist mit einem steigenden Bedarf zu rechnen“, heißt es in der Ausschreibung. „In die auf Basis der Gesamtverträge gemäß §§ 341 ff des ASVG geschaffene Rechtssituation der niedergelassenen Ärzte wird nicht eingegriffen. Es werden auch keine Kompetenzen von den niedergelassenen Ärzten zu dem neu zu schaffenden telemedizinischen Ambulatorium verschoben. Gleiches gilt für vom Auftraggeber angestrebte öffentlich-öffentliche Kooperationen in den Bundesländern sowie den Ausbau des Dienstleistungsangebots mit 1450.“

Kritiker machen mobil
Aus den Bundesländern und der Ärztekammer kommt dennoch Kritik. Die Ländern fühlen sich schlecht informiert. Die seit 2019 zur Verfügung stehende telefonische Gesundheitsberatung in den Ländern unter der Rufnummer 1450 werde zu wenig berücksichtigt. Die NÖ-Ärztekammer fürchtet einen „grundlegenden Umbau von Versorgungsstrukturen“ und lehnt das ab.

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